Gegenstand und Aufgaben des Faches
Das Fach Semitistik beschäftigt sich grundsätzlich
mit allen semitischen Sprachen und Schriften in ihren verschiedenen
Erscheinungsformen wie Inschriften, Handschriften, Drucken oder
Dialektaufzeichnungen. Das semitische Sprachgebiet erstreckt sich vom
Atlantik im Westen bis nach Usbekistan und Afghanistan im Osten sowie
vom Mittelmeer bis nach Äthiopien. Der chronologische Rahmen reicht
dabei von den ältesten semitischen Schriftzeugnissen im 3. Jahrtausend
v. Chr. bis zur Gegenwart. Aus forschungsgeschichtlichen und
praktischen Gründen werden die in Keilschrift überlieferten Sprachen
Akkadisch und Amurritisch innerhalb der Altorientalistik behandelt.
Enge Beziehungen weist die Semitistik darüber hinaus zu einer Reihe von
weiteren Fächern wie der Islamwissenschaft, der Judaistik, der
alttestamentlichen Theologie oder der Wissenschaft vom christlichen
Orient auf. Als linguistische Disziplin bestehen zudem Verbindungen zu
den Fächern Allgemeine und Indogermanische Sprachwissenschaft. Für die
Semitistik im engeren Sinn sind die folgenden Sprachzweige
relevant:
- Zentralsemitisch
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- Nordwestsemitisch
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- Ugaritisch
- Kanaanäisch (hauptsächlich Hebräisch, Phönizisch)
- Aramäisch (z.B. Reichsaramäisch, Syrisch, Turojo)
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- Nordarabisch (Frühnordarabisch, Alt- und Neuhocharabisch, moderne Dialekte)
- Altsüdarabisch (hauptsächlich Sabäisch)
- Südsemitisch
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- Neusüdarabisch (z.B. Mehri, Soqotri, Jibbali)
- Äthiosemitisch
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- Nordäthiopisch (Altäthiopisch, Tigre, Tigrinisch)
- Südäthiopisch (Amharisch, Harari, Gurage)
In Marburg liegt der Schwerpunkt auf der grammatischen und literaturwissenschaftlichen Bearbeitung des klassischen Arabisch, des Altäthiopischen, des Syrischen und des Altsüdarabischen. Besondere Forschungsschwerpunkte sind die Lexikographie und Syntax des klassischen Arabisch, die Grammatik des Altäthiopischen sowie die Bearbeitung sabäischer Texte auf Holzstäbchen.

