a)
Gewinnausschüttung,
Webeintrag, 2011. b) Streetart, Webeintrag, 2011. c) Buchcover, Webeintrag, 2011. d) Kundenwerbung, Web- eintrag, 2011. |
Zombie des Monats - 12/2011
Geld, das: Es ein ruheloses Geistwesen, in seiner Virtualität ist es stets auf Wanderschaft von einer Tasche in die andere, es ist das Ende der Freundschaft und nur Bares ist Wahres – das Geld. Vergleichbar scheint es nur mit dem Blut zu sein, es läuft, wenn es läuft und knapp sind die Reserven immer.
Organische Metaphern drängen sich auf und werden wieder und wieder bemüht. Ohne Geld kommt es zum Systemtod, ständig muss im wahrsten Sinne des Wortes gepumpt werden und seine Zirkulation ist als Weg das Ziel. Allerdings steckt in diesen Naturalisierungen auch eine Anmaßung. Denn im Gegensatz zum Blutkreislauf hat das Geld keine Substanz. Es erhält seinen Wert nur in der Anerkennung seiner Geltung.
Geld ist, was gilt. Gerade in Zeiten der Finanzkrise zeigt sich das psychologische Fundament. Ist das Vertrauen futsch, bricht alles zusammen. Wer also auf Geld baut, errichtet alles auf nichts. Dass Währungen durch irgend einen materiellen Wert gedeckt wären, glauben selbst Naive nicht mehr. Tatsächlich ist es ein Fetisch.
Dabei soll es glücklich machen ( a ) und sein Besitz ist libidinös besetzt, wie die vor Freude strahlenden Gesichter derjenigen, die unverhofft zu ihm gelangen, verraten. Diejenigen allerdings, die glauben es verdient zu haben, schauen viel weniger freudig aus. Das liegt wohl auch daran, dass zwar alles in Geld ausgedrückt werden kann - auch die Zeit ( b ) - aber gleichzeitig das Bewusstsein von der Prothetik des Geldes sich einstellt.
Für Geld kann man sich eben das Eigentliche nie kaufen, keine Zeit, keine Liebe, kein Glück - allenfalls kurzzeitige Beruhigung, die jedoch sofort wieder verschwindet, fürchtet man doch ständig seinen Verlust. Es ist unmöglich anzugeben, wann genug von ihm vorhanden ist. Viel leichter ist es festzustellen, dass es fehlt.
Geld ist notwendig, ständig auf Achse, schläft nie, arbeitet immer und ihm haftet schon deshalb etwas Unangenehmes an, weil ständig betont wird, es stinke nicht. So viel gut reden löst Misstrauen aus, das uns alle infiziert, "weil wir käuflich sind" ( c ).
Obwohl es ständig auf Tour ist, kommt es eben nie zurück. Entsprechende Garantien ( d ) werden schnell als Lüge enttarnt. Das Vertrauen in seine Makellosigkeit produziert permanent Misstrauen seines heimlichen Verfalls. Deshalb muss ständig untersucht werden, ob es noch hart und gesund ist, ob man sich noch auf es verlassen kann.
Das Geld ist also eine zwielichtige Figur, begreifbar und körperlos, geliebt und verachtet. Trotzdem kommt man ohne nicht aus. Diese Zwittergestalt hat das Geld gemeinsam mit Verschwörern, Verrätern und Prostituierten. Kein Wunder, dass in diesen Prototypen des verachtet Notwendigen das Geld besondere Form gewinnt.
Umtriebig, allgegenwärtig, ein bewegter Beweger.
Thomas Noetzel |



