10.11.2009
Professor Eckart Conze hält im Hessischen Landtag Gedenkrede zum 9. November
In einer Gedenkveranstaltung des Hessischen Landtags hielt Professor Eckart Conze (Fachbereich Geschichte und Kulturwissenschaften) auf Einladung von Landtagspräsident Norbert Kartmann (CDU) einen Vortrag über den 9. November als Tag deutscher Geschichte
Der Marburger Historiker, der gerade erst eine große Geschichte der Bundesrepublik sowie einen Band über die demokratische Revolution in der DDR 1989 veröffentlicht hat, warnte davor, das historische Gedenken allein auf den 9. November 1989 und den Fall der Mauer zu beschränken. Wie kein zweites Datum erinnere der 9. November an die deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert insgesamt, und von dieser Geschichte könnten sich die Deutschen nicht befreien. Der 9. November, so Conze, sperre sich gegen einfache Deutungen. „Er erinnert uns an Verbrechen, von Deutschen begangen, die in der Geschichte der Menschheit ohne Beispiel sind. Doch der 9. November erinnert uns auch an das Versprechen, an die Chancen und an die Kraft der Freiheit.“
Conze verband in seinem Vortrag im Plenarsaal des Wiesbadener Landtags Überlegungen zum Stellenwert von Geschichtspolitik und öffentlicher Erinnerung in demokratischen Gesellschaften mit der Frage nach dem inneren Zusammenhang jener Ereignisse, die sich in der deutschen Geschichte des letzten Jahrhunderts mit dem 9. November verbanden: der Novemberrevolution 1918 und der Entstehung der Weimarer Republik, dem Hitler-Putsch von 1923, der Reichspogromnacht von 1938, dem Attentat des Georg Elser auf Hitler 1939 und dem Mauerfall 1989. Vor allem die Judenpogrome von 1938 dürften nicht aus der Erinnerung der Deutschen verdrängt werden, denn mit diesen Pogromen sei der Weg zum Holocaust, zur Vernichtung der europäischen Juden eingeschlagen worden.
Skeptisch äußerte sich der Marburger Historiker, ob der 3. Oktober als „Tag der deutschen Einheit“ tatsächlich im Bewußtsein der Menschen angekommen sei. Der 3. Oktober erinnere an einen staatsrechtlichen Akt, er sei primär ein Tag politischer Feierstunden und der politischen Bildung. „Nicht nur im Jahr 2009, 20 Jahre nach dem Fall der Mauer, steht der 3. Oktober im Schatten des 9. November“, betonte Conze. „Der 9. November ist ein schwieriger Gedenktag, er ist aber der einzige, der der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert angemessen ist.“
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