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04.05.2012

Behring digital

Großneffe des Marburger Nobelpreisträgers stellt Nachlassdatenbank online

Freischalten der Datenbank
Christian-Ulrich Behring und Dr. Ulrike Enke beim Freischalten der Datenbank behring digital. Auf der Projektion sind Urgroßtante und –onkel Behrings zu sehen, die Eltern des Nobelpreisträgers Emil von Behring (Foto: Pressestelle der Philipps-Universität/Susanne Igler).
Team von behring digital
Projektleitung Prof. Dr. Christoph Friedrich und Dr. Kornelia Grundmann, Projektmitarbeiterinnen Dr. Ulrike Enke und Dipl.-Bibliothekarin Martina Kahler, Ehrengast Christian-Ulrich Behring sowie die Vertreter der Fachbereiche Pharmazie und Medizin, Dekan Prof. Dr. Michael Keusgen und Prof. Dr. Gerhard Aumüller (Foto: Pressestelle der Philipps-Universität/Susanne Igler).
Emil von Behring
Emil von Behring entwickelte ein Heilserum gegen Diphterie und wurde so zum „Retter der Kinder“. Behring erhielt das Foto von den geheilten Kindern und den Brief zu seinem 60. Geburtstag im Jahr 1914 (Foto: Behring-Archiv Marburg).

Am 3. Mai 2012 hat Christian-Ulrich Behring, Berliner Großneffe des Marburger Forschers Emil von Behring, an der Philipps-Universität das virtuelle rote Band durchschnitten und  die Internetdatenbank „behring-digital“ der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dahinter verbirgt sich das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekt „Erschließung, Digitalisierung und Bereitstellung des Nachlasses Emil von Behrings im Internet“, das die Emil-von-Behring-Bibliothek - Arbeitsstelle für Geschichte der Medizin und das Institut für Geschichte der Pharmazie in Kooperation mit der Universitätsbibliothek und dem Hochschulrechenzentrum unter Leitung von Professor Dr. Christoph Friedrich und Dr. Kornelia Grundmann seit 2009 durchführt.

Projektleiter Friedrich, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Geschichte der Pharmazie, umriss in seiner Begrüßung die hohen Anforderungen, die die Erschließung und Digitalisierung tausender Dokumente an die Projektmitarbeiter stellte. „Es ist eine besondere Freude, dass die Digitalisate seit heute in aller Welt abrufbar sind“, betonte er. Projektleiterin Dr. Kornelia Grundmann informierte über die wechselvolle Geschichte des Marburger Behring-Nachlasses, das 1999 bei der Auflösung des Archivs der Behringwerke zunächst als Depositum an die Philipps-Universität kam und vergangenes Jahr als Schenkung von der den Behringwerken nachfolgenden Sanofi Aventis GmbH übereignet wurde. „Der gesamte persönliche Nachlass Behrings war bis dato nur durch Zettelkataloge erschlossen; die rund 1800 Leitzordner des Firmenarchivs waren gänzlich unkatalogisiert“, umriss sie die Ausgangslage vor Projektbeginn. Dr. Ulrike Enke von der Emil-von-Behring-Bibliothek und Diplom-Bibliothekarin Martina Kahler erläuterten die Vorgehensweise bei der Erschließung der Schriftstücke und die Bedienung der neu entstandenen Datenbank anhand von interessanten Beispielen. „Zusätzlich haben wir bereits ausgewählte Bücher aus der tausendbändigen Privatbibliothek Behrings digitalisiert, deren handschriftliche Annotationen Aufschluss über das Denken und Handeln des Wissenschaftlers und Privatmanns Behring geben“, fügte Enke hinzu. Professor Dr. Gerhard Aumüller, ehemaliger Leiter der Emil-von-Behring-Bibliothek und Vertreter des Dekans des Fachbereichs Medizin, schwärmte: „Vom Schulheft des ersten Schuljahres bis zur Nobelpreisurkunde harrt alles einer systematischen wissenschaftlichen Auswertung.“

Professor Dr. Joachim Schachtner, Vizepräsident für Qualitäts- und Informationsmanagement an der Philipps-Universität würdigte in seinem Grußwort die wissenschaftliche Leistung Behrings auf dem Gebiet der Bakteriologie sowie seine Verdienste bei der Entwicklung der pharmazeutischen Industrie. „Damit schuf der Wissenschaftler und Unternehmer die Grundlage dafür, dass Marburg bis heute einer der bedeutendsten Standorte der pharmazeutischen Forschung und Industrie in Deutschland ist“, sagte Schachtner. Egon Vaupel, Oberbürgermeister der Universitätsstadt Marburg, lobte in seinem Beitrag das Engagement des Ehrenbürgers Behring als Kommunalpolitiker, der sich für die Verbesserung der Trinkwasserversorgung, die Einrichtung eines Gesundheitsamtes sowie den Bau des zweiten hessischen Kanalsystems in Marburg einsetzte.

Der Dekan des Fachbereichs Pharmazie, Professor Dr. Michael Keusgen, stellte in seinem Grußwort schließlich die Frage, was ein Nachlass eigentlich sei. „Zunächst haftet ihm etwas Trauriges an, denn er ist immer mit dem Tod eines Menschen verbunden“, erläuterte er. Aber ein Nachlass, insbesondere wenn er mit so reichen persönlichen Aufzeichnungen aufwarte wie die Papiere Behrings, habe auch eine mystische Komponente. Es gelte Geheimnisse zu lüften und Wissenslücken zu schließen. „Die fruchtbare Erschließung der Behring-Schriften birgt einen Schatz, den es zu heben gilt“, schloss Keusgen.

Bei der offiziellen Freischaltung von „behring-digital“ rief Christian-Ulrich Behring zunächst den Datensatz mit dem Geburtshaus seines berühmten Großonkels in Hansdorf im damaligen Ostpreußen auf. „Es freut mich besonders, dass der Nachlass Behrings, der im heutigen Polen in einem Schulhaus auf die Welt kam, ausgerechnet am 3. Mai, dem polnischen Nationalfeiertag, der Öffentlichkeit unter Anteilnahme meiner Freunde in Hansdorf übergeben wird“, erklärte er. Sichtlich bewegt war er vom Kondolenzschreiben seiner Großmutter an ihre Schwägerin, die Witwe Emil von Behrings, aus dem Jahr 1917, das er zum ersten Mal in der Datenbank sah.

Der Arzt und Medizinnobelpreisträger Emil von Behring (1854–1917), weltberühmt geworden durch die Entwicklung der Serumtherapie gegen die Diphtherie, lehrte von 1895 bis 1917 an der Philipps-Universität als Hygieneprofessor. Er hinterließ eine große Zahl von Briefen, Tagebüchern, Labornotizen und sonstige Aufzeichnungen, die interessante Einblicke in sein wissenschaftliches Werk, sein berufliches Wirken sowie sein privates Umfeld gewähren. Der circa 1.650 Briefe umfassenden wissenschaftlichen Korrespondenz mit Persönlichkeiten wie Paul Ehrlich und berühmten französischen Kollegen kommt hierbei eine herausragende Bedeutung zu.

Bisher konnten die in Marburg aufbewahrten Materialien für die Forschung nur eingeschränkt genutzt werden. Das von der DFG finanzierte  Projekt zur Erschließung und Digitalisierung des kompletten Nachlasses läuft von 2009 bis 2013. Da ein großer Teil des digitalisierten Materials auch mit Inhaltsangaben und biographischen Informationen verknüpft wurde, bietet die Datenbank mithilfe integrierter Suchfunktionen einen hervorragenden Einstieg in die weitere Erforschung des wertvollen Bestandes und damit auch der Lebensleistung Emil von Behrings. Nachfolgend sollen nicht nur Behrings Erfolge wie die Herstellung des ersten Tetanus-Impfstoffs,  sondern auch  die Geschichte des Scheiterns seiner 10 Jahre lang exzessiv betriebenen Forschung an einem Tuberkulose-Impfstoff erforscht werden und zu einer umfassenden Werksgeschichte beitragen, erläuterte Grundmann: „Nicht nur die Erfolge, sondern gerade die Misserfolge führen ja oft zu neuen Erkenntnissen in der Wissenschaft.“

  

Weitere Informationen:

Ansprechpartnerinnen: Dr. Kornelia Grundmann, Leiterin des Behring-Archivs und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Emil-von-Behring-Bibliothek, Arbeitsstelle für Geschichte der Medizin

E-mail: grundman@staff.uni-marburg.de

Dr. Ulrike Enke, Emil-von-Behring-Bibliothek, Arbeitsstelle für Geschichte der Medizin,

Tel.: 06421 28-65424
E-Mail: ulrike.enke@staff.uni-marburg.de

 

http://www.uni-marburg.de/behring-digital

 

Zuletzt aktualisiert: 04.05.2012 · Dr. Susanne Langer

 
 
 
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