Das Gesicht der Bücher
Einband- und Umschlaggestaltung im 20. Jahrhundert
von Michael Buchkremer, Rolf Bulang, Helmut Kaffenberger, Viola Luz, Christoph Otterbeck
11. Juni bis 21. Juli 2006
In der mehrhundertjährigen Geschichte des gedruckten Buches wurden
die heute selbstverständlich erscheinenden Möglichkeiten der
werbewirksamen graphischen Gestaltung des Bucheinbandes bzw.
Buchumschlags erst relativ spät genutzt. Nach wichtigen Anfängen im
letzten Drittel des 19. Jahrhunderts waren erst im 20. Jahrhundert eine
große Anzahl von Verlagen und Buchgestaltern mit der Suche nach einer
zeitgemässen und publikumswirksamen äußeren Erscheinung der Bücher
beschäftigt.
Die Ausstellung "Das Gesicht der Bücher" präsentiert die große
Bandbreite der Buchgestaltung im 20. Jahrhundert. Welche Strategien
wurden genutzt, um Bücher werbewirksam zu verpacken und zum Kauf des
Buches zu verlocken? Anhand von mehr als zweihundert Exponaten werden
nicht nur unterschiedliche Stiltendenzen vorgestellt – zu sehen sind
Bucheinbände und Schutzumschläge vom Historismus bis zur Gegenwart –,
sondern auch einzelne Themen beleuchtet (Erster Weltkrieg, 1933-1945,
Gegenästhetik und Protestkultur der sechziger und siebziger Jahre).
Zudem findet der Einfluss der sich wandelnden Drucktechnik Beachtung,
vom Bleisatz über den Offsetdruck zum digitalen Satz. Die Ausstellung
ist das Ergebnis der mehr als einjährigen Arbeit einer unabhängigen
Projektgruppe zum Thema Einband- und Umschlaggestaltung von Büchern im
20. Jahrhundert. Zunächst von einer Kunsthistorikerin und zwei
Kunsthistorikern begonnen, wurde die Auseinandersetzung mit dem Thema
mit zwei Literaturwissenschaftlern interdisziplinär fortgesetzt. Die
Ausstellung macht die Fülle der Strategien sichtbar, die im zwanzigsten
Jahrhundert dazu dienten, Bücher zurückhaltend, informativ,
werbewirksam oder suggestiv zu präsentieren und so die Leser auf die
Lektüre vorzubereiten. Dabei werden Beispiele namhafter Gestalter und
Gestalterinnen genauso herangezogen wie anonyme Entwürfe.
Die ausgestellten Bücher sind keine Künstlerbücher oder bibbliophile
Kleinstauflagen, sondern Beispiele für alltägliche "Gebrauchsliteratur"
und stammen aus den Privatbibliotheken der Organisatoren und
befreundeter Leihgeber.
Die Ausstellung wird am Sonntag den 11. Juni um 16.00 Uhr eröffnet.

