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18.05.2017

Geschichtswissenschaft als gesellschaftlicher Auftrag

Marburger Historiker Carlos Collado Seidel zum Generalsekretär des PEN-Zentrums Deutschland gewählt

Geschichtswissenschaft als gesellschaftlicher Auftrag
Der Marburger Historiker Prof. Dr. Carlos Collado Seidel ist neuer PEN-Generalsekretär. Foto: Roland Baege

Carlos Collado Seidel, außerplanmäßiger Professor im Fachgebiet Neueste Geschichte der Philipps-Universität Marburg, ist neuer Generalsekretär des PEN-Zentrums Deutschland. Die Wahl fand im Rahmen der Jahrestagung der Schriftstellervereinigung statt. Das PEN-Zentrum Deutschland setzt sich für Toleranz und die Freiheit des Wortes ein und engagiert sich weltweit für verfolgte Autoren – Themen, die auch in Collado Seidels wissenschaftlicher Arbeit eine Rolle spielen. Er ist Experte für die Geschichte Spaniens und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Fragen der nationalen Identität, des Nationalismus und der Vergangenheitsbewältigung.

Der Historiker leitet hieraus einen gesellschaftlichen Auftrag für die Geschichtswissenschaft ab. Diesen will er in seiner neuen Funktion noch stärker wahrnehmen: „Die Geschichte wirkt mächtig auf die Gegenwart, denn jede Zeit stellt ihre eigenen historiographischen Fragen, in deren Mittelpunkt nicht allein die Deutung von Vergangenem, als vielmehr – auch wenn es uns manchmal nicht unbedingt bewusst ist – die Erklärung der Gegenwart steht.“

Wissenschaftliche Laufbahn zwischen Deutschland und Spanien

Carlos Collado Seidel wuchs in Deutschland und Spanien auf und studierte Neuere und Neueste Geschichte, Politikwissenschaft sowie Sozial- und Wirtschaftsgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Universidad Complutense in Madrid. Seit 2011 ist er außerplanmäßiger Professor am Fachbereich Geschichte und Kulturwissenschaften der Philipps-Universität. Zudem bekleidete er Gastprofessuren im In- und Ausland.

Sein Forschungsschwerpunkt liegt in der Zeitgeschichte Spaniens und in der vergleichenden europäischen Geschichte. Hierzu verfasste er einschlägige Werke, darunter „Der Spanische Bürgerkrieg. Geschichte eines europäischen Konflikts“ (München: C.H. Beck, 2006; überarbeitete und aktualisierte Neuauflagen 2010 und 2016) und „Franco. General, Diktator, Mythos“ (Stuttgart: Kohlhammer, 2015).

Aktiver Einsatz für Meinungsfreiheit

Seit 2015 ist Seidel Mitglied bei PEN. Zu seinen Aufgaben als Generalsekretär gehört unter anderem die Organisation von Tagungen und Podiumsdiskussionen. Ein zentrales Thema dabei ist die Meinungs- und Pressefreiheit. Dies gilt insbesondere angesichts der bedenklichen Situation in Staaten wie der Türkei, Russland oder China. Als Historiker plädiert Collado Seidel in diesem Zusammenhang für eine produktive Auseinandersetzung mit unserer Geschichte: „Ernest Renan hat in seiner berühmten Rede zum Wesen von Nationen ein Recht auf das Vergessen von vergangenen unrühmlichen Geschichtsabschnitten eingefordert, um auf diese Weise das nationale Gemeinschaftsgefühl erblühen lassen zu können. Ich wiederum denke, dass die Lehren der Vergangenheit, gerade die schmerzhaften, von großer Bedeutung sind auf dem Weg zu größerer Toleranz und Mitmenschlichkeit.“

Das PEN-Zentrum Deutschland richtet sein Augenmerk zunehmend auch auf die Innenpolitik: „Die Meinungsfreiheit wird auch durch Parteien wie die AfD gefährdet, und so wird die Auseinandersetzung mit der wachsenden Intoleranz innerhalb unserer Gesellschaft unwillkürlich eine größere Aufmerksamkeit erfordern. Der Bestand unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung ist keinesfalls per se garantiert. Vielmehr müssen wir uns fortwährend aktiv dafür einbringen.“ In diesem Sinne möchte Collado Seidel zum Beispiel ein Vorhaben seines Gießener PEN-Kollegen Sascha Feuchert aufgreifen und voranbringen. Hierbei geht es um die Einrichtung eines bundesweiten schulischen Projekttages zum Thema Meinungsfreiheit.

Über das PEN-Zentrum Deutschland: Das PEN-Zentrum Deutschland ist eine der weltweit über 140 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International vereint sind. Die drei Buchstaben stehen für die Wörter Poets, Essayists, Novelists. Der PEN wurde 1921 in England als literarischer Freundeskreis gegründet. Schnell hat er sich über die Länder der Erde ausgebreitet und sich als Anwalt des freien Wortes etabliert – er gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftsteller.

Website: http://www.pen-deutschland.de/de/

Kontakt

Prof. Dr. Carlos Collado Seidel
Fachgebiet Neueste Geschichte am Fachbereich Geschichte und Kulturwissenschaften
Philipps-Universität Marburg
Wilhelm-Röpke-Straße 6C
35032 Marburg

E-Mail

Zuletzt aktualisiert: 18.05.2017 · backesm

 
 
 
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