Nachträge / Ergänzungen / Korrekturen
(1) Zum Aufsatz "Zur Ergativitätshypothese im Semitischen" (ZDMG 152, 2002):
Zu diesem Aufsatz haben sich seit seiner Veröffentlichung folgende Nachträge und Ergänzungen ergeben:
(a) Zu Punkt 4.1,dem neuostaramäischen Präteritum gris-le (Diakritika können hier nicht dargestellt werden):
Meine Darstellung des ergativen Charakters dieser Tempusform hat sich inzwischen als etwas zu undifferenziert herausgestellt, da mir klar geworden ist, dass die Gleichbehandlung von S und O in dieser Form in den meisten neuostaramäischen Dialekten nicht gegeben ist, und dieses Tempus deshalb nicht echt ergativischen Charakter hat. Das gilt natürlich auch schon für das Syrische und Formen wie qren-lak "du hast sie gelesen" vs. hwe-lan "wir waren", da hier am Verb obligatorisch A und S mit Hilfe der L-Klitika abgebildet werden. Deshalb ist im Gegenteil von der Gleichbehandlung von A und S auszugehen.
Hingegen hat diese Präteritalbildung mit ihrer
Fokussierung von O bei transitiven Verben ('O-highlighting' nach
Wolfgang Schulze; siehe die [teils eingeschränkte] Verbalkongruenz!)
deutliche Tendenzen in Richtung des ergativen Endes des
Akkusativ-Ergativ-Kontinuums. Etwa im Dialekt von Kerend ist es
möglich, für das Präteritum von einem ergativen Muster (S=O) zu
sprechen, da hier die Verbalbasis bei transitiver und intransitiver
Bedeutung des Verbs abgesehen von der Vokalquantität gleich lautet (S-
und O-Funktion, A wird von den L-Klitika kodiert; siehe hierzu S.
Hopkins, "Neo-Aramaic Dialects and the formation of the preterite" (in:
JSS 34, 1989:413-432), Seite 428 und derselbe, "Preterite and
perfect in the Jewish Neo-Aramaic of Kerend. Southern Iranian
Kurdistan" (in: W. Arnold - H. Bobzin (Hrsg.), 2002: Sprich doch
mit deinen Knechten aramäisch, wir verstehen es. 60 Beiträge zur
Semitistik. Festschrift für Otto Jastrow zum 60. Geburtstag.
Wiesbaden : Harrassowitz, S. 281-298, Seite 286ff.). Aber auch hier ist
zuzugeben, dass die Parallele nicht vollständig ist, da die
Vokalquantität der Basis gris variiert (Kurzvokal bei O,
Langvokal bei S). - Echt ergativische Kongruenzphänomene sind in NENA
äusserst selten bezeugt (G. Khan, persönliche Mitteilung).
Zur Problematik allgemein vgl. man etwa noch
Hemmauer-Waltisberg "Zum relationalen Verhalten der Verbalflexion im
Turojo" und meine Rezension von H. Mutzafi "The Jewish Neo-Aramaic
Dialect of Koy Sanjaq" (für Referenzen s. die Publikationsliste).
(b) Zu Punkt 4.2, der O-Markierung in S-Funktion:
In der Literaturliste ist ein Artikel von G. Khan zu ergänzen: "Object markers and agreement pronouns in Semitic languages" (in: BSOAS 47, 1984:468-500).
Wie ich nachträglich festgestellt habe, hat Khan in diesem Artikel auf Seite 496ff zum Problem der O-Markierung in S-Funktion im Althebräischen ähnliche Gedanken wie ich geäussert. Insbesondere hat er schon Aktiv- (in meiner von Dixon abhängigen Terminologie: Fluid-S-) Sprachen zur Erklärung des Phänomens im Althebräischen herangezogen. Ich möchte hier auf die forschungsgeschichtliche Priorität von Khan und die grundsätzliche Übereinstimmung unserer Ideen hinweisen.
Ausserdem ist es nicht nötig, im Falle der O-Markierung in S-Funktion beim Passiv von einem echten Ergativmuster (S=O) zu sprechen.Diese Markierungstechnik kann als ein Passiv ohne Promotion der sekundären Relation des Aktivs verstanden werden, wobei das ursprüngliche O seine Markierung beibehält. Gleichzeitig wird die primäre Relation A des Aktivs völlig ausgeblendet. Das Ergebnis sieht zwar auf den ersten Blick wie ein ergatives Schema S=O aus, ist es aber wohl nicht wirklich (zu derartigen Passivkonstruktionen vgl. Van Valin-LaPolla 1997: Syntax. Structure, meaning and function. Cambridge : UP, Seite 298). In synchroner Hinsicht muss das Passiv in semitischen Sprachen, die solche Konstruktionen kennen (z.B. das Althebräische und das Altäthiopische), in zweifacher Form dargestellt werden: Einmal als gewöhnliches Passiv mit Promotion von O zu S und optionaler obliquer Markierung von A, und einmal als exzeptionelles Passiv mit O-Markierung in S-Funktion und Ausblendung von A.
(2) Zur Rezension von W. Diem, 1998: Fa-waylun li-l-qaasiyati quluubuhum. Studien zum arabischen adjektivischen Satz. Wiesbaden: Harrassowitz. In: ZAL 44 (2005:101-108).
Auf Seite 106, Zeile 3 ist bei "Form SG:M" zu ergänzen: 'Form 3SG:M'. Es ist gerade entscheidend, dass die passive Form in der 3. Person Sing. mask. steht, welche die morphologisch einfachste und nach meinem Dafürhalten daher die unmarkierte Form ist und bei den Präpositionalverben ohne spezifische Kongruenz verwendet wird.
(3) Ergänzung zum Beitrag von Otto Jastrow:
Wie mir erst jetzt bekannt geworden ist, hat bereits Adolf Siegel in seiner Monographie Laut- und Formenlehre des neuaramäischen Dialekts des Tur Abdin (Hannover 1923) auf S. 67 die Herkunft des turischen Artikels aus dem alten Personalpronomen vertreten. Er verweist ebd. auf den entsprechenden Paragraphen in der "Syrischen Grammatik" von Carl Brockelmann und führt ein ganz ähnliches Beispiel wie ich in meiner Rezension an. Obwohl keine Abhängigkeit vorliegt, möchte ich hier auf die forschungsgeschichtliche Priorität von Siegel hinweisen.
(4) Druckfehler
In der Rezension zu Bengtsson (2003) sind leider trotz Korrektur einige Druckfehler stehengeblieben:703, Zeile 14: bei syrisch nezal ist unter dem Vokal /e/ keine Cédille, sondern ein Punkt zu notieren (geschlossener Vokal)
703, Zeile 28: zwischen -ek und wa- ist ein Abstand einzufügen
703, Zeile 41: am Ende der Zeile fehlt das Trennungszeichen
704, Zeile 22: im letzten Wort der Zeile ist der unnötige Abstand zu tilgen
704, Zeile 33: das zweite Taw im syrischen Zahlwort tarten ist nicht frikativ, sondern plosiv (tilge den Unterstrich)
(5) Fehlende Fussnote
Die Fussnote Nr. 9 wurde leider nicht gedruckt. Sie lautet:"Vgl. zu diesem Begriff u.a. den Eintrag bei H. Glück (Hrsg.), 1993: Metzler Lexikon Sprache. Stuttgart: Metzler, 226. Glottalisierung bezeichnet die sog. Knarrstimme (engl. creaky voice). Die Glottis ist zwar sowohl bei glottalisierter als auch bei ejektiver Artikulation beteiligt, doch handelt es sich um distinkte Phänomene."
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(Bearbeitung: 19.09.06)

