Biografie des Dalai Lama
Weltweit gilt Tenzin Gyatso, der 14. Dalai Lama, als Vorbild für Toleranz und Frieden. Doch das geistliche und weltliche Oberhaupt der tibetischen Buddhisten hat sich Zeit seines Lebens mit dem Unfrieden auseinandersetzen müssen.
Geboren wurde er am 6. Juli 1935 in Taktser im Nordosten Tibets als Sohn eines Bauern. Im Alter von zwei Jahren wurde er als Reinkarnation des 13. Dalai Lama erkannt und in Lhasa aufgezogen. 1950 übernahm der Dalai Lama im Alter von 15 Jahren die Regierungsverantwortung, nachdem chinesische Truppen in Tibet einmarschiert waren. Bald begannen die Besatzer, Klöster zu zerstören und Mönche einzusperren. Anfangs versuchte der Dalai Lama zu vermitteln. Als 1959 ein Aufstand ausbrach, bei dem schätzungsweise 90.000 Tibeter ums Leben kamen, floh der Dalai Lama nach Indien.
Seitdem lebt er im Exil im indischen Dharamsala. Hier hat er eine Exilregierung eingerichtet, die regelmäßig tagt. Das ursprünglich autoritär ausgerichtete tibetische Regime ist unter dem Einfluss des 14. Dalai Lama demokratisiert worden. 1963 verkündete der Dalai Lama den Entwurf einer demokratischen Verfassung für ein freies Tibet. Die Vereinten Nationen hatten 1959, 1961 und 1965 Resolutionen verabschiedet, in denen sie China aufforderten, die Menschenrechte der Tibeter und ihr Recht auf Selbstbestimmung zu achten.
Unermüdlich setzt sich der Dalai Lama für eine friedliche Lösung des Tibetproblems ein. Dafür erhielt er 1989 den Friedensnobelpreis.
Rund 450 Millionen Menschen weltweit bekennen sich zu einer der zahlreichen buddhistischen Schulen, in Deutschland sind es etwa 250.000, die Hälfte davon Asiaten. Anders als Christentum und Islam ist der Buddhismus keine missionierende Religion. So hat der Dalai Lama immer wieder betont, dass jeder sich auf die Wurzeln seiner eigenen Religion besinnen solle. Jede Religion biete die Möglichkeit, zum Heil zu gelangen, wenn auch auf unterschiedlichen Wegen.
Für diese Toleranz wird der Dalai Lama von Millionen Menschen weltweit verehrt, auch wenn sie nicht Buddhisten sind.

