Feministischer Studientag
Seit dem Wintersemester 1998/99 werden regelmäßig - zunächst in jedem Semester, später jährlich - Feministische Studientage veranstaltet, deren inhaltliche Gestaltung sowie Organisation auf das Engagement studentischer Gruppen zurückzuführen ist, die sich in jedem Semester neu konstituieren. Er bietet Menschen aller Geschlechter die Möglichkeit, sich interdisziplinär unter feministisch-kritischem Blickwinkel mit einem aktuellen gesellschaftspolitischen Thema auseinander zu setzen.
Themen Feministischer Studientage
SoSe 2011 Gender und Sport (22.)SoSe 2010 Beziehungsweise gleichberechtigt - Paarbeziehungen in Theorie und Praxis (21.)
SoSe 2009 Feministische Kritik an Kreuzes- und Opfertheologien
(20.: mit drei vorbereitenden Themenabenden)
SoSe 2008 Feminismus - eine Überförderung? (19.:mit drei vorbereitenden Themenabenden)
SoSe 2007 und
WiSe 2007/08 "Uns gehört die Welt?! Reichtum und globaler Handel". (18.)
WiSe 2006/2007 Gerechtigkeit! Gerechtigkeit! Jage ihr nach! (5.Mose 16,20).
Zur neuen Übersetzung Bibel in gerechter Sprache (17.)
SoSe 2006 Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist!? Romans 13 through time and space (16.)
WiSe 2005/2006 Sucht sucht (15.)
SoSe 2005 Under the rainbow. Lesben und Schwule im Hause Gottes (14.)
WiSe 2004/2005 Sprach-los wort-gewaltig?!An-sprüche an Kommunikation. (13.)
SoSe 2004 Ein Himmel und eine neue Erde. Wo wohnt die Gerechtigkeit? (12.)
WiSe 2003/2004 Das Fenster der Verwundbarkeit. Krieg in Texten, Bildern und Erzählungen (11.)
SoSe 2003 Heilung. Wege aus einer verwundeten Gesellschaft (10.)
WiSe 2002/2003 ESSENtials (9.)
SoSe 2002 Zwischen Körperkonstrukt und Körpererfahrung (8.)
WiSe 2001/2002 Schwule und Lesbische Theologie – Get used to it! (7.)
SoSe 2001 Was ist eigentlich Feminismus? (6.)
WiSe 2000/01 Migration. Situation von Frauen in der BRD (5.)
SoSe 2000 Wo zur Hölle sind unsere Vorbilder? (4.)
WiSe 1999/2000 Geschlechtsspezifische Machtstrukturen (3.)
SoSe 1999 Ethik und Geschlechterdifferenz (2.)
WiSe 1998/1999 Frauenuni – Unifrauen zwischen Alltagserfahrung und Utopie (1.)
Auf Initiative der studentischen Frauenbeauftragten konstituiert sich die Vorbereitungsgruppe zu Beginn eines jeden Semesters neu. Sie arbeitet eigenverantwortlich, wobei die Frauenbeauftragte des Fachbereichs, welche traditionell aus der Statusgruppe der Studierenden stammt, die Koordination übernimmt, Drittmittel einwirbt, offizielle Ansprechpartnerin und Organisatorin ist und die Hauptverantwortung für das Gelingen des Studientages trägt. Neben der inhaltlichen Erarbeitung einer selbstgewählten Thematik, die ein schriftlich-fixiertes Ergebnis in Form eines Readers findet, wird der Kontakt zu möglichen ReferentInnen bzw. Podiumsdiskussionteilnehmenden gesucht, sodass z.T. ein intensiver Austausch zwischen Studierenden und Lehrenden entsteht. In den von Kleingruppen innerhalb des Teams erarbeiteten Workshops findet eine intensive Verbindung von Theorie und Praxis statt, indem verschiedenste Methoden (z.B. bibliodramatische Heranführung an ein Thema, Sinneserlebnisse, z.B. zur Sensibilisierung für Übersetzungsentscheidungen, szenische Darstellungen, Impulsreferate etc.) gemeinsam entwickelt und teilweise durch kreative Impulse von Lehrenden motiviert werden.
Inhalt und Form des Studientages werden von der jeweiligen Vorbereitungsgruppe selbstständig erarbeitet. Es hat sich in den letzten Jahren häufig ein Rahmen bewährt, der zu Beginn aus einem einführenden Teil (z.B. in Form eines Vortrags einer fachbereichsexternen Dozentin) besteht, an den sich eine intensive Arbeitsphase in verschiedenen Workshops anschließt. Zum inhaltlichen Abschluss wird das Erarbeitete noch einmal zusammen getragen – z.B. in Form einer Andacht, eines Plenumsgesprächs o.ä. Abgerundet wird der Feministische Studientag durch ein gemeinsames Abendessen mit informell kommunikativem Austausch zwischen den Statusgruppen.
Zusätzlich kümmert sich die Gruppe um öffentlichkeitswirksame Werbemittel und pflegt den Kontakt zu Drittmittelfördernden. Als besonders erfreulich ist die Schaffung einer konstruktiven Kooperation mit dem Verein „GrenzgängerIn. Verein zur Förderung feministischer Theologie e.V.“ seit dem Wintersemester 2005/06 zu werten, welcher langfristig den Feministischen Studientag u.a. durch Teilfinanzierung der von der Frauenbeauftragten hierfür geleisteten Stunden finanziell unterstützen möchte. Durch die Mitgliedschaft einiger Marburger Lehrender in dem Verein ergibt sich ferner eine universitäre Zusammenarbeit, die sich z.B. in einem Blockseminar im Juni 2006 manifestierte, in dem Marburger und Studierende vom Union Theological Seminary in New York, USA ein gemeinsames Seminar mit dem Titel „The Letter to the Romans – Reading Paul in Context“, das von Prof. Dr. Angela Standhartinger, PD Dr. Claudia Janssen und Prof. Dr. Luise Schottroff geleitet wurde, besuchen durften und eigene Interessenschwerpunkte einbringen konnten. Auch hier zeigt sich wiederum eine intensive Verwebung von Theorie und Praxis mit besonderer Vielfalt der Lernformen, z.B. dadurch, dass in einem kreativen Prozess ein gemeinsames Wörterbuch zu Schlüsselbegriffen der theologisch-wissenschaftlichen Thematik angefertigt wurde, oder dadurch, dass die Studierenden wichtig gewordene Inhalte der feministischen und sozialgeschichtlichen Forschung in einem Gottesdienst zum Thema „Segen und Widerstand. Ein feministischer Gottesdienst zu Römer 12“, wie auch in dem in dem Semester stattgefundenen 16. Feministischen Studientag phantasiereich umsetzten.
In besonderer Weise wurde am Studientag zur Bibel in gerechter Sprache allein durch die BesucherInnen-Zahl (ca. 100 beim Vortrag, 42 in den Arbeitsgruppen, 180 bei der Podiumsdiskussion) deutlich, dass er für Menschen aus verschiedensten Fachbereichen und auch aus der weiteren Marburger Öffentlichkeit eine Bereicherung darstellt und so über den Fachbereich hinaus weist. Zusätzlich scheint das Marburger Projekt auch ein Modell für Feministische Studientage an weiteren theologischen Fakultäten zu sein. So fand z.B. 2 Tage vor dem 17. Feministischen Studientag in Marburg am 24. Januar 2007 ein ähnlicher Studientag zur gleichen Thematik an der Evangelisch-Theologischen Fakultät Leipzig statt, wohin gerade enge Kontakte der Kooperation bestehen und wo in Anlehnung an das Marburger Modell die Institutionalisierung einer solchen studentischen Initiative erstrebt wird. Die Theologie und insbesondere der Zweig der feministischen Theologie gelangt auf diese Weise über den wissenschaftlichen Horizont hinaus an die Öffentlichkeit und eröffnet die Möglichkeit zum Austausch und zur Kontroverse, welches zusammen in einer Zeit der rasanten Zunahme evangelikaler und teilweise fundamentalistischer Strömungen als eine gesellschaftliche Bereicherung gewertet werden muss.
Sarah von Oettingen, Sabine
Neufeld
(stellvertretend für Generationen des
FrauenLesbenPlenums)

