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16.06.2010

Iran Exkursion 2010 - Bericht einer aufregenden Reise in schwierigen Zeiten

Die Studienreise nach Iran war für viele Studierende und Mitarbeiter des CNMS die erste Gelegenheit sich ein eigenes, kritisches Bild von Iran zu machen.

Abyaneh
Das Bergdorf Abyaneh bei Kashan
Kann man, soll man in der gegenwärtigen Situation eine studentische Exkursion nach Iran organisieren? Diese Frage wurde im Vorfeld unserer Studienreise sehr kontrovers diskutiert. Wir entschieden uns dafür und wurden nicht enttäuscht.

Vom 14. bis 24. Mai 2010 reisten wir in einer Gruppe von 21 Studierenden und Mitarbeitern des CNMS von Teheran über Kashan nach Abyaneh, Yazd, Isfahan, Arak und Qom. Bewusst hatten wir unsere Reiseroute auf Zentraliran beschränkt, um ohne Inlandsflüge auszukommen und alle Strecken mit dem Bus zurücklegen zu können. Trotz der kurzen Reisedauer konnten wir während dieser zehn Tage unterschiedlichste Facetten des Landes kennenlernen. Das vorislamische Persien begegnete uns gleich zu Beginn im Iranischen Nationalmuseum der Hauptstadt, wo wir unter kundiger archäologischer Führung durch Elisabeth von der Osten-Sacken die Höhepunkte der Sammlung bestaunten. Auf Relikte alter Kultur trafen wir in anderer Form auch in Abyaneh, einem entlegenen Bergdorf mit Häusern in traditioneller Lehmbauweise und verwinkelten Gassen. Aufgrund der Abgeschiedenheit hatten seine Bewohner erst spät den Islam angenommen und bis heute ihre lokalen Trachten und einen ganz besonderen Dialekt bewahrt, der sehr stark den mittelpersischen Sprachen ähnelt.

Arak
Marburger Delegation an der Freien Islamischen Universität Arak

Die meisten der besuchten Sehenswürdigkeiten stammen aus islamischer Zeit. In Na’in besichtigen wir die Freitagsmoschee aus dem zehnten Jahrhundert, eine der ältesten erhaltenen Moscheen Irans, deren Architektur noch arabischen Vorbildern folgt; in Ardestan, Zavareh und Isfahan sahen wir die frühesten Beispiele der für Iran typischen Vier-Ivan-Moschee aus dem 12. und 13. Jahrhundert. Viele Mitreisende waren erstaunt, wie offen wir gerade in diesen Moscheen empfangen wurden und uns dort während der Mittagszeit in einer schattigen Ecke niederlassen und mit den mitgebrachten Melonen, Tomaten, Käse und frischem Fladenbrot stärken konnten.

Höhepunkt der Reise war zweifellos Isfahan, die alte Hauptstadt Irans und ein herausragendes Modell für Stadtplanung und Architektur in der frühen Neuzeit des Mittleren Ostens darstellt. In Isfahan als einem der beliebtesten Reiseziele in Iran war allerdings der Zusammenbruch des internationalen Tourismus unübersehbar. Trotz Hauptreisezeit waren wir die einzige internationale Reisegruppe weit und breit; ein Ergebnis der iranischen Politik, das viele Menschen auch offen und direkt ansprachen.

Besuch in Qom
Diskussion mit Hojjatoleslam Nazari in Qom

Weitere herausragende Programmpunkte waren Treffen mit Vertretern verschiedener Institutionen. Am Abend unseres ersten Tages in Teheran empfing uns der deutsche Botschafter, Bernd Erbel, in der Residenz und diskutierte mit den Studierenden und Mitarbeitern angeregt die deutsch-iranischen Beziehungen. In Arak wurden wir an der dortigen Freien Islamischen Universität (Azad-Universität) sehr herzlich begrüßt. Nach einer Besichtigung zentraler Einrichtungen der Universität gab es eine öffentliche Diskussionsrunde, in deren Anschluss deutsche und iranische Studierende die Möglichkeit zum Gespräch hatten. Zeitgleich dazu fand ein Gesprächskreis beim Rektor der Universität mit Professoren und Mitarbeitern statt.

Schließlich hatten wir am Schrein der Fatemeh-ye Ma’sumeh in Qom die Gelegenheit, mit einem schiitischen Geistlichen des konservativen Lagers zu sprechen. Der Leiter des Amtes für Internationale Beziehungen, Hojjatoleslam Nazari, empfing uns dort sehr offen. Anfängliche Befürchtungen, politische Fragen nicht ansprechen zu können, erwiesen sich als unbegründet. Nazari sprach selbst die Proteste nach den Wahlen an und verteidigte nachdrücklich die offizielle Position der Regierung. Ernüchtert verließen wir dieses Gespräch, aber auch dankbar für die offenen und klaren Aussagen, die selten zweideutig waren.

 

Kontakt

Prof. Dr. Christoph Werner
E-Mail

Zuletzt aktualisiert: 07.07.2010 · Christoph Werner

 
 
 
Centrum für Nah- und Mittelost-Studien

Fachgebiet Iranistik, CNMS, Deutschhausstraße 12, D-35032 Marburg
Tel. +49 6421 28-24848, Fax +49 6421 28-24829, E-Mail: iranistik@staff.uni-marburg.de

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