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03.08.2009

Dalai Lama zu Gast an der Universität Marburg

Der Dalai Lama war anlässlich seiner Verleihung der Ehrendoktorwürde der Philipps-Universität in Marburg. Dem Festakt vorangegangen waren die Segnung einer Statue aus der Religionskundlichen Sammlung, die Information über die tibetbezogene Forschung in Marburg und der Eintrag ins Goldene Buch der Stadt.

Schlosshof
Universitätspräsident Prof. Dr. Volker Nienhaus begrüßt den Dalai Lama im Schlosshof (Foto: Markus Farnung)
Mit großer Freude hat Tenzin Gyatso, der 14. Dalai Lama, die Ehrendoktorwürde des Fachbereichs Fremdsprachliche Philologien der Philipps-Universität Marburg am 3. August 2009 entgegengenommen. Der 74-Jährige, der von Millionen Menschen weltweit als Vorbild für Frieden und Toleranz verehrt wird und der in Marburg für sein wissenschaftliches Wirken ausgezeichnet wurde, bedankte sich für die höchste akademische Würde, die eine Universität vergeben kann: "Es ist eine Ehre, von einer so altehrwürdigen Traditionsuniversität ausgezeichnet zu werden."

Dem Festakt im Marburger Landgrafenschloss vorangegangen waren zum einen der Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Marburg im Waldeckersaal des Schlosses, zum anderen die Segnung einer Statue aus der Religionskundlichen Sammlung der Philipps-Universität. Die 30 cm hohe Statue, die die Gottheit Shadakshari-Avalokiteshvara (allumfassendes Mitgefühl) verkörpert, war dazu mit einem Glücksschleier umwickelt (wie bei derartigen Zeremonien üblich), sodass nur ihr vergoldeter und farbig prächtig gefasster Kopf herausschaute. Die vom Dalai Lama gesegnete Statue wird zukünftig auf dem Altar des nachgebauten tibetischen Tempelraums in der ständigen Ausstellung der Religionskundlichen Sammlung zu sehen sein.

Diese Segnungszeremonie fand im Rittersaal des Schlosses statt. Dort waren ausgesuchte Tibetica der Religionskundlichen Sammlung und wissenschaftliche Poster ausgestellt, sodass Marburger Professoren dem Dalai Lama ihre tibetbezogenen Forschungen vorstellen konnten, vor allem aus den Bereichen Tibetologie, Religionswissenschaften, Völkerkunde, Biologie und Geographie. Zusätzlich überreichte die Leiterin der Religionskundlichen Sammlung dem Dalai Lama den Katalog zur aktuell laufenden Ausstellung „Tibet in Marburg“.

Nach diesen zwei Programmpunkten im kleinen Kreis begann die Festveranstaltung vor 320 geladenen Gästen vor allem aus der Universität sowie aus Politik, Kirchen und Glaubensgemeinschaften. In seiner Begrüßung zeigte sich der Präsident der Universität, Prof. Dr. Volker Nienhaus, erfreut und geehrt, dass der Dalai Lama die Ehrendoktorwürde der Universität Marburg angenommen hat. "Das ist nicht nur eine Ehrung für Sie, sondern eine noch größere Ehre für unsere Universität", freute sich Nienhaus.

Die Dekanin des Fachbereichs Fremdsprachliche Philologien, Prof. Dr. Sonja Fielitz, verwies auf die lange Tradition der Universität Marburg. Die wissenschaftliche Tibetologie sei seit über 75 Jahren in Marburg heimisch, zunächst als Hilfswissenschaft zur Erforschung des indischen Buddhismus, mittlerweile aber als eigenständiges Forschungsgebiet, das sich auch rein tibetologischen Fragestellungen widmet. Der wissenschaftliche Ansatz reiche dabei von Sprache über Literatur bis zur Kultur.

Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Marburg mit Oberbürgermeister Egon Vaupel (li.), Stadtverordnetenvorsteher Heinrich Löwer und Universitätspräsident Prof. Dr. Volker Nienhaus (re.) (Foto: Rolf Wegst)
Entsprechend erklärte der erste Laudator, der Marburger Tibetologe Prof. Dr. Jürgen Hanneder, die Gründe der Ehrenpromotion für den Dalai Lama: „In zahlreichen Buchveröffentlichungen hat der Dalai Lama das Wesen des tibetischen Buddhismus in authentischer, aber doch in einer für ein breiteres Publikum verständlichen Form dargelegt. Zudem hat er viele westliche Wissenschaftler und Studierende auf den Gebieten der buddhistischen Philosophie und der esoterischen Lehren des tibetischen Buddhismus, die prinzipiell nur mündlich tradiert werden, belehrt, so dass sich sein Wissen maßgeblich auch in deren Veröffentlichungen niedergeschlagen hat.“ Würdigen möchte die Philipps-Universität auch seine Anregung und Förderung der Gründung einer tibetischen Universität in Indien, so Hanneder. Das Institut ziele darauf, jungen tibetischen Mönchen eine fundierte theologische Ausbildung zu bieten, die sie in Tibet zurzeit nicht erhalten können, und sie gleichzeitig mit den Methoden der westlichen Buddhismusforschung vertraut zu machen. Ein weiterer Schwerpunkt bestehe darin, grundlegende Werke des indischen wie des tibetischen Buddhismus durch wissenschaftliche Ausgaben und Studien wieder (oder erstmalig) zugänglich zu machen.

Auch der zweite Laudator Prof. Dr. Eckhard Bangert, emeritierter Honorarprofessor der Philipps-Universität und mit dem Dalai Lama seit 1968 befreundet, unterstrich die vielfältigen Verdienste des Dalai Lama um die Bewahrung der tibetischen Sprache und Kultur. Geehrt werde ein Mensch des Friedens, ein Mahner für interreligiöse Harmonie und ein aufopferungsvoller Botschafter seines Volkes, der sich bedeutende Verdienste um den interreligiösen und interkulturellen Dialog erworben habe, lobte Bangert, der inzwischen selbst buddhistischer Mönch ist.

In seiner 45-minütigen Rede betonte der Dalai Lama, der sich für eine friedliche Lösung des Tibetproblems einsetzt, wie wichtig ihm als Flüchtling die Bewahrung der tibetischen Kultur sei. Dazu brauche es Erziehung und moderne Schulen.

Urkunde
Überreichung der Urkunde der Ehrenpromotion, links Universitätspräsident Prof. Dr. Volker Nienhaus, rechts Prof. Dr. Sonja Fielitz, Dekanin des Fachbereichs Fremdsprachliche Philologien (Foto: Markus Farnung / Philipps-Universität Marburg)
Darüber hinaus sprach er aktuelle weltpolitische Probleme an: Die Wirtschaftskrise würde als nicht so gravierend empfunden werden, wenn die Menschen nicht so sehr an ihrem Geld hingen. „Viel wichtiger als Geld sind innere Werte, Liebe und Mitgefühl – diese höchsten Güter kann keine Wirtschaftskrise nehmen“, sagte der Dalai Lama. Ferner wies er darauf, dass menschliche Werte in den Mittelpunkt bei der Bearbeitung politischer Konflikte gestellt werden sollten. Der Friedensnobelpreisträger von 1989 betonte aber auch, dass man erst mit sich selbst und seiner eigenen Familie im Reinen sein müsse und dort seinen Frieden gefunden haben müsse, um überhaupt in der Welt Frieden stiften zu können. Wie sehr dies dem Dalai Lama selbst gelungen ist, bewiesen seine starke Ausstrahlungskraft und sein Humor, der seine Rede prägte. Das geistliche und weltliche Oberhaupt der tibetischen Buddhisten, das sich Zeit seines Lebens mit dem Unfrieden hat auseinandersetzen müssen, gilt als Vorbild für Toleranz und Frieden.

Zum Schluss seiner Rede animierte der Tibeter nicht nur das Publikum, ihm Fragen zu stellen, sondern bedankte sich auch bei seinen Gastgebern, indem er dem Präsidenten, der Dekanin und den zwei Laudatoren jeweils einen weißen Glücksschal um den Hals legte – ebenso wie dem Pianisten Albert Kaul, dessen musikalisches Zwischenspiel „Auf der Wölbung der Tempelglocke“ (2009 von Frank Michael komponiert) ihm sehr gefallen hatte.

Mit dem Ausruf „It’s lunchtime!“ beendete der Dalai Lama kurz nach 12 Uhr den offiziellen Festakt zur Ehrenpromotion. Zusammen mit einem guten Dutzend  Ehrengäste ging er anschließend zum Essen in einen Nebenraum des Schlosses, während die übrigen Gäste zu einem Empfang eingeladen waren.


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Zuletzt aktualisiert: 07.08.2009 · Pressestelle

 
 
 
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