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Zombie des Monats 04/2011 a
a): Karl-Theodor zu Gutten-
     berg (Foto: Axel Schmidt,
     Ausschnitt). In: Der
     Spiegel, / Nr.10/ 2011/    
     S.24.

Zombie des Monats 04/2011 b
b): Wilhelm II. als Friedrich II.
     (Fotograf unbekannt).
     
Zombie des Monats 04/2011 c
c): "Adel aktuell", Covers.

Zombie des Monats 04/2011 d
d): Ehepaar zu Guttenberg.
     In: Der Spiegel, Nr.42/
     2010/ Cover.   

 

Zombie des Monats – 04/ 2011

 

Alte Adel, der: Er ist ein Erbstück, er bleibt in der Familie, anfangs war er eine Auszeichnung und man kann durch ihn auch gezeichnet sein – der alte Adel. Blaues Blut ist eine Unterscheidung um der Unterscheidung willen. In der Zeit nach dem Ritterschlag ist der alternde Adel bald nur noch das Besondere als Institution.

 

Der alte Adel grenzt sich nur temporal von neuen, ihrer Verdienste oder Loyalitäten wegen in den Adelsstand Erhobenen ab. Alt geworden, muss der Adel nicht mehr wissen, was er tut. Er muss nichts leisten, bedarf keiner Rechtfertigung, außer der, schon immer dabei gewesen zu sein.

 

Dass diese Feststellung allerdings mehr Probleme schafft als löst, weiß der alte Adel selbst. Die Beantwortung der Frage, ob man wirklich zu ihm gehört, ist nur durch die Lektüre kanonischer Handbücher zu beantworten. Im Gegensatz dazu vermochte die bloße Tatsache, nur lange schon da zu sein, die Ansprüche einer auf Leistung gedrillten, bürgerlichen Gesellschaft allerdings nicht zu befriedigen. Bislang.

 

Der alte Adel hat seine Bedeutung immer schon simulieren müssen. "Adel verpflichtet", aber wozu? Vor allem zur Pose: "Alter Adel, gut erzogen, wirkt energetisch", urteilte vor kurzem ein bedeutender Hamburger Modezar. Auf die Wirkung kommt es an, so dass den alten Adel das Schauspielerhafte nicht verlässt.

 

Aristokratie ist immer auch Repräsentation als ein Wert an sich. Dass das gewisse Etwas eine Unterscheidung ist, die durch mediale Präsentation zu erzielen ist, hat der politische Erfolg Karl-Theodor zu Guttenbergs bewiesen ( a ). Die Wiederkehr des alten Adels in den Demokratien des Internetzeitalters kann daher kaum noch überraschen.

 

Wie eine Fernsehzeitschrift informiert "Adel aktuell" über die Selbstdarstellung des alten Adels ( c ). Das Stereotyp changiert zwischen Posen der Verantwortungsethik und Pflichterfüllung (Modell: preußischer alter Adel) und verschwendungsökonomischen Übungen (Modell: monegassischer Hochzeitstrubel). Eine Mischung aus beidem war Wilhelm II. Der deutsche Kaiser fantasierte sich als Friedrich der Große ( b ) und endete doch als Rentner im holländischen Exil mit der Lieblingsbeschäftigung des Bäumesägens.

 

So richtig wird das Bühnenfach aber wohl dann doch nicht mehr beherrscht. Die soziale Verantwortung erweist sich immer wieder als kopierte Attitüde und für die Hochzeiten bedarf es Sprunghilfen: Sat 1  organisiert mit der Sendung 'Gräfin gesucht'  dem männlichen Adel die Brautschau, von der das eine oder andere Aschenputtel wohl träumen mag ( d ). Virilios Analysen der Gegenwart als „Rasendem Stillstand“ scheint zu bestätigen, dass in diesen Hochzeitsshows selbst der Hinweis auf das Alter aufhört, ein Distinktionsmittel zu sein.

 

"alter detroiter techno-adel (der zur zeit in deepen house-gewässern schwimmt) kommt im rahmen des fluc-eigenen clubs WUM zu gast in die 'wanne'." So kündigt ein Plakat in der ehemaligen Hauptstadt der k.u.k.-Monarchie Wien den Auftritt eines US-DJs an. Klingt degoutant und doch bleibt ein Rest an Wirkung von Titeln und Traditionen. Ihrer kritischen Wirkungslosigkeit ist die Ironie sich wohl bewusst.

 

Der alte Adel hat Zukunft.

 

Thomas Noetzel


Zuletzt aktualisiert: 28.11.2011 · probstj

 
 
 
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