Ausstellungen
Das östliche Mitteleuropa im historischen Luftbild
Siedlungen, Agrargebiete, Industrieanlagen und Militärstandorte in weiten Teilen des östlichen Mitteleuropa dokumentiert eine Ausstellung historischer Luftbilder, die noch bis 29. September im Herder-Institut zu sehen ist. Die in den letzten Kriegsjahren in Brandenburg, Ostpreußen, Polen, Pommern und Schlesien entstandenen Exponate vermitteln in großer Anschaulichkeit ein Bild von einer Region, die in der Folgezeit grundlegenden politischen und strukturellen Veränderungen unterworfen war.
Die Ausstellung basiert auf einem Bestand von über 6000 Senkrechtluftaufnahmen, die die deutsche Luftwaffe zu militärischen Zwecken über den historischen deutschen Ostprovinzen und angrenzenden Regionen angefertigt hat. Die Bilder zeigen nicht nur durch militärische Anlagen und Industriestandorte gekennzeichnete Infrastruktur, sondern vermitteln zugleich wesentliche Einblicke in ländliche Siedlungsstrukturen und Besitzverhältnisse, in die Topographie von Städten oder die Anlage von Verkehrswegen. Die Ausstellung rückt die Senkrechtaufnahmen in einen Kontext mit anderen visuellen Materialien wie Schrägluftbildern, historischen Karten und Stadtplänen aus den Sammlungen des Marburger Instituts. Thematisiert wird zudem der aktuelle Anwendungsbezug der präsentierten Dokumente bezüglich Stadt- und Raumplanung, Landschaftsgestaltung und Umweltschutz.
Öffnungszeiten: montags bis freitags 9.00 – 17.30 Uhr, Gisonenweg 5-7. Zur Ausstellung liegt ein umfangreicher Bestandskatalog vor.
Neue attraktive Exponate im Mineralogischen Museum
Der Fachleuten bestens bekannte Apotheker Gerhard Schweisfurth (Siegen-Niederschelden) hat seit mehr als sechs Jahrzehnten Erzmineralien in einmaliger Qualität und Vollständigkeit zusammengetragen – in aller Regel im Tausch mit zahlreichen Fachmineralogen, Museumskuratoren, Mineralienhändlern und Sammlern, mit denen er bis heute in ständiger Korrespondenz steht. Darüber hinaus erwarb er seltene Mineralstufen aus aller Welt.
Blickfang der neuen Abteilung ist eine sechseckige Säulenvitrine mit den Highlights der Schweisfurth-Sammlung. Hier ruhen eine 23 x 21 x 14 cm große Bournonitstufe aus der Grube Georg (Horhausen), eine 18 x 17 x 11 cm große Milleritstufe aus der Grube Friedrich (Wissen), eine 21 x 14 x 13 cm große Rhodochrositstufe aus der Grube Wolf (Herdorf) und eine 18 x 12 x 6 cm große Tetraedritstufe aus der Grube Gottesgabe (Roth) nebst fünf weiteren herausragenden Exponaten aus anderen Regionen – "absolute Spitzenstücke", wie Dr. Kay Schürmann, der Leiter des Mineralogischen Museums, erläutert. Zahlreiche von dem Sammler selbst angefertigte Mineralfotos, alte Grubenrisse und eine geologische Karte des Siegerländer Reviers komplettieren die Ausstellung. Öffnungszeiten: mittwochs, donnerstags und freitags 10 – 13 Uhr, samstags und sonntags 11 – 15 Uhr, mittwochs auch 15 – 18 Uhr.
Großzügig unterstützt wurden die Ausstellungsaktivitäten wiederholt durch den Freundeskreis des Mineralogischen Museums. Der Verein unter Vorsitz von Reinhard Balzer besteht seit zehn Jahren und zählt rund 230 Mitglieder.
"Regenzeit": Fotografien von Harada Masamichi
In der Zeit zwischen Mitte Juni und Mitte Juli baut sich zwischen den nördlichen, vom ochotskischen Meer kommenden, und den vom Süden herströmenden Luftmassen eine Polarfront auf, die, über einem großen Teil der japanischen Inseln liegend, einen länger dauernden Frühsommerregen (japanisch baiu oder tsuyu, wörtlich "Pflaumenregen") hervorruft. Rasch wechselnde Wetterlagen, grau und wolkenverhangen, dabei aber bereits feuchtheiß, tragen zum physisch und psychisch bedrückenden Charakter dieser Regenzeit bei.
Die geschilderte Regenperiode in Japan ist Gegenstand einer Ausstellung mit Fotografien von Harada Masamichi (1931 – 1999), vom 17. Juni bis 16. Juli 2000 zu sehen in der Universitätsbibliothek Marburg. Auf den ersten Blick wirken die Arbeiten des Fotografen, der zuletzt in Yokohama gearbeitet hat, spannungslos und eher trist, beschränken sie sich doch nur auf ein einziges Motiv: verregnete Fensterscheiben, zudem durchweg plan betrachtet. Bei genauerem Einlassen auf die Bilderserie besticht indes die Variationsbreite der immer neuen grafischen Strukturen, die der Fotokünstler seinem stets gleichen Objekt, den Tropfen auf der Scheibe, abgewinnt.
"Harada Masamichi führt uns
in seinen Bildern vor, wie wir, vermittels eines technischen Mediums,
in unserer schelllebigen Zeit auch wieder zur Langsamkeit zurückfinden
können", erläutert Professor Erich Pauer vom Japan-Zentrum, das die
Ausstellung organisiert hat. "Er fokussiert die Linse auf die den Blick
nach draußen unterbrechende Fensterscheibe, drängt so dieses Draußen
zurück, lenkt unseren Blick auf das Dazwischen und führt uns einzelne,
stehende Bilder vor, die nun in der Aneinanderreihung die
herablaufenden Wassertropfen und in diesen die unmerklich, ganz langsam
verrinnende Zeit sichtbar machen. Der Fotograf zwingt durch seine
Bilder unsere Sinne, sich auf die ‚Langsamkeit der Zeit‘ einzustellen,
sich ihrer bewusst zu werden. Als ob die Zeit stehen geblieben wäre,
verharrt die Kamera und durch sie unser Auge auf den einzelnen
Tropfen."
Malerei von Martin Seidemann im Universitätsmuseum
Malerei und Arbeiten auf Papier von Martin Seidemann zeigt das Marburger Universitätsmuseum (Ernst-von-Hülsen-Haus, Biegenstraße 11) vom 16. Juli bis 27. August. Nach Einschätzung von Museumsdirektor Dr. Jürgen Wittstock gehört Seidemann zu den herausragenden Malern der Gegenwart in Deutschland: "Seine Werke vereinen malerische Freiheit mit architektonischer Strenge, feste Bildstrukturen mit lebendigem Malduktus, Unmittelbarkeit im Ausdruck mit kompositorischer Bestimmtheit."
Die Leistung Martin Seidemanns, vor Ort durch seine mehrjährige Tätigkeit als Kursleiter der Marburger Sommerakademie für Bildende und Darstellende Kunst bekannt, wird laut Wittstock bislang noch nicht hinreichend gewürdigt. Seine Anerkennung vor allem außerhalb der neuen Bundesländer entspreche noch nicht seinem künstlerischen Rang. Aus diesem Grund habe er sich entschlossen, dem 1950 geborenen Berliner Künstler – Mitte der achtziger Jahre Meisterschüler an der Akademie der Künste der DDR – eine Sonderausstellung zu widmen, die erste Einzelausstellung mit Arbeiten Seidemanns in den Räumen eines Kunstmuseums von überregionaler Bedeutung. Sie soll danach voraussichtlich noch an anderen Orten zu sehen sein, u. a. im Herbst kommenden Jahres in der Berliner Galerie Solitaire.
Öffnungszeiten: täglich (außer montags) 11 – 13 und 14 – 17 Uhr.
Nigeria in Form und Farbe: Ausstellung der Völkerkundlichen Sammlung zeigt ab 6. Juli Handwerk und Alltag
Nigeria, ein Land im tropischen Westen Afrikas, erstreckt sich von der Trockensavanne im Norden bis zur Regenwaldzone am Golf von Guinea. Im Rahmen einer neuen Ausstellung wollen die Studierenden der Marburger Völkerkunde zusammen mit Dr. Barbara Frank Interessenten dieses Land in seiner Vielfältigkeit näher bringen.
Dr. Frank hat einige Jahre ethnologisch in Nigeria geforscht und ist jetzt Lehrbeauftragte im Fachgebiet Völkerkunde der Philipps-Universität. Sie hat der Marburger Völkerkundlichen Sammlung eine im Laufe ihrer Forschungen entstandene Dokumentation nigerianischer Kulturerzeugnisse geschenkt: Ackergeräte, Flechtarbeiten, Kleidungsstücke, Ritualgegenstände, Schmuck, Tongefäße, Musikinstrumente und vieles mehr. Dies alles wird in der Ausstellung gezeigt, dazu werden in Texten und Bildern die Menschen aus unterschiedlichen Regionen in den traditionellen und modernen Formen des Lebens sowie in ihrem Austausch untereinander dargestellt.
Die Exponate sind so angeordnet, dass sich der Besucher auf ein "Reise" vom Norden in den Süden Nigerias begeben kann. Dabei lernt er das Land in "Form und Farbe" kennen und hat die Möglichkeit, sich ein Bild des kulturellen Reichtums und der historischen sowie der gegenwärtigen Situation zu machen.
Die Ausstellung in der Völkerkundlichen Sammlung (Kugelgasse 10) wird am Donnerstag, 6. Juli 2000, um 19 Uhr eröffnet.
Öffnungszeiten: montags bis donnerstags: 10 – 12 Uhr, mittwochs auch 14 – 16 Uhr; am 1. Sonntag im Monat 10 – 12 Uhr. Führungen sind nach Vereinbarung möglich. Tel: 28-23749 oder 28-22199; Fax: 28-22140. E-Mail: ethno@mailer.uni-marburg.de

