Formalia und Anforderungen Magister Völkerkunde
Achtung: keine Neueinschreibungen mehr möglich [nur
Nebenfächer]. Seit dem Wintersemester 2004/2005 kann sich nur noch in
den Bachelor Vergleichende Kultur- und Religionswissenschaften oder
Master Kultur- und Sozialanthropologie eingeschrieben werden.
Studienvoraussetzungen
in der Regel das Abitur, Sprachkenntnisse
Unbedingte Voraussetzung für das Völkerkunde-Studium:
- Zwei Fremdsprachen schon bei Beginn des Studiums, nachzuweisen spätestens bis zur Zwischenprüfung, und zwar durch das Abiturszeugnis (Abschlussnote mindestens ausreichend) oder durch vergleichbare und von der Universität anerkannte Nachweise (z.B. Volkshochschule/Uni-Sprachprüfungen).
- Darüber hinaus wird die Erlernung mindestens einer weiteren, und zwar nicht-indoeuropäischen Fremdsprache dringend empfohlen.
Wer nur Englisch als einzige
Fremdsprache wirklich beherrscht, kann einen anständigen
Studienabschluss in Völkerkunde vergessen. Etwa 90 % der Fachliteratur
ist nicht auf Deutsch verfasst (sondern hauptsächlich auf Englisch und
Französisch, in geringerem Umfang auf Spanisch, Portugiesisch und
Russisch, sowie in zahlreichen weiteren Sprachen). Versuche, durch
hartnäckige Ignoranz der Landessprache Deutsch oder Englisch
durchsetzen zu wollen ("Ballermann-Modell"), sind nicht das
ethnologische Modell. Will man sich bspw. näher mit einer Region
Afrikas befassen, muss man deren Staatssprache (meist Arabisch,
Englisch, oder Französisch) ebenso verstehen wie die jeweilige
afrikanische Regionalsprache. Für Lateinamerika ist mindestens die
Kenntnis des Spanischen (bzw. für Brasilien des Portugiesischen) nötig.
Sinnvoll ist auch, mindestens eine indianische Sprache zu lernen.
Verlauf des Studiums
Themengebiete:
Im Studium soll etwa gleichmäßig auf folgende Aspekte geachtet werden:
- Kenntnis allgemeiner völkerkundlicher Theorien und Methoden, die auf unterschiedliche Regionen und Themen Anwendung finden.
- Spezialisierung auf jeweils einen bestimmten Kulturraum (z.B. Südamerika oder Ozeanien). Neben dem Gebiet, mit dem man sich besonders eingehend befasst, sollte man sich, wenn auch weniger intensiv, mit weiteren Bereichen befassen.
- Kenntnis mehrerer regionübergreifender Sachthemen (z.B. Religionsethnologie, Kunstethnologie, Medizinethnologie).
Referate und Hausarbeiten sollten vor allem im Grundstudium auf
verschiedene Regional- bzw. Sachthemen verteilt werden, um einen
umfassenden Einblick in die Völkerkunde zu erhalten und zu
verschiedenen Fragestellungen intensiver gearbeitet zu haben.
Grund- und Hauptstudium:
"Regelstudienzeit" (Ideal-Ablauf, Höchstförderzeit nach
BAFöG): 9 Semester = Grundstudium 4 Semester, Hauptstudium etwa 3 1/2
Semester, Prüfungsphase 1 1/2 Semester.
Im Grundstudium sollte ein allgemeiner Einblick in die
Völkerkunde erlangt werden. Es ist empfehlenswert, Seminare zu
verschiedenen Schwerpunkten zu besuchen, z.B. auch Ozeanien als Region
oder Kunstethnologie als Sachthema, und sich nicht speziell auf ein
Gebiet zu beschränken. Auch sollte man sich ein grundlegendes Wissen
über unterschiedliche Theorien, z.B. Funktionalismus, Strukturalismus
und verschiedene aktuell diskutierte ethnologische Ansätze aneignen.
Neben dem Studium ist es von Anfang an vorteilhaft, Ausstellungen zu
besuchen, um die unterschiedlichen Ausstellungskonzepte von Museen
kennenzulernen, oder Vorträge zu besuchen. Nicht nur die
universitätsinterne Völkerkunde, sondern auch ihr gesellschaftliches
Auftreten ist wissenschaftlich relevant.
Am Ende des Grundstudiums soll ein Überblick über die Fachgeschichte da
sein, und genaue Kenntnis der völkerkundlichen Kerndaten zu mindestens
einer nicht-mitteleuropäischen Kultur.
Im Hauptstudium sollte man sich, auf Grundlage des
breitgefächerten Allgemeinwissens und den eigenen Interessen
entsprechend, auf ein Fachgebiet spezialisieren. Die Grundkenntnisse
können nun durch Seminare und Eigenarbeit gezielt vertieft
werden.
Während des Hauptstudiums sollte man sich auch schon früh Gedanken zur
Magisterarbeit machen und deren Thematik eingrenzen. Die
Magister-Arbeit wird am Ende des Studiums geschrieben und umfasst ca.
100 Seiten. Sie bildet neben den Prüfungen den Abschluss des Studiums
und soll die Fähigkeit zu selbständigem wissenschaftlichen Arbeiten
zeigen.
Studienleistungen
Begriffserklärung:
Veranstaltungsarten:
- In einem Seminar bzw. einer Übung wird ein größerer Themenkomplex behandelt, wobei in den jeweiligen Sitzungen ein Thema oder eine Fragestellung, meist in Verbindung mit einem Referat, gesondert besprochen und diskutiert wird.
- In einer Übung werden Arbeitsweisen eingeübt, z.B. "Wie richte ich eine Ausstellung ein?".
- In einer Vorlesung werden größere Zusammenhänge und Überblickswissen vermittelt.
- Daneben gibt es in Marburg die Gelegenheit, Museumsübungen zu besuchen. Die Philipps-Universität besitzt eine eigene Völkerkundliche Sammlung. Hier kann man bisher noch nicht untersuchte Gegenstände nach selbständiger Arbeit und Nachforschungen beschreiben und in den kulturellen Kontext eingliedern. Dazu gibt es die Möglichkeit, an Ausstellungen mitzuarbeiten und das Ausstellungskonzept mitzugestalten.
Belegen und Scheine erwerben:
- Semesterwochenstunden (SWS) meint die wöchentlichen Unterrichtsstunden (1 SWS=45 Zeitminuten) während eines Semesters, die in Lehrveranstaltungen verbracht werden. Ein Seminar dauert normalerweise 90 Zeitminuten, d.h. zwei Semesterwochenstunden. Die Veranstaltungen, an denen man während eines Semesters teilgenommen hat, werden am Ende des Semesters auf den Belegbögen eingetragen. Die Belegbögen sind im Studentensekretariat zu erhalten. Sie dienen als Nachweis für die erbrachten Leistungen im Studium und werden für die Meldung zu den Zwischen- und Abschlußprüfungen verlangt. Werden in einem Semester 7 Seminare und 1 einstündige Vorlesung besucht, sind das insgesamt 15 SWS (7 Seminare = 14 SWS, 1 Vorlesung = 1 SWS).
- Scheine: Nachweise erfolgreicher Referate, Hausarbeiten oder Exkursionen. Scheine können über ein Referat (ein mündlicher, 15-minütiger Vortrag, ein Thesenpapier und eine 10-seitige schriftliche Arbeit, alle pünktlich zum Referatstermin) erlangt werden oder über eine Hausarbeit (20 Seiten schriftliche Arbeit). Durch Objektbeschreibungen oder die Mitarbeit an einer Ausstellung mit entsprechend schriftlicher Leistung kann man den geforderten Museumsschein erhalten. Exkursionsscheine erhält man bei der Teilnahme an einer vom Fachgebiet organisierten Exkursion nach Ablieferung eines 5 Seiten langen Exkursionsberichtes.
1. Hauptfach Völkerkunde
1.1 Grundstudium des Hauptfaches Völkerkunde:
Beleg von mindestens 34 SWS, darunter jedenfalls:
- Zwei Veranstaltungen im Bereich Theoriethemen, Grundstudium,
- drei Veranstaltungen im Bereich Regionalthemen, Grundstudium,
- zwei Veranstaltungen im Bereich Sachthemen, Grundstudium,
- eine Museumsübung,
- eine Exkursion.
Dabei müssen mindestens 5 Scheine gemacht werden:
- Ein Schein im Bereich Theoriethemen, Grundstudium,
- ein Schein im Bereich Regionalthemen, Grundstudium,
- ein Schein im Bereich Sachthemen, Grundstudium,
- ein Museumsschein,
- ein Exkursionsschein.
Nach Abschluss des Grundstudiums (frühestens 3. Semester), d.h. wenn man alle Leistungen des Grundstudiums erbracht hat (5 Scheine, 34 SWS), findet eine Zwischenprüfung statt. Davor müssen die Studienleistungen (Scheine, Belegbögen) bei der Studienberatung vorgelegt werden.
Achtung: Für alle Zwischen- und
Abschlussprüfungen sind die Zulassungsformulare rechtzeitig bis zu
bestimmten Terminen (Aushänge beachten!!) zu besorgen. Dazu gehören
auch die Bereitschaftserklärungen der Gutachter und der Prüfer. Bei der
Anmeldung müssen diese Formulare sowie die Scheine, das Studienbuch und
die ausgefüllten Belegbögen vorliegen.
1.2 Hauptstudium des Hauptfaches Völkerkunde:
Beleg von mindestens 34 SWS, darunter jedenfalls:
- Ein Oberseminar im Bereich Theoriethemen,
- ein Seminar im Bereich Sachthemen, Hauptstudium,
- eine Museumsübung (Hauptstudium),
- eine Exkursion.
- Ferner:
- zwei weitere Veranstaltungen aus dem Theoriebereich,
- eine aus dem Bereich Regionalthemen,
- eine aus dem bereich Sachthemen.
Dabei müssen mindestens 4 Scheine gemacht werden:
- Ein Oberseminarschein im Bereich Theoriethemen,
- ein Schein im Bereich Sachthemen, Hauptstudium,
- ein Museumsschein (Hauptstudium),
- ein Exkursionsschein.
2. Nebenfach Völkerkunde im Magisterstudiengang
2.1 Grundstudium des Nebenfaches Völkerkunde:
Beleg von mindestens 22 SWS, darunter jedenfalls:
- Eine Einführung im Bereich Regionalthemen, Grundstudium,
- eine Museumsübung.
- Ferner:
- Eine weitere Veranstaltung aus dem Bereich Regionalthemen
- eine Veranstaltung aus dem bereich Sachtemen
Dabei müssen mindestens 2 Scheine gemacht werden:
- Ein Schein im Bereich Regionalthemen, Grundstudium,
- ein Museumsschein.
2.2 Hauptstudium des Nebenfaches Völkerkunde:
Beleg von mindestens 12 SWS, darunter jedenfalls:
- Eine Veranstaltung im Bereich Theoriethemen,
- eine Veranstaltung im Bereich Sachthemen.
- Ferner:
- Eine Veranstaltung aus dem Theoriebereich,
- eine Veranstaltung aus dem Bereich Regionalthemen
Dabei müssen mindestens 2 Scheine gemacht werden:
- Ein Schein im Bereich Theoriethemen,
- ein Schein im Bereich Sachthemen.
3. Nebenfach Völkerkunde im Diplomstudiengang
Für Studierende mit einem Hauptfach im Fachbereich 03 und der Geographie gelten die Anforderungen der jeweiligen Diplomstudienordnung. Für alle anderen Studiengänge müssen spezielle Sonderregelungen getroffen werden, sofern die Fächerkombination überhaupt möglich ist.
Prüfungen
1. Hauptfach Völkerkunde:
1.1 Zwischenprüfung des Hauptfaches Völkerkunde:
30-minütige mündliche Prüfung:
- 1 Thema aus dem Bereich Theorie (dabei nachzuweisen: Fähigkeit eines Überblicks über die Fachgeschichte),
- 1 Thema wahlweise Regional- oder Sachbereich.
1.2 Magisterprüfung des Hauptfaches Völkerkunde:
- Verfassen der Magisterarbeit
- Schriftliche Klausur von 4 Stunden
- Mündliche Prüfung von einer Stunde:
- 2 Theoriethemen,
- 1 Regionalthema,
- 2 Sachthemen.
- In der Prüfung insgesamt nachzuweisen: Überblick über die Theorien der Völkerkunde, genaue Kenntnis der neueren Theorien insbes. der letzten zehn Jahre
2. Nebenfach Völkerkunde im Magisterstudiengang:
2.1 Zwischenprüfung des Magisternebenfachs Völkerkunde:
30-minütige mündliche Prüfung: Ein Thema aus dem Bereich Theorie, und ein Thema Regionalbereich.
2.2 Magister-Nebenfachprüfung:
- Schriftliche Klausur von 4 Stunden
- Mündliche Prüfung von einer Stunde (2 Theoriethemen, 1 Regionalthema, 2 Sachthemen).
3. Nebenfach Völkerkunde im Diplomstudiengang
Es gelten die Anforderungen der jeweiligen
Diplom-Studienordnung des Hauptfaches.
Das Nebenfach - interessante Möglichkeiten oder die Qual der Wahl?
Für das Hauptfach Völkerkunde (Magister-Studiengang)
werden zusätzlich zwei Nebenfächer bzw. ein weiteres Hauptfach von der
Studienordnung gefordert. Letzteres ermöglicht ein intensives
Einarbeiten in das Fach, zwei Nebenfächer hingegen geben einen Einblick
in vielleicht zwei grundverschiedene Fächer und können das
Völkerkunde-Studium ergänzen. Ein großes Fächerangebot verlangt hier
nach einer Auswahl. Alle Magister-Studiengänge und einige andere Fächer
stehen offen.
Folgende Nebenfächer werden häufig studiert: Sprachen (insbes.
Romanistik), Gesellschaftswissenschaften (Religionsiwssenschaft, Europ.
Ethnologie, Politikwissenschaft, Soziologie), Geographie, NDL und
Medienwissenschaft. Sie sollten ggfs. im ersten Semester in
verschiedene Fächer "hineinschnuppern".
Die Anforderungen der Studiengänge sind bei der jeweiligen
Fachstudienberatung zu erfragen. Die Scheinanforderungen und
Semesterwochenstunden für zwei Nebenfächer entsprechen ungefähr denen
eines weiteren Hauptfaches.
Die Auswahl sollte den persönlichen Interessen und Neigungen
entsprechen. Eine Nebenfachkombination mit gesicherten
Berufsmöglichkeiten gibt es nicht. Daher sollte man versuchen, für sich
selbst eine sinnvolle und interessante Fachzusammenstellung zu finden,
wobei spätere Berufschancen nicht ganz außer acht gelassen werden
sollten.

