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Revitalisation of Traditional Law in the Republic of Georgia

Forschungsprojekt des Instituts für Vergleichende Kulturforschung (FG Völkerkunde) in Zusammenarbeit mit dem I.Djavakhishvili Institut für Geschichte und Ethnographie, Tbilisi.

Projektleitung: Prof. Dr. Mark Münzel, Dr. Stéphane Voell
Wissenschaftliche Mitarbeiter: Dr. Natia Jalabadze (Tbilisi), Dr. Lavrenti Janiashvili (Tbilisi), Elke Kamm M.A. (Marburg), Dr. Stéphane Voell (Marburg),

Konzeption: Dr. Stéphane Voell, in Zusammenarbeit mit Dr. Natia Jalabadze
Laufzeit: 2009-2011
Finanzierung: Volkswagen-Stiftung
Homepage Projekt: http://projectgeorgia.wordpress.com/

Traditionelles Recht gewinnt im postsozialistischen Georgien wieder zunehmend an Bedeutung. Ehrvorstellungen und Clanstrukturen beeinflussen wirtschaftliche Aktivitäten. Blutrache tritt in verschiedenen Regionen Georgiens auf. Privatisierungen nach dem Ende des Sozialismus führen noch heute zu Landkonflikten, die verstärkt mit traditionellem Recht verhandelt werden. Viele Konflikte werden außergerichtlich nach traditionellen Vorgaben über Älteste und lokale Mediatoren gelöst. Dieses Wiedererwachen der Tradition im Recht ist Thema des Forschungsprojekts. Zwei Fragen stehen im Mittelpunkt der Forschung: Was sind die Rahmenbedingungen und Prozesse, die zu einer Revitalisierung von traditionellem Rechts führen? Wer greift wann und warum auf dieses Recht zurück? - Es wird auch untersucht, ob man überhaupt von einer Revitalisierung sprechen kann bzw. ob traditionelles Recht eine postsozialistische Erfindung ist oder eine historische Kontinuität aufweist.

Bisherige Forschungen zum traditionellen Recht fanden in Georgien meist in entlegenen und kaum bewohnten Hochlandregionen statt, die nur wenig in staatliche Strukturen eingegliedert sind. In vorliegendem Projekt geht es jedoch gerade darum, wie traditionelles Recht in Beziehung zu Staat und Zivilgesellschaft angewendet wird. Die Forschung findet daher im georgischen Tiefland, in Kvemo Kartli, statt. Hier sind staatliche Administration und Zivilgesellschaft präsent. Traditionelles Recht ist hier alltägliche Praxis.

Das Forschungsteam umfasst je zwei Forscher aus Georgien und Deutschland. Gemeinsam werden sie an dem Projekt arbeiten und elf Monate in Georgien forschen. Zusammen untersuchen sie die folgenden Fragen: Was wird überhaupt als traditionelles Recht in Georgien bezeichnet? In welchen Zusammenhängen kommt traditionelles Recht zur Anwendung und in welchen nicht? Wie reagiert die staatliche Administration auf die Praxis traditionellem Rechts? Spielt die Religion bzw. deren Vertreter eine Rolle in traditionellen Rechtsverfahren?

Die Projektmitarbeiter arbeiten an vier individuellen Forschungsprojekten, die die aktuelle Praxis des traditionellen Rechts exemplarisch herausarbeiten. Voell untersucht die Verwendung von traditionellem Recht durch Nichtregierungsorganisationen für Konfliktvermittlung. Jalabadze beschäftigt sich mit dem Wiederauftreten der Blutrache im georgischen Tiefland. Die Bedeutung von Ehrvorstellungen im sozialen Alltag, besonders in Bezug zur Rolle der Frau, steht im Zentrum der Forschungen von Kamm. Janiashvili arbeitet zu der Relevanz des traditionellen Rechts im Sozialismus und ob dessen heutige Praxis eine Neuerfindung oder ob vor Ort eine Kontinuität zu beschreiben ist.

Kontakt: Dr. Stéphane Voell

Zuletzt aktualisiert: 11.05.2011 · Stéphane Voell

 
 
 
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Tel. 06421/28-23749, Fax 06421/28-22140, E-Mail: ethno@staff.uni-marburg.de

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