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Das deutsche Corporate Governance-System -

Eine empirische Untersuchung (läuft seit 2004)

Problemstellung und Untersuchungsziele

Die Debatte zu Effizienz und Legitimation von Corporate Governance-Systemen rekurriert explizit oder implizit immer auch auf die Unternehmensrealität. Bemerkenswert ist jedoch, dass etwa zum Vorstand/Aufsichtsratsystem und zur Mitbestimmung kein neueres systematisches empirisches Wissen existiert. Die letzten größeren Untersuchungen erfolgten im Zuge oder nach der Einführung des Mitbestimmungsgesetzes 1976 und sind von der Datenbasis her 20 bis 25 Jahre alt. Dies wurde bereits durch die von der Bertelsmann Stiftung und der Hans Böckler Stiftung initiierte „Kommission Mitbestimmung“ (1998) als Defizit vermerkt, ohne dass es zu eigenen empirischen Untersuchungen kam. Deshalb ist es von großem wissenschaftlichen Interesse und Belang für die ökonomische, juristische und gesellschaftspolitische Diskussion zu untersuchen, ob und gegebenenfalls wie sich das deutsche Corporate Governance-System unter dem Einfluss des internationalen Wettbewerbs, in Folge der Aktivitäten der EU-Kommission und insbesondere des deutschen Gesetzgebers seither gewandelt hat. Die Selbstregulierung der Unternehmen anzustoßen, zu fördern und einzufordern war das Ziel des Gesetzes zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (1998), der Regierungskommission Corporate Governance (2001), des Deutschen Corporate Governance-Kodex (2002) und des Transparenz- und Publizitätsgesetzes (2002).

Vor diesem Hintergrund muss es das erste Ziel dieser Untersuchung sein, ein repräsentatives Situationsmodell des deutschen Corporate Governance-Systems zu konstruieren. Dies erfordert die Erhebung und Auswertung ökonomischer, organisatorischer und personeller Strukturdaten deutscher Unternehmen. Die Aktiengesellschaft als die typische Rechtsform von Großunternehmen soll dafür als Referenzfall herangezogen werden.

Zum zweiten gilt es zu bestimmen, ob das deutsche Corporate Governance-System gegenwärtig eher von Kontinuität oder eher von Wandel geprägt wird. Dies kann durch den Vergleich des aktuellen Situationsmodells mit früheren empirischen Untersuchungen erfolgen, insbesondere mit den Ergebnissen eines eigenen Forschungsprojekts zu den großen Aktiengesellschaften im Geltungsbereich des Mitbestimmungsgesetzes 1976 (Gerum/Steinmann/Fees: Der mitbestimmte Aufsichtsrat, Stuttgart 1988). Insofern handelt es sich hier um eine Längsschnittsuntersuchung.

Im Lichte dieses Vergleichs kann dann schließlich drittens der Frage nach der Konvergenz oder der Divergenz von Corporate Governance-Systemen nachgegangen werden. Es soll analysiert werden, ob sich das deutsche System unter dem verschärften Wettbewerb in Folge der Globalisierung in Richtung auf das angloamerikanische Modell verändert oder ob nicht vielmehr – so die Gegenthese – die deutsche Unternehmensverfassung sich aufgrund der Pfadabhängigkeit als relativ stabil erwiesen hat.

Teilprojekte:

(1)    Rahmenbedingungen und Grundlagen des deutschen Corporate Governance-Systems

·        Corporate Governance und strategische Unternehmensführung
·        Corporate Governance, Eigentümerstrukturen und Managerherrschaft
·        Konzernorganisation im Wandel?
·        Corporate Governance und Systeme der Unternehmensfinanzierung

(2) Unternehmensführung: Der Vorstand

·        Organisation des Vorstands
·        Der Vorstandsvorsitzende: Koordinator oder CEO?
·        Die personelle Zusammensetzung von Vorständen deutscher Aktiengesellschaften
·        Realtypen der Unternehmensleitung deutscher Aktiengesellschaften

(3) Unternehmenskontrolle: Aufsichtsrat und Mitbestimmung

·        Aufsichtsratstrukturen: Die Aufsichtsratsgröße und Aufsichtsratsausschüsse
·        Personelle Zusammensetzung des Aufsichtsrats: Kontroll- oder unternehmenspolitische                                    Funktion?
·        Die Berufung der Vorstände deutscher Aktiengesellschaften
·        Die unternehmenspolitische Kompetenz des Aufsichtsrats
·        Effizienz der Entscheidungsprozesse im Aufsichtsrat
·        Aufsichtsratstypen
·        Das Mitbestimmungspotenzial der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat

(4) Aktionärsrechte und Anleger

·        Aktionärsstruktur und die Rolle der Hauptversammlung
·        Effizienz der Entscheidungsprozesse in der Hauptversammlung
·        Transparenz, Publizität und Unternehmenskommunikation

(5) Corporate Governance und Kodices

·        Der Deutsche Corporate Governance Kodex: Anspruch und Wirklichkeit
·        Corporate Social Responsibility durch Firmenkodices?

Zuletzt aktualisiert: 18.09.2006 · bruehlk

 
 
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