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Zombie des Monats 06/13 a
a)  Der Seele einen Leib:
    
Weltseele als
     Mondgesicht, Webein-
     trag, 2013.

Zombie des Monats 06/13 b
b)  Leib und Seele: Weltseele
     als Frauenakt, aus: Robert
     Fludd, The Great Chain of
     Being, Stich (Ausschnitt)
     1617.
     
Zombie des Monats 06/13 c
c)  Leib, deine Seele!:Anato-
     mie der Seele, Leonardo
     da Vinci, Zeichnung (Aus-
     schnitt), 1489.

Zombie des Monats 06/13 d
d)  Die Seele dem Leib:Logo
     einer Brauerei, Webein-
     trag, 2013.

 

Zombie des Monats - 06/2013

Wiederkehrendes, ideengeschichtlich.

 

Seele, die: seit langer Zeit ist sie auf Wanderung, steigt aus Urmeeren oder flottiert durch den Kosmos und verleiht allem Lebendigen den entscheidenden Hauch. Sie war, ist und bleibt das Rätsel schlechthin ( a ).

 

Und ihre Faszination besteht gerade darin, dass sie eine individuell und gesellschaftlich unerreichte Projektionsfläche für dieses und jenes bietet. Sie galt lange als Reservoir aller Ideen, als besseres Selbst im triebigen Körper, als das, was uns erst überhaupt zum göttlichen Menschen macht.


Dabei tritt sie in der Regel mit ihrem Partner auf: dem Leib. Und wie immer man sich dieses Verhältnis vorstellt, als wunderbare Ergänzung, ewigen Widerstreit oder antagonistische Kooperation, immer liegt im richtigen Verhältnis der Schlüssel für das Leben ( b ).

 

Immerhin ist sie durch Blindheit gefährdet. Einerseits gilt sie als unsterblich, andererseits werden tote Seelen gezählt. Die Seele ist zart und bedroht. Sie kann gequält werden. Leib und Seele müssen zusammenhalten, ansonsten gerät alles aus dem Gleichgewicht. Die Frage, was denn nun die Seele auf die Waage bringt, hat die Ideengeschichte lange beschäftigt, aber so richtig weiß das bis heute keiner. So um die 23 g werden vermutet.

 

Empiriker hat diese Unberechenbarkeit der Seele auf Distanz gebracht. Versuche, den Ort der Seele im menschlichen Körper - zwischen Herz und Kopf - aufzufinden sind fruchtlos. Selbst Da Vinci verzweifelte bei ihrer Lokalisation ( c ). So ist es kein Wunder, dass die moderne Wissenschaft die Seele vor allen Dingen als Metapher auftreten lässt. Als Synonym für Psyche und Selbst, als Benennung eines unwandelbaren Wesenskern von Mensch und Tier. Im technischen Zeitalter hat die Seele keine Chance, nutzt diese aber grandios.

 

Totgesagte leben eben länger und kein mentalistischer Zweifel seelenkritischer Philosophen und Neurowissenschaftler konnte sie aus der Welt schaffen. Metaphysikkritik ist schon immer Metaphysik gewesen, und wer von der Seele redet, sitzt ihr schon auf. Es bedarf keiner langen Überlegungen um von ihrer Existenz zu wissen: ab und zu muss man nur Angst haben oder Familienserien im Fernsehen schauen.

 

Reden die einen über sie als symbolische Form, so dient sie anderen als Ausdruck sonntäglichen Wohlbefindens und Möglichkeit, Kasse zu machen. Mit der Seele kann Geld verdient werden ( d ), rappend, kneipend oder psychotherapeutisch.

 

Wie das Geld bleibt die Seele ein Mysterium. Aber im Gegensatz zum Geld ist sie genau dafür da.


Thomas Noetzel

 








Zuletzt aktualisiert: 05.06.2013 · probstj

 
 
 
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