Forschungsschwerpunkte
Die Forschungsschwerpunkte der Politik des Nahen und Mitteleren Osten am CNMS liegen vorwiegend im Bereich der politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Prozesse des Modernen Nahen und Mitteleren Osten seit 1800. Dabei spielen der Aufstieg islamistischer Bewegungen, Staat und Gesellschaft in der arabischen Welt, EU-Mittelmeerpolitik, Außenpolitik arabischer Staaten und energiepolitische Fragestellungen eine zentrale Rolle. Dabei wird der Zusammenhang zwischen den politischen, ökonomischen und sozialen Strukturen des Vorderen Orients mit der Entwicklung des globalen Weltsystems und der Auseinandersetzung zwischen Industrie- und Entwicklungsländern stark betont.
Durch diachrone und synchrone komparatistische Fragestellungen sollen die gesellschaftlichen Prozesse und Dynamiken sowie die Herauskristallisierung von neuen Machtstrukturen und Gegeneliten mit den Herausforderungen der Globalisierung in Verbindung gebracht werden.
1. Neue kulturell identitäre politische Bewegungen in verschiedenen kulturellen Kontexten:
Vergleich des Aufstiegs der BJP in Indien mit dem Aufstieg gemäßigter nicht säkularistischer Parteien in Algerien: Finanziert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) (2007-2009). (abgeschlossen)
2. Die moderaten islamistischen Parteien als künftige EU-Partner im Rahmen des Barcelona Prozesses? Zur Außen- und Wirtschaftspolitik der moderaten islamistischen Parteien: Finanzierung DFG (2009-2012):
Ziel des Projektes ist es darzulegen, welche Faktoren die außenpolitischen Positionen moderater islamistischer Parteien bestimmen. In Analogie zu den drei Hauptsäulen der Euro-Mediterranen Partnerschaft (EMP) von Barcelona, d.h. Demokratisierung, Marktwirtschaft und Frieden durch Dialog, möchte dieses Forschungsvorhaben die außenpolitischen Positionen der moderaten islamistischen Parteien in den Mittelmeerstaaten Marokko, Algerien, Ägypten und Jordanien gegenüber dem Barcelona-Prozess untersuchen. Als moderat werden all jene Parteien begriffen, die auf Gewalt als Mittel der Durchsetzung ihrer politischen Ziele verzichten, und sich dafür demokratischer Strukturen bedienen und durchaus zu Kooperationen mit anderen politischen Akteuren bereit sind. Dabei wird die positive bzw. negative Haltung der Parteien als abhängige Variable betrachtet, während Demokratieeinstellung, Positionen hinsichtlich Marktwirtschaft und Ideologie als unabhängige Variablen gelten. Anhand des Most Similar Systems Design (MSSD) haben wir uns für folgende Fallbeispiele entschieden: Marokko (Parti de la Justice et du Développement), Algerien (Mouvement de la Société pour la Paix), Ägypten (Muslimbrüder) und Jordanien (Islamic Action Front).
3. Verhalten der Staatsklasse in Zeiten niedrige Renten am Beispiel Irak (1991-2003) (in Vorbereitung):
Fünf Jahre nach Ende des diktatorischen Regimes Saddam Husseins und dem Ende der Internationalen Embargo gegen den Irak als Folge des Überfalls auf Kuweit im Jahre 1990, ist es Zeit diese noch als „Blackbox“ geltenden Regime zum Forschungsgegenstand im Rahmen der Nahostforschung und der Internationalen Beziehungen zu machen. Zwei wichtige Untersuchungsfelder:
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Die Bearbeitung der Embargo-Zeit 1991-2003
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Die Effizienz Internationale politische Instrument, Sanktionen, sowie das Funktionieren der UNO und die Zukunft des bipolaren Weltsystems.
4. Entstehung und Entwicklung Fundamentalistischer Bewegungen: Ein Vergleich zwischen Aufstieg der FIS-Bewegung in Algerien (1988-1996) und der Mahdia-Bewegung im Sudan (1881-1899):
Hier wird die Hauptthese vertreten, dass es sich bei den sogenannten fundamentalistischen Bewegungen, um den Aufstieg blockierter Mittelschichten handelt, die auf religiöse Werte bzw. Kulturbestände zurückgreifen, um die Massen hinter sich zu bringen, um damit als potentieller Gegenspieler zum Staat auftreten zu können. Dabei hängt die Radikalität solcher Bewegungen von den zur Verfügung stehenden politischen und ökonomischen Optionen ab und damit vom Ausmaß der Übernahme dieser Bewegungen durch die jeweiligen Mittelschichten. Eine weitere wichtige These der Arbeit ist, dass Fundamentalismus kein neues Phänomen ist, sondern eine sich immer wieder artikulierende gesellschaftliche Kraft, die sich in Zeiten wirtschaftlicher, sozialer und politischer (endogener sowie exogener) Veränderungen bildet. Sowohl der Aufstieg der Moslembruderschaft in den 1930er Jahren, als auch der Fundamentalismus der 1990er Jahren bildeten eine Verlagerung der ökonomischen Krise auf kulturell-identitäre Politikfelder, gerade aufgrund der geringen Etablierung kapitalistischer Strukturen in den entsprechenden Gesellschaften, die somit eine direkte Auseinandersetzung zwischen Arbeit und Kapital verhinderten.

