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Energieversorgungssicherheit


Energieversorgungssicherheit ist seit dem russisch-ukrainischen Gaskonflikt im Jahre 2005/06 ein Thema in Europa[1], weil den Europäern vor Augen geführt wurde und wird, wie abhängig sie von Importen, vor allem aus Russland, sind[2]. Aus diesem Grund ist die Frage der Energieversorgungssicherheit eng mit der Energieimportabhängigkeit verbunden.

Bei der Abhängigkeit der Europäischen Union von Energieeinfuhren ist eine steigende Tendenz zu beobachten[3]. Derzeit werden 50% des Energiebedarfes in die EU eingeführt und man erwartet eine wachsende Abhängigkeit von bis zu 70% in den nächsten 20-30 Jahren. 45% der Erdöleinfuhren werden aus dem Nahen und Mittlerem Osten eingeführt und 40% der Erdgasimporte stammen aus Russland[4].

Die EU erarbeitet Strategien, um der steigenden Importabhängigkeit entgegenzuwirken[5] und die daraus resultierenden Risiken wie z.B. Versorgungsunterbrechung, Energiekrisen, etc. einzudämmen[6].

Ansatzpunkte um das Risiko einer Versorgungsunterbrechung, etc. zu mildern sind: 

  •         Strategische Erdölvorräte
  •         Diversifikation der Bezugsquellen und Transportwege, Energieträgermix
  •         Forschung[7]
  •         Solidarität der EU-Staaten untereinander
  •  „für den Fall von Versorgungskrisen könnte ein Instrument für solidarische Soforthilfe eingeführt werden“[8], mit dessen Hilfe die EU-Länder in Krisenfällen Energielieferausfälle ausgleichen können
  • dieses Energiesolidarbündnis würde jedoch eine höhere Transparenz der nationalen Energiemärkte und Energievorräte erforderlich machen[9]


Versorgungssicherheit bedeutet nicht, dass man die Energieabhängigkeit reduziert, sondern dass man die Risiken, die mit dieser Abhängigkeit verbunden sind, entschärft[10].  

Energieversorgungssicherheit kann und muss aber nicht nur als Gefahr von Lieferunterbrechungen gesehen werden, sondern auch im Kontext schwindender fossiler Energiequellen. Experten sprechen bereits von einem bereits erreichten Fördermaximum des Erdöls. In diesem Zusammenhang muss Energieversorgungssicherheit auch als frühzeitige Förderung von alternativen Energiequellen gesehen werden[11] .


Konträre Einschätzung der Problematik „Energieversorgungssicherheit“:

Roland Götz ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Forschungsgruppe Russland/GUS bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) und vertritt die These, dass die Versorgungssicherheit Europas nicht so sehr bedroht ist, wie es in der Öffentlichkeit dargestellt wird. Argumente von Experten, wie beispielsweise Frank Umbach, seien eingängig und werden daher von Medien und Politikern bereitwillig aufgenommen[12].

Frank Umbach behauptet die Deutschen würden zu sehr auf die selbst heilenden “Kräfte des Marktes“ bauen[13], wohingegen Roland Götz kritisiert dass, in der Diskussion um die Versorgungssicherheit die ökonomischen Mechanismen, die im Energiemarkt wirken, nicht ausreichend beachtet werden. Diese Auffassung würde zu drei grundsätzlichen Missverständnissen führen:

1)    

  • Wenn fossile Energierohstoffe knapp werden, steigen die Preise.
  • Der Preismechanismus gleicht Angebot und Nachfrage aus[15]
  • Hohe Preise führen einerseits zu Einsparungen und alternative Energienutzung wird rentabel


2)

  • Der Energiemarkt verfügt über Strukturen, die den Wettbewerb hemmen (große Energiekonzerne, etc.), daher ist staatliche Regulierung erforderlich [16]


3)

  • Nur weil in absoluten Zahlen eine sehr starke Verbindung zwischen Energielieferant (z.B. Russland) und Energiekonsument (EU) besteht, muss daraus nicht zwingend ein bedrohliches Szenario werden[17]
  • Energielieferanten haben selbst ein sehr großes Interesse an Beständigkeit, daher werden auch langfristige Verträge abgeschlossen[18].


Roland Götz vertritt die These dass künftige Unterbrechungen bei Pipelines oder Schiffsrouten den internationalen Energiehandel nicht beeinträchtigen können[19]. Die These der so genannten „Vertretern des Bedrohungskonsenses“ [20] will darauf hinweisen, dass Unterbrechungen in Energielieferungen zu einer massiven Gefahr für die europäische Wirtschaft werden kann und man deswegen die Versorgung mit Energie sicherstellen muss.

Zuletzt aktualisiert: 05.02.2008 · Braeunia

 
 
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