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Einleitung


Wer dieses Buch in die Hand nimmt, hat bestimmt schon etwas über das Internet gehört oder gelesen. Viele von Ihnen, liebe Leser, sind vielleicht schon gläubige Benutzer des Internet. Dennoch möchten wir zunächst unseren Enthusiasmus für das Internet erklären. Diese Begeisterung hat uns ja auch dazu bewogen, dieses Buch zu schreiben.

Wir können ohne Übertreibung sagen, daß das Internet unser Arbeitsleben entscheidend verändert und in den letzten Jahren beeinflußt hat. Eine Anzahl von Forschungsartikeln, die in angesehenen internationalen Fachzeitschriften erschienen sind, wären ohne die Kommunikationsmöglichkeiten des Internet praktisch nicht möglich gewesen. Gemeinsame Forschung zwischen Chicago (USA) und Vancouver (Kanada), Chicago und Tel-Aviv (Israel), Frankfurt und Chicago, Marburg und New York (USA), wo wir und unsere Kollegen arbeiteten oder noch arbeiten, wäre mit konventionellen Kommunikationsmitteln wie Telefon, Fax und Briefpost zu teuer und zu langsam gewesen. Es ist auch klar, daß so unterschiedliche Institutionen wie die Universitäten von Illinois, British Columbia, Tel-Aviv, Frankfurt und Marburg keine privaten Kommunikationsnetze für den gelegentlichen Austausch von Nachrichten oder Daten ihrer Forscher miteinander aufbauen würden, wie es manche Unternehmen untereinander tun. Natürlich standen am Anfang der Forschung persönliche Bekanntschaften, und es gab physische Treffen während der Arbeiten, aber der größte Teil der Arbeit wurde durch Fernkooperation erledigt unter Nutzung von elektronischer Post (E-Mail, siehe Abschn. 3.1), Dateitransfer (FTP, siehe Abschn. 3.3) und Fernnutzung von Computern (Telnet, siehe Abschn. 3.4). Heute, nachdem die Möglichkeiten des Internet explosiv gewachsen sind, im Sinne neuer Benutzer, neuer Dienste und besserer Zugangsmöglichkeiten, ist die tägliche Nutzung des Internet für uns selbstverständlich geworden. Wir verwenden es für berufliche Kommunikation und Information, zum Lernen und Lehren, zum Einkaufen, zum Vorbereiten von Reisen und manchmal, wir geben es zu, auch zum Spielen.

Die Bedenken gegen das Internet und insbesondere seine kommerzielle Nutzung sind uns bekannt. Sie sind teilweise berechtigt, und wir wollen in dieser Einführung kurz auf einige eingehen. Die zur Zeit am häufigsten vorgebrachten Bedenken sind mangelnde Sicherheit hinsichtlich kommerzieller Transaktionen sowie die zu geringe Bandbreite der Kommunikationsleitungen. Zur Sicherheit ist erstens anzumerken, daß viele nützliche Kommunikationsvorgänge kein Sicherheitsrisiko beinhalten. Dazu gehören etwa Werbung oder Handbücher, die man zwar alle auf ihrem elektronischen Weg zum Empfänger irgendwie mutwillig verfälschen könnte, wobei der Aufwand für einen Hacker aber in keinem sinnvollen Verhältnis zum "Ertrag" steht. Zweitens gibt es eine Reihe von Sicherungsverfahren, die schon heute funktionieren und eingesetzt werden! Eine absolute Sicherheit gibt es nicht, aber manche dieser Verfahren machen Transaktionen im Internet mindestens genau so sicher wie andere elektronische oder nicht-elektronische Transaktionen. Die Transaktionssicherheit und der Schutz von Computerressourcen vor Attacken jeglicher Art sind natürlich ein wichtiges Thema, weswegen die wichtigsten Sicherheitsansätze im Kap. 7 erklärt werden.

Die Bedenken bezüglich mangelnder Bandbreite haben zwei Ausprägungen. In einer Ausprägung wird ein Katastrophenszenario entwickelt: die explosive Zunahme der Nutzung des Internet, sein Erfolg also, führt zu einer Verstopfung der Netze, die sich in einer inakzeptablen Antwortzeit für die Benutzer manifestiert. Dieses Szenario ist in ähnlichen Versionen schon mehrmals gesponnen worden, so z.B. im Jahr 1995, als sich die US-amerikanische National Science Foundation als Betreiber der Hauptleitungen (backbone) des Internet in USA zurückzog. Zu einer Katastrophe ist es aber bisher nicht gekommen, und dazu wird es auch in absehbarer Zukunft nicht kommen. Das liegt einerseits am technischen Fortschritt, der noch ansehnliche Erweiterungen der Bandbreiten zuläßt, an organisatorischen Vorkehrungen, die für einen geregelten Ablauf im Internet sorgen, und an hohen Investitionen, die öffentliche und private Institutionen bereits in das Internet getätigt haben. Fast alle Teile des Netzes werden ständig erweitert. Die Telefongesellschaft MCI, die Teile des Backbones in USA bereitstellt, hat in 1996 die Leitungskapazität verdreifacht. Die Bandbreite des Wissenschaftsnetzes WIN wurde in den Jahren 1996 und 1997 von zwei MBit/s (Millionen Bits pro Sekunde) auf 34 bzw. 155 MBit/s ausgebaut. Außerdem herrscht im Internet, entgegen einer weit verbreiteten Vorstellung, keine Anarchie, sondern es existieren sehr wohl Organisationen und Regeln (siehe Abschn. 2.3), die sich um seinen Bestand und seine Weiterentwicklung kümmern.

Die zweite Ausprägung der Bedenken über die Bandbreite malt zwar kein Katastrophenszenario, beklagt aber die langsame Antwortzeit. Dies führe zu Frustration und Zeitvergeudung bei Benutzern. Außerdem mache dies das Medium für Konsumenten uninteressant, weil auf die Verwendung komplexer Graphiken und längerer Sequenzen von bewegten Bildern verzichtet werden müsse, wenn man nicht riskieren wolle, daß die Anwender die Datenübertragung vorzeitig abbrechen. Dieses Bedenken läßt sich zur Zeit in der Tat nicht so leicht entkräften, da viele Informationsempfänger noch über einen langsamen Zugang zum Internet verfügen (von 33.600 Bit/s und weniger) oder an ihrem Zugangsknoten zum Internet nicht genügend Kapazität bereitgestellt wird. Das ist aber schon heute mehr ein finanzielles als ein technisches Problem. Denn aufgrund der ausgezeichneten Verfügbarkeit von ISDN in Deutschland, kann fast jeder Benutzer einen ca. 64 Tausend Bit/s schnellen Zugang haben, z.B. über den Online-Dienst der Deutschen Telekom, T-Online (siehe Kap. 11). Neuere Verfahren (z.B. ADSL, siehe Abschnitt 2.2.8) erlauben noch höhere Übertragungskapazitäten über die Telefonleitungen. Die Verwendung des Kabelnetzes oder von Satelliten für das Internet ist ebenfalls möglich und schon im Einsatz, so daß auch auf diesem Weg höhere Bandbreiten bis zu einzelnen Haushalten zur Verfügung gestellt werden. Weiterhin sind Datenkomprimierungsverfahren in Erprobung, die effizienter als die heute verwendeten Algorithmen sind. Aufgrund dieser Entwicklungen werden Bedenken wegen langsamer Antwortzeiten mit der Zeit ebenfalls an Gewicht verlieren. Schließlich wird in USA schon am Internet2 gebaut, in dem mit noch höheren Datentransportkapazitäten gearbeitet wird und neue Anwendungen entwickelt werden (siehe Abschn. 2.3.5).

Es gibt eine Reihe weiterer Bedenken, die, oft aus Unwissenheit, gegen das Internet vorgebracht werden. Wir hoffen, diese Bedenken in den nachfolgenden Kapiteln zerstreuen zu können, auch wenn unsere Darlegungen an den Inhalten, die wir vermitteln wollen, und nicht an irgendwelchen Bedenken ausgerichtet sind. Eine Kategorie der Bedenken soll hier noch kurz aufgegriffen werden, die später auch indirekt nicht mehr behandelt wird, weil diese Aspekte nicht zum Gegenstand dieses Buches gehören: soziale und psychologische Bedenken. Ein Beispiel hierfür ist die Befürchtung, daß lange Verweilzeiten im Internet zu Entfremdung, Vereinsamung und eventuell Realitätsverlusten bei Benutzern führen könnten. Menschen könnten darin "virtuelle", aber keine realen Beziehungen knüpfen. Es ist aus unserer Sicht nicht einzusehen, warum die Beschäftigung im Internet zu mehr Entfremdung, Vereinsamung oder Realitätsverlust führen soll als Fernsehen, das Lesen von Büchern oder am Computer offline Arbeiten und Spielen. Im Gegenteil, die Möglichkeiten der Interaktivität erlauben, die Entfremdung und Vereinsamung geringer als in den genannten Beispielen zu halten. Die Beziehungen im Internet sind nicht virtuell, sondern genauso real wie Beziehungen, die bei physischen Treffen entstehen, wenn sie auch nicht so reich an Kommunikationsmöglichkeiten sind. Es ist wahrscheinlich richtig, daß es mehr direkte menschliche Kontakte ohne Fernsehen, Radio, Kino, Telefon, Bücher und Computer gäbe, aber können und sollen wir die Zeit zurückdrehen? Wohin würden wir gelangen, wenn wir es könnten?

Ein anderes Beispiel für soziale Bedenken ist die Furcht, daß die Vorteile, die sich für die an Kommunikationsnetze angeschlossenen Menschen ergeben, zu mehr Unterschieden gegenüber denen führen werden, die nicht angeschlossen sind und aufgrund ihres Wissens oder ihrer finanziellen Möglichkeiten nicht angeschlossen werden können. Bedroht seien also die sozial Schwachen aber auch die in neuen Technologien Nichtkundigen. Die letzteren findet man auch unter Gewerbetreibenden, Freiberuflern und Unternehmern, die zur Mittelklasse gehören. Es entstehe eine neue Mittelklasse, als Wissensklasse bezeichnet, deren Angehörige hauptsächlich im Dienstleistungssektor aufgrund von Informations- und Wissensvorsprüngen erfolgreich seien. Viele politische und wirtschaftliche Indikatoren bestätigen, daß große Bevölkerungsteile Zukunftsängste haben, die teilweise mit der fortschreitenden Technologisierung des Lebens im Zusammenhang stehen. Daraus darf aber keine (regionale) Strategie der Verlangsamung der Prozesse der Technologisierung im allgemeinen und computerbasierter Kommunikationsvernetzung im besonderen abgeleitet werden. Vielmehr sollten Ausbildung und kostengünstige Zugänge zu Kommunikationsnetzen stärker gefördert werden. Hier ist das Internet wiederum der erste Kandidat, weil es ein Netz ist, das keiner Person oder Organisation gehört.

Die Ausbildung in der Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologie, in diesem Fall das Internet, muß in der Schule anfangen. Einige Schulen verfügen bereits über einen freien Internetzugang, alle anderen sollten folgen (z.B. durch Anschluß an WIN, das öffentlich geförderte wissenschaftliche Netz für Universitäten und Forschungseinrichtungen). Verschiedene diesbezügliche Aktionen laufen (z.B. die Initiative "Schulen ans Netz"), aber sie sind nicht ausreichend. Der Umgang mit Computern und Kommunikationsnetzen muß im Schulunterricht so verankert sein, daß kein Schüler eine Schule, inklusive Hauptschulen, mit Abschluß verlassen kann, ohne grundlegende Kenntnisse auf diesem Gebiet erworben zu haben. Für Erwachsene müssen günstige Möglichkeiten der Nachschulung bereitgestellt werden. Bezüglich des Internetzugangs müssen eine Reihe von Maßnahmen für kostenlosen Zugang geschaffen werden. Zunächst sollte jede Bibliothek eines öffentlichen Trägers Computer aufstellen, an denen man im Internet kostenlos, auch ohne eigene persönliche Berechtigung, arbeiten kann. Das gleiche gilt für Städte und Gemeinden, die an öffentlichen Plätzen solche Zugangsmöglichkeiten schaffen sollten. Diese Geräte könnten ebenfalls für kommunale Dienstleistungen genutzt werden. Weiterhin sollten private Haushalte kostenlos persönliche Berechtigungen bzw. Konten (accounts) für einen Internetzugang erhalten können, die von Firmen finanziert werden könnten. Dafür könnten diese Firmen die Erlaubnis erhalten, bei den Haushalten über das Internet direkt und unaufgefordert zu werben. Dieses Konzept ist im Ansatz bei manchen Diensten schon realisiert. In Bayern hat die Landesregierung eine Initiative ins Leben gerufen, deren Ziel es ist, jedem Landesbürger einen kostenlosen Zugang zum Internet über Datenleitungen von "Bayern Online" zu gewähren. Leider können die Initiativen in Deutschland oder Europa mit denen in USA kaum verglichen werden. Dort werden in den kommenden Jahren Schulen und Bibliotheken sowie Gesundheitsorganisationen in außerstädtischen Gebieten mehr als 2 Milliarden US Dollar pro Jahr für ihren Internetanschluß erhalten. Die Gelder werden über die Regulierungsbehörde für Telekommunikation (FCC) von den Telekommunikationsgesellschaften als eine Art Sonderabgabe eingesammelt.

Die kurzen Ausführungen zu sozialen und psychologischen Bedenken stellen natürlich keine ausreichende Diskussion des Themas dar, weil es, wie bereits angemerkt, nicht Gegenstand dieses Buches ist. Wir wollten dennoch Ansätze erwähnen, mit denen man einigen berechtigten Bedenken in dieser Kategorie Rechnung tragen kann. Dabei erfordern diese Ansätze keine sehr hohen öffentlichen Investitionen, aber entschiedene öffentliche Aktionen.

Internet ist nicht das einzige Kommunikationsnetz, das Privatkunden mit Unternehmen und Unternehmen miteinander verbindet. Genau dies vollbringen schon seit längerer Zeit auch die kommerziellen Online-Dienste. Deswegen ist ein genauer Vergleich zwischen dem Internet und diesen Diensten bezüglich Teilnehmer, Informationsinhalten und Kosten für Informationsanbieter und -nachfrager notwendig. Dieser Vergleich und die Beurteilung der Vergleichsergebnisse erfolgen in den Kap. 11 und 12. Hier sollen nur einige globale Überlegungen angestellt werden. Die Öffnung des Internet für den Kommerz stellt einerseits eine klare Bedrohung für die kommerziellen Online-Dienste dar. Andererseits hat der Wirbel um das Internet und "Datenautobahnen" (information highways) auch die kommerziellen Online-Dienste ins Rampenlicht gebracht. Das hat wiederum zu einem Wachstum der Teilnehmerzahlen bei bestehenden Diensten und zum Eintritt neuer Wettbewerber in diesen Markt geführt. Was wird überwiegen, die Bedrohung oder die Chancen des allgemeinen Wachstums? Zunächst ist festzustellen, daß sich die Online-Dienste dem Sog des Internet nicht entziehen konnten. Alle wichtigen Dienste bieten ihren Kunden die Übergangsmöglichkeit zum Internet an. Die Qualität des Übergangs bezüglich Nutzungskomfort und Geschwindigkeit sowie die Kosten für den Internetzugang sind zu einem Wettbewerbsfaktor zwischen den Online-Diensten geworden. Außerdem haben die Online-Dienste sowohl ihre generellen Mitgliedskosten gesenkt, so daß sie mit anderen Internetzugangsanbietern konkurrieren können, als auch die Kosten für spezielle Kommunikations- und Informationsangebote. Sie haben sich somit zu wichtigen Anbietern von "Startrampen" ins Internet entwickelt. Damit haben sie faktisch das Internet als Primus anerkannt, aber auch die Möglichkeit entdeckt, durch das Internet Geld zu verdienen.

Ein weiterer Indikator für die Wichtigkeit, die kommerzielle Online-Dienste dem Internet beimessen, sind ihre strategischen Geschäftszüge. Sie haben Firmen ganz oder teilweise gekauft, die Software für und Dienste im Internet anbieten. Man kann den Trend gemeinsam mit den obigen Ausführungen so zusammenfassen: die kommerziellen Online-Dienste sind zu Internetzugangsmehrwert- anbietern (Value-Added Internet Service Provider, VAISP) geworden. Manchen Online-Diensten war der erfolgreiche Einstieg in das Geschäft erst gar nicht gelungen. Ein Beispiel hierfür stellen die Schwierigkeiten von Europe Online dar. Der Dienst konnte trotz mächtiger Gesellschafter, wie dem Burda-Verlag, keinen Fuß im Markt fassen. Die mächtige Softwarefirma Microsoft gab ihre ursprünglichen Pläne auf, mit Microsoft Network gegen das Internet zu kämpfen, und entschied sich, ihr "Online-Glück" im Internet zu suchen.

Manche der kommerziellen Online-Dienste waren bisher Zuschußgeschäfte. Unternehmen, die bei den Online-Diensten Informationen anbieten und Kommerz betreiben, sind meist etablierte Firmen. Wie weit sich die Präsenz in den Diensten für sie lohnt, wird meist verschwiegen. Traumhafte Erfolgsgeschichten sind von dort jedenfalls nicht bekannt. Das Internet auf der anderen Seite hat schon einige sensationelle Erfolge hervorgebracht, die zeigen, daß Innovation und Risikobereitschaft sich auszahlen. Das gilt zunächst für Anbieter von Internetsoftware und -zusatzdiensten, aber auch schon für manche Unternehmen, die das Internet als Werbemedium, Vertriebsweg oder zu anderen kommerziellen Zwecken benutzen.

Einer der wichtigsten Gründe für den bisherigen und zukünftigen Erfolg von Internet ist seine Gesellschafts- und Wirtschaftsform. Internet ist Demokratie, Internet ist freie Marktwirtschaft. Dagegen haben Diktatur und Monopole keine Chance. Welche Firma, welches Land verfügt über Hunderttausende von hochtalentierten, hochmotivierten Systementwicklern? Internet hat sie. Wo werden neue Softwareprodukte fast ohne Kosten innerhalb von wenigen Tagen im Markt eingeführt? Nur im Internet; es genügt, eine Adresse, unter der man eine Probeversion frei abholen kann, an verschiedene Diskussionsgruppen (siehe Abschn. 3.2) zu versenden. Die Nachricht breitet sich wie ein Lauffeuer aus, und innerhalb von Tagen wird das Produkt von Tausenden weltweit getestet. Welches Produkt ein "Star" und welches ein Verlierer wird, stellt sich meist schnell heraus. Damit ist garantiert, daß im Internet immer die neueste und beste Technologie eingesetzt wird (außer in den seltenen Fällen, wo staatliche Stellen versuchen, dies zu verhindern, wie es im Zusammenhang mit Sicherheit teilweise geschieht). Aufgrund aller obengenannten Aspekte und Entwicklungen glauben wir, daß dem Internet die Zukunft der Kommunikationsnetze gehört, wahrscheinlich nicht ausschließlich, aber als klarem Führer und Trendsetter unter den Online-Netzen.

Schließlich verändert Internet zunehmend das Verständnis eines Computers im Sinne von Ressourcen und Funktionen, die man als Benutzer zur Verfügung hat. Zuerst stellte man sich unter einem Computer einen Großrechner vor. Nach einiger Zeit, in der man die Großrechner nur im Stapelbetrieb nutzen konnte, wurde es möglich, mit dem Computer über Bildschirme zu kommunizieren. Ein zweites Verständnis des Computers wurde durch Mikrocomputer und Arbeitsplatzrechner bestimmt. Man arbeitete weiterhin am Bildschirm, aber die Berechnungen wurden nun von einem Rechner auf dem Schreibtisch, darunter oder daneben, ausgeführt, den man selbst kontrollierte und verwaltete. Der persönliche Computer (PC) war zunächst auf sich allein gestellt oder er konnte bestenfalls als ein "dummes" Terminal für einen Großrechner dienen. Die nächste Welle brachte die Vernetzung der PCs mit sich, die eine gemeinsame Nutzung der im Netz vorhandenen Hardware, Software und Daten ermöglichte. Das lokale Netz (LAN) wurde zum Computer. Die neueste Welle macht weltweite Netze zum Computer. Der Internetbenutzer greift nicht nur auf Ressourcen seines PC, LAN oder Großrechners zu, sondern auf Hunderttausende von Rechnern, Programmen und Diensten und Milliarden von Megabytes an Daten, die weltweit zur Verfügung stehen. Mehrere Hardwarehersteller bieten Netzwerkcomputer (siehe Abschn. 4.4) an, die einfacher und billiger als die gängigen PCs sind. Manche Gurus der Computerbranche prophezeien, daß Software in der Zukunft nicht mehr gekauft werden würde, sondern nur bei Bedarf gegen Gebühr temporär über das Internet heruntergeladen würde. Unabhängig davon, ob sich diese Vision bewahrheitet oder nicht, eine Tatsache ist es, daß für viele Computeranwender, ganz bestimmt für uns, schon heute der Computer das Internet ist.

Wie aus dem Inhaltsverzeichnis zu ersehen ist, werden im ersten Teil des Buches zunächst die technologische und organisatorische Entwicklung des Internet beschrieben und die Profile seiner Benutzer gezeichnet. Diesen Ausführungen folgt die Erklärung der wichtigsten Internetdienste. Danach werden das Intranet, die unternehmensinterne Version des Internet, und das Extranet, als die internetbasierte Verknüpfung des Unternehmens mit ausgewählten Teilen der Außenwelt, erläutert. Wer mit dem Internet schon vertraut ist, kann diesen Teil überspringen. Aber auch die Leser, die noch keine Erfahrungen mit dem Internet haben, können nach dem zweiten Kapitel mit dem zweiten Teil fortfahren und dann nach Bedarf die Erklärung der Dienste und des Intranet nachholen.

Der zweite Teil beschäftigt sich mit der strategischen Planung des Interneteinsatzes und der Umsetzung eines solchen Plans. Als übergreifende Systematik für die Planung dient die Sicht eines Unternehmens als eine Wertschöpfungskette. Diese Sicht fordert, daß jede Aktivität eines Unternehmens darauf ausgerichtet sein sollte, zur Wertschöpfung des Unternehmens beizutragen. In diesem Teil wird auch die Sicherheit als ein wichtiger Aspekt des Interneteinsatzes erörtert. Sie ist bewußt nicht im mehr technischen Teil I plaziert, um ihre Bedeutung herauszustellen und auf ihre Berücksichtigung bereits im frühen Planungsstadium zu erinnern.

Der dritte Teil widmet sich der feineren Planung des Interneteinsatzes. Dort werden die Möglichkeiten der kommerziellen Nutzung des Internet systematisch untersucht. Die Hauptaktivitäten der im zweiten Teil eingeführten Wertschöpfungskette werden der jeweiligen betriebswirtschaftlichen Theorie folgend nach ihren Instrumenten oder Unteraktivitäten gegliedert, bevor die Analyse des potentiellen Internetbeitrags beginnt. Damit wird der Interneteinsatz in einem strukturierten Rahmen dargestellt, anstatt nur über Anekdoten und Fälle aus der Praxis vermittelt. Genaue Hinweise auf Praxisbeispiele werden jedoch überall gegeben.

Im vierten Teil wird schließlich ein detaillierter Vergleich mit kommerziellen Online-Diensten angestellt. Dieser Vergleich kann als Entscheidungshilfe dienen, wenn man vor der Frage steht, bei welchen Diensten man als Firma Informationen anbieten und erfragen soll.

Und wenn Sie uns nach der Lektüre des Buches noch immer nicht glauben, daß das Internet ein großartiges Potential für den Kommerz besitzt, vertrauen Sie Bill Gates, dem schon legendären Gründer und Präsidenten von Microsoft, der die Meinung vertritt, daß das Internet die wichtigste Neuerung im Computermarkt sei, seit IBM 1981 ihren PC im Markt einführte.

Zuletzt aktualisiert: 04.08.2006 · Burcu Dalmis

 
 
 
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