Straßenbau
Seit dem Mittelalter zieht der
Fernverkehr durch Hessen. Eine der wichtigsten Verbindungen verlief vom
Rhein-Main-Gebiet über die Weinstraße (Wagenstraße) mit ihren
zahlreichen Nebenstrecken auf Höhenwegen über Marburg – Wetter –
Frankenberg – Korbach und Marsberg nach Paderborn und von hier weiter
in den norddeutschen Raum. Wie im nebenstehenden Ausschnitt zu
erkennen, trafen sich die großen überregionalen Straßenzüge in der
Messestadt Frankfurt und führten von diesem bedeutenden Handelsplatz
über Friedberg und die Wetterau nach Grünberg, um von hier in zwei
Routen nach Thüringen und weiter östlich zu den wichtigen Märkten nach
Erfurt oder Leipzig zu ziehen. Bei Gießen trennten sich nach die nach
Norden bzw. Nordosten gerichteten Straßenzüge der "Langen" und der
"Kurzen Hessen". Mitte des 18. Jahrhunderts wurde ein Teil der alten
Trassen modernen Anforderungen angepasst.
Als einzige durchgehend fertiggestellte Chaussee verlief die Frankfurter Straße durch Oberhessen über Marburg nach Kassel im Zuge der heutigen B 3. Die auf mittelalterliche Vorgänger zurückgehende Strecke von Friedberg über Grünberg und Alsfeld nach Hersfeld konnte ihre Stellung durch den Ausbau zur Chaussee und ihre Nutzung als preußische Militärstraße im hessischen Verkehrsnetz behaupten. Da Reisende bis in das 19. Jahrhundert bei ihrer Orientierung im Raum weitgehend ohne Karte auskamen und keine Pläne hinterlassen haben, bietet das Blatt im Geschichtlichen Atlas über die "Landstraßen und den Chausseebau vom 16. bis 19. Jahrhundert" erstmals eine zusammenhängende Darstellung und Rekonstruktion aller Strecken im Durchgangsland Hessen. Über den verkehrsgeschichtlich-geographischen Aspekt hinaus ergeben sich wichtige Hinweise für die Siedlungsforschung, die das Entstehen neuer Marktorte an den Haupthandelswegen beobachtet, oder für die Wirtschaftsgeschichte, die im Chausseebau während der Hauptphase des Merkantilismus den Wert erkennen kann, der dem Ausbau eines leistungsfähigen Straßennetzes für die Belebung des Handels beigemessen wurde.

