Prof. Dr. Dieter Meurer
11.08.1943 - 23.12.2000
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Am 23.12.2000 ist Prof. Dr. Dieter Meurer im Alter von 57
Jahren verstorben.
Seine Mitarbeiter und Kollegen trauern um den Verlust eines
warmherzigen und humorvollen Menschen
Am 23.12.2000 verstarb in Wiesbaden im Alter von 57 Jahren Professor
Dr. Dieter Meurer, Ordinarius für Strafrecht, Strafprozeßrecht und
Rechtsphilosophie am Fachbereich
Rechtswissenschaften der Philipps-Universität Marburg, an
den Folgen einer schweren Operation. Die Nachricht von seinem Tod kommt
für alle, die ihm persönlich nahe standen oder ihn auch nur wenige Tage
zuvor in der ihn kennzeichnenden Aktivität bei der Wahrnehmung seiner
Dienstgeschäfte erlebten, völlig unerwartet. Seine Freunde, Kollegen
und Mitarbeiter sind über den erlittenen Verlust tief
erschüttert.
Nach Studium, Promotion und Habilitation an der Universität Köln wurde
Dieter Meurer 1979 an die Philipps-Universität berufen, der er
zeitlebens die Treue hielt. Einen ehrenvollen Ruf an die Freie
Universität Berlin lehnte er ab. Überaus wichtig war ihm als Juristen
die Verbindung zur Rechtspraxis, die er in eigener Person durch seine
Tätigkeit als Richter im zweiten Hauptamt wahrte (anfangs als Richter
am Oberlandesgericht Frankfurt und später als Vorsitzender Richter
einer Wirtschaftsstrafkammer am Landgericht Marburg) und für die
Fakultät durch seine maßgebende Beteiligung bei der Gründung der
Juristischen Gesellschaft Marburg dauerhaft festigte. Wenige Wochen vor
seinem Tode wurde er zur Wahl eines Richters am Bundesgerichtshof
vorgeschlagen.
Mit hohem Einsatz widmete er sich der Erfüllung seiner Pflichten in
Forschung, Lehre und Selbstverwaltung: Die Ergebnisse seines
wissenschaftlichen Arbeitens hat er in einer großen Zahl von
Veröffentlichungen auf den Gebieten des materiellen Strafrechts und des
Strafprozeßrechts in ihrer ganzen Breite publiziert. Auch die
wissenschaftliche Betreuung von zwei Habilitationen und zahllosen
Dissertationen sind hier ebenso hervorzuheben wie die verantwortliche
Leitung etlicher von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der
Volkswagen-Stiftung geförderter Großprojekte. In der Lehre verdankt ihm
der Fachbereich neben seiner Mitwirkung bei der Ausbildung der
Studenten in den Kriminalwissenschaften vor allem die Gründung und den
Ausbau der
Rechtsinformatik in Marburg zu einem der führenden Standorte in
Deutschland sowie viele interdisziplinäre Seminare unter gemeinsamer
Leitung mit Kollegen der Philosophie, der Literaturwissenschaft und der
Medizin.
Vor allem aber ist sein außerordentliches Engagement in der
Selbstverwaltung zu nennen, und zwar sowohl im eigenen Fachbereich wie
in der Gesamtuniversität als auch schließlich auf Landesebene: Zweimal
war er Dekan. Viele Jahre gehörte er dem Konvent der
Philipps-Universität als Listenführer der Hochschulunion an. Zweimal
kandidierte er aussichtsreich für das Amt des Präsidenten der
Philipps-Universität. Als Vorsitzender des hessischen Landesverbandes
des Deutschen Hochschulverbandes vertrat er lange Jahre hindurch die
standespolitischen Interessen seiner Kollegen.
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Schon früh hatte er die Bedeutung der im Medienzeitalter wohl
unverzichtbaren Außendarstellung der Wissenschaftsinstitutionen für den
Erhalt ihrer Arbeitsfähigkeit erkannt. Die von ihm initiierten
Gründungen der Forschungsstellen für Pharmarecht und für
Finanzdienstleistungsrecht, deren Leitung er dann übernahm, sollten
ebenso wie die bereits erwähnte Einwerbung beträchtlicher Drittmittel
die permanente Verringerung der personellen und sachlichen
Grundausstattung des Fachbereichs Rechtswissenschaften durch den Staat
kompensieren helfen. So gelang es ihm, die Dr. Reinfried Pohl-Stiftung
und die Erich Schulze-Stiftung für Marburg zu gewinnen.
Durch die Vielfalt seiner Anregungen und Aktivitäten hat Professor
Meurer das derzeitige Erscheinungsbild des Fachbereichs
Rechtswissenschaften innerhalb und außerhalb der Philipps-Universität
maßgebend mitgeprägt. Das gilt für die Arbeit ebenso wie für das
gesellige Leben. Sein rheinischer Humor und seine Fähigkeit, in
ungezwungener Direktheit auf Menschen zuzugehen, wenn er sie für seine
Ideen gewinnen wollte, werden unvergessen bleiben. Gleiches gilt für
die zahlreichen von ihm veranstalteten studentischen Exkursionen und
das alljährliche Grillfest seines Lehrstuhls im Bauerbacher Forst.
Seine Kollegen, Mitarbeiter und Studenten werden ihm ein ehrendes
Andenken bewahren.