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a)
-:Lebensversicherung,   
     Plakatwerbung,
     Marburg 08/10

Zombie08_10_2.jpgb)-:Hi-Fi-Werbung, aus:
     Der Spiegel 1992/31,
     S.8-9.

Zombie08_10_3.jpg
c)-:Hi-Fi-Werbung, aus:
     Der Spiegel, 1984/ 46,
     S.91.


Zombie des Monats - 08/2010

 

Anlage, die: Sie hat Klasse, sie ist vielseitig, sie kann sehr teuer sein und sie zog in den 1980er Jahren bei jeder Party die Aufmerksamkeit auf sich – die Hi-Fi-Anlage. Im Unterschied zu den so genannten „Musiktruhen“ und „Tonmöbeln“ der Nachkriegszeit, in der man Unterhaltungstechnik als unwohnlich empfand und daher in Kommoden versteckte oder mit konventionellem Holzfurnier verkleidete, konnte die Hi-Fi-Anlage, auch Stereoanlage oder einfach "Anlage" genannt, nicht auffällig und futuristisch genug sein ( c ).

 

Hi-Fi-Anlagen machten die technische Raffinesse zum Teil der Wohnkultur und zu einer Prestigefrage. Die Erläuterungen des Hausherrn über die  Parameter seiner "Anlage" rangierten mit den Diskussionen über die PS-Zahlen und die Hubraumgröße seines Kraftfahrzeuges gleichauf.

 

Mit dem Ende des Kalten Krieges, dem Mauerfall und der Globalisierung verfielen nicht nur die alten Freund-Feind-Schemata des Ost-West-Konflikts. Mit der scheinbaren politischen Grenzenlosigkeit nach 1990 verlor auch die heimelige Nischenkultur der 1980er Jahre ihren Reiz. Billigflieger und Internet boten bald immer umfassendere Möglichkeiten, die eigenen vier Wände immer öfter zu verlassen.

 

Die Hi-Fi-Anlage wurde daher nicht erst technologisch durch Online-Radio und MPEG-Downloads überholt. Die Mobilität der 1990er Jahre ließ auch neue Trendsport-Arten Mode werden, in die man nun eher investierte als in teure Musikabspielgeräte für Zuhause. An die Stelle der Hi-Fi-Anlage als Prestigeobjekt und  „Wert-Anlage“ trat in den 1990er Jahren das Mountain-Bike.

 

Eine Produktwerbung aus dem Jahr 1992 ( b ) belegt, mit welchen Mitteln die Hersteller von Hi-Fi-Anlagen deren Werteverfall aufzuhalten suchten. Im Gegensatz zu der typischen Anzeige von 1984 ist 1992 das Gerät nicht groß ins Bild geholt, sondern verschwindend klein dargestellt worden. Die Graphik wird stattdessen von einem erlebnishungrigen, fanatischen Musikfreund im Elvis-Look dominiert. Die extreme, ansteckende Emotionalität eines Fans soll in dieser Werbeanzeige der Hi-Fi-Anlage den Anschluss an die Erlebnisgesellschaft der 1990er Jahre sichern.

 

Nichts scheint zunächst diese beiden Bilder mit jener Annonce zu verbinden, die in diesen Tagen auf hessischen Plakatwänden für ein neues Modell der privaten Lebensversicherung wirbt ( a ). Deren Slogan „Ich will versichert werden. Nicht verunsichert.“ wäre auch nur ein simples Wortspiel, wenn der Text nicht von einer Ikonologie der Gemütlichkeit begleitet wäre. Sie sucht ihre Vorbilder im Biedermeier und in den 1980er Jahren. Ein junger Mann hat versonnen in einem Sitzmöbel Platz genommen, das an den väterlichen Sorgensessel erinnert.

 

Im Hintergrund taucht schemenhaft gespenstisch die "Anlage" wieder auf.


Jörg Probst


Zuletzt aktualisiert: 28.11.2011 · probstj

 
 
 
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