abgestempelt
judenfeindliche Postkarten
2. bis 28. März 2007
Am Beispiel der Postkarte als dem ersten modernen Massenmedium wird in der Ausstellung "Abgestempelt" die machtvolle Wirkung von Karikatur und Stereotyp dargestellt. Der Berliner Sammler Wolfgang Haney, selbst als "Mischling 1. Grades" nach 1933 verfolgt, hat in den vergangenen Jahren über 1000 antisemitische Postkarten zusammengetragen. Die Ausstellung zeigt an einer Auswahl von 300 Motiven beispielhaft die Wirkungsmacht stereotypischer Klischees.
Stereotype Darstellungen von Menschen sind seit jeher als
vereinfachende oder überspitzte Kommentare eine Methode zur Verbreitung
von Meinungen oder sozialer Identitäten. Als notwendiges Element der
Kommunikationskultur vereinfachen sie komplizierte Zusammenhänge und
machen sie leichter verständlich. Doch die Grenzen zwischen Stereotyp
und Vorurteil sind fließend. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden
antisemitische Karikaturen mit der einzigen Absicht zu verunglimpfen,
zu diffamieren und auszugrenzen massenhaft verbreitet, unter anderem in
Form von Postkarten. Gerade die vordergründige Harmlosigkeit vieler
Postkarten provoziert heute eine Fülle von Fragen: Wie populär war der
Antisemitismus tatsächlich? Welche Wirkung entfalten Karikaturen? Wie
werden solche Bilder konstruiert? Die Ausstellung ist eine Leihgabe
der Bundeszentrale für politische Bildung und wird von der Gesellschaft
für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Marburg gezeigt.
Die Eröffnung findet am 2. März um 17.00 Uhr im Foyer der
Universitätsbibliothek statt.
Das Buch zur Ausstellung: Abgestempelt. Judenfeindliche Postkarten /
hrsg. von Helmut Gold u.a. - Heidelberg : Umschau/Braus, 1999. - 380 S.
ISBN: 3-8295-7010-4
Am 12. März 2007 um 18.00 Uhr hält Dr. Ulrich Sieg im Vortragsraum der Universitätsbibliothek einen Vortrag zum Thema: Die Macht des Hasses und die leise Stimme der Vernunft. Antisemitismus im Deutschen Kaiserreich. Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und die Universitätsbibliothek Marburg laden Sie herzlich dazu ein.

