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Zombie des Monats - 10/2011

 

Papstjubel, der: Er lautet "Habemus Papam!" oder "Wir sind Papst!", er projiziert noch die erstaunlichsten Vorstellungen auf den Gegenstand seiner Verehrung, er widerspricht dabei nicht selten dem Kern desselben und eigentlich soll er vereinen: der Papstjubel.

 

Dass er nun mehr trennt, ist entweder die Schuld Ottos III. oder die der Historiker. Der eine ließ seinen eigenen Vetter zum Papst weihen, die anderen schrieben "und der erste Papst rein deutschen Stammes (...) bestieg den Stuhl Petri am 3.Mai 996". So Ernst Kantorowicz in einem Aufsatz von 1933 über den Beginn einer Geschichte des "deutschen Papsttums". Wenn es auch befremden möge, "bloß deshalb, weil eine Zeit lang Deutsche auch Inhaber der höchsten geistlichen Gewalt gewesen sind, von einem deutschen Papsttum zu sprechen. Denn dem Anspruch nach ist das Papsttum keiner Nation zugehörig".

 

Die Universalität der päpstlichen Würde steht von jeher außer Frage. Bei aller Deutschtümelei war sich dessen sogar ein Historiograph wie Ferdinand Gregorovius bewusst. In seiner Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter (1859-1872) feiert er zwar ganz im Geiste des 19. Jahrhunderts die Ottonen, unter denen die Kirche Roms zu einer "deutschen Vasallin" geworden sei. "Das große Prinzip", schreibt er deshalb aber nicht weniger feierlich, "dass die Nationalität des Papstes gleichgültig sei, entsprang aus dem Geiste des Christentums, welches die Nationen in die Menschheit aufgehen lässt".

 

Umso erstaunlicher, dass anlässlich des Besuches Benedikts XVI. in Deutschland seine Herkunft so stark betont und bejubelt wird ( a ); jenem "großen Prinzip" zum Trotz und ungeachtet der besonderen Geschichte der Idee eines "deutschen Papstes", die in einem fatalen Augenblick der deutschen Geschichte gar von Kantorowicz gerade gegen den Nationalismus wiederbelebt worden war.

 

Von all dem unbeschlagen, weht Ende September 2011 am Axel-Springer-Haus in Berlin riesenhaft vergrößert jene berühmte Schlagzeile vom April 2005: "Wir sind Papst!" ( d ). Der stellvertretende Chefredakteur des fraglichen Blattes nennt im Interview mit Deutschlandradio Kultur den Papstbesuch ein "Jahrhundertereignis" und erklärt wie selbstverständlich, "wir hatten ja vor 500 Jahren zuletzt einen deutschen Papst".

 

Diese nationale Freude resultiert aus einer vielleicht bezeichnenden Überschreitung. Denn in die Genealogie eines "deutschen Papsttums" gezwungen, erneuert Hadrian VI., kein anderer ist hier gemeint, auch überholte Reichsideen. Wenn man ihm nun schon unbedingt die Identität irgendeiner Nation überstülpen will, dann ist er, in Utrecht geboren, selbstredend Niederländer. Dass eine solche Neuigkeit Schlagzeilen machen wird, steht außer Frage; wie diese lautet, ist auch schon abzusehen:

 

"Wij waren Paus!"

 

Johannes von Müller

Zuletzt aktualisiert: 28.09.2011 · probstj

 
 
 
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