25.06.2012
Gemeinsam Angetreten!
Am Freitag, den 15.06.2012 präsentierten zehn Neuberufene, die seit 2009 an den Fachbereich 03 berufen wurden, gemeinsam ihre Arbeitsschwerpunkte und Forschungsthemen in der universitären Öffentlichkeit. Mit diesem Format wurde von dem üblichen Format der klassischen Antrittsvorlesung bewusst abgewichen.
Die Vorträge wurden von 10:00 bis 17:00
Uhr in vier thematisch unterschiedlichen Panels in der Alten Aula
gehalten. Neben der akademischen Öffentlichkeit, war die Aula gut
besucht von Studierenden des Fachbereichs 03 sowie von KollegInnen,
Freunden und Familienangehörigen einschließlich des jüngsten
‚universitären’ Nachwuchses (in Gestalt der Kinder der Neuberufenen),
der buchstäblich das Podium zu erstürmen versuchte.
Im ersten Panel wurde der Bogen gespannt ausgehend von Fragen zur Krise des Kapitalismus aus Sicht der politischen Ökonomie (Prof. Dr. John Kannankulam, Institut für Politikwissenschaft) sowie aus finanzpolitischer Perspektive (Prof. Dr. Hubert Zimmermann, Institut für Politikwissenschaft) mit einem Fokus auf die Zukunft des Euro bis hin zur Gegenwartsdiagnose des Geschlechterverhältnisses im Wohlfahrtsstaat (Prof. Dr. Annette Henninger, Institut für Politikwissenschaft).
Das zweite Panel bot Einblicke in den Stand der empirischen Forschung im Rahmen der Kunst - und Kultursoziologie sowie der Lebensstilforschung (Prof. Dr. Gunnar Otte) mit einem besonderen Augenmerk auf die nach Wahrnehmung und Aufmerksamkeit ringenden Akteure in einer u.a. bedingt durch die elektronischen Medien stark vom Phänomen der Sichtbarkeit geprägten Gesellschaft (Prof. Dr. Markus Schroer, Institut für Soziologie).
Das dritte Panel widmete sich der Politikwissenschaft „in aller Welt“ unter dem Blickwinkel der Partizipation und Repräsentation in unterschiedlichen Weltregionen. Prof. Dr. Rachid Ouaissa, tätig am Centrum für Nah- und Mitteloststudien (CNMS), konzentrierte sich in seinem Vortrag auf die partielle Blindheit hiesiger demokratietheoretischer Konzepte bzw. deren mangelnde Erfassung des gegenwärtigen Wandels von Partizipations- und Repräsentationsformen im Nahen und Mittleren Osten. Frau Prof. Dr. Claudia Derichs (Institut für Politikwissenschaft) illustrierte anhand der Umsetzungsschwierigkeiten kodifizierter Rechte – z.B. die praktische Umsetzung des Frauenwahlrechts in ausgewählten asiatischen Ländern – die Wirkmächtigkeit „ungeschriebener“ Verfassungen sowie die Bedeutsamkeit und zugleich die restriktiven Wirkungen kultureller Einflussfaktoren auf die politische Kultur eines Landes. Prof. Dr. Ursula Birsl (Institut für Politikwissenschaft) fragt in ihrem Vortrag, ob wir es in den etablierten Demokratien hochentwickelter Industriegesellschaften mit einer Partizipationskrise zu tun haben. Und wird gar eine Repräsentationskrise durch eine Partizipationskrise ausgelöst, die mit sozialen Ungleichheitsverhältnissen erklärt werden kann und die Demokratien weiter erodieren lässt? Ihre Prognose ist eher pessimistisch.
Das vierte und letzte Panel beschäftigte sich unter dem Titel
„ Transitional Justice – Globale Normen, lokale Verfahren“ mit Formen
der Vergangenheitsbewältigung nach Menschenrechtsverletzungen. Prof.
Dr. Anika Oettler (Institut für Soziologie) skizzierte die Entwicklung
des Forschungsfeldes und lieferte eine kritische Einschätzung der
entstandenen wissenschaftlichen und NGO- Netzwerke.
Prof. Dr. Susanne Buckley-Zistel (Zentrum für Konfliktforschung) zeigte
anhand des Instruments der Wahrheitskommission auf, wie unterschiedlich
in Abhängigkeit von Zielsetzung und kulturellen Bedingungen mit
dem Instrument umgegangen wird und wie stark hierdurch die Ergebnisse
voneinander abweichen können.
Nach zehn sehr interessanten Vorträgen und einem für alle Seiten gleichermaßen anstrengenden „Vortragsmarathon“ genossen Angetretene und Gäste sichtlich den anschließenden Empfang in lockerer Atmosphäre in der Waggonhalle mit gutem Essen, Jazzmusik und interessanten Gesprächen.
Der Fachbereich wünscht den „Neuzugängen“ weiterhin viel Erfolg und freut sich auf die weitere Zusammenarbeit!
