Forschungsprojekt: Philosophie der
Fiktion
Projektleitung: Dr. Íngrid Vendrell
FerranIm Zentrum des Forschungsprojektes steht die Frage danach, was Fiktionen sind und wie wir auf Fiktionen reagieren. Das Projekt wird in vier Teilprojekten systematisch durchgeführt.
A. Literarische Fiktionen
Im ersten Unterprojekt soll der Begriff der literarischen Fiktion eingegrenzt werden. In diesem Zusammenhang sollen danach verschiedene Modelle der Fiktion untersucht werden: Ziel der Untersuchung der Fiktionsmodelle ist es, zu einem Verständnis der Fiktionen auf dem Terrain der Literatur zu gelangen und eine philosophische Definition der literarischen Fiktionen zu entwickeln. Diese Definition soll die imaginative Einstellung des Rezipienten und des Autors sowie den Kontext berücksichtigen und Fiktionen als menschliche Praxis verstehen.
B. Kognitive und affektive Phänomene bei unserer Auseinandersetzung mit Fiktionen
Nach der Abgrenzung des Begriffes der literarischen Fiktionen soll untersucht werden, wie unsere Auseinandersetzung mit Fiktionen stattfindet. Hierbei werden sowohl kognitive als auch affektive Phänomene berücksichtigt.
C. Identifikation mit fiktionalen Charakteren
Im dritten Forschungsstrang wird angestrebt, die Mechanismen der Identifikation mit fiktionalen Charakteren und Situationen zu analysieren. Reagieren wir auf fiktionale Figuren als ob sie reale Personen wären? Oder gleicht unsere Auffassung fiktionaler Figuren eher unserer Auffassung mathematischer Entitäten? Hier werde ich den ontologischen Status fiktionaler Charaktere mit Blick auf unsere Rezeption derselben untersuchen.
D. Literatur als Moralphilosophie
Der letzte Forschungsstrang befasst sich mit der moralpsychologischen Rolle unserer Auseinandersetzung mit Fiktionen. Rorty und Nussbaum haben die These vertreten, dass einige Romane als Grundtexte der Moralphilosophie zu betrachten seien, weil sie uns von der Selbstbezogenheit befreiten, die Entstehung eines autonomen Selbst begünstigten und uns andere menschliche Realitäten zeigten In diesem Unterprojekt wird auch die Möglichkeit untersucht, ob unsere Gefühle, Wünsche und Emotionen gegenüber Fiktionen psychische Dispositionen begründen können, so als handele es sich um Erfahrungen über die Realität.

