Wofür überhaupt Archäologie?
- Durch die Auswertung der materiellen Hinterlassenschaften des
Menschen verschafft uns die Archäologie ein Bild über den Werdegang der
Menschheit von ihren Anfängen in der Altsteinzeit bis in die heutige
Zeit hinein.
- Da nur ein vergleichsweise kurzer Abschnitt der
Menschheitsgeschichte durch Schriftquellen zu erschließen ist und auch
in schriftführenden Epochen Textzeugnisse oft ein sehr einseitiges Bild
vermitteln, ist die Untersuchung archäologischer Zeugnisse zur
Rekonstruktion der Vergangenheit erforderlich.
- Die Archäologie zeigt, wie sich verschiedene Kulturen an Klima, Umwelt und deren Veränderungen angepasst haben. Auch umgekehrt hat der Mensch bereits sehr früh begonnen seine Umwelt zu verändern mit Auswirkungen, die bis in die Gegenwart hinein reichen. Dieses Wissen kann uns bei der Klärung zukunftsbezogener Fragen von Nutzen sein.
- Die Archäologie gibt Einblicke in Probleme und Problemlösungen
früher Rohstoffgewinnung und ermöglicht auf diese Weise einen Bezug zur
Gegenwart.
- Kenntnisse darüber, wann, mit wem und über welche Strecken
Gemeinschaften Handel betrieben haben, können uns zeigen, wie sich
durch diese Kontakte regionalspezifische Kulturen weiter entwickelt
haben – ein Prozess, der bis heute anhält.
- Die Archäologie kann über frühe Glaubensvorstellungen und ihre Entwicklungen Auskunft geben und uns zum Nachdenken anregen.
- Die Archäologie kann falsche oder einseitige Geschichtsbilder
korrigieren. Sie behandelt nicht nur führende Gesellschaftsschichten,
sondern erarbeitet das gesamte Spektrum vor- und frühgeschichtlichen
Lebens.
- Aus dem Zusammenhang gelöste oder falsch gedeutete archäologische
Sachverhalte können für ideologische Zwecke missbraucht werden. Eine
seriös betriebene archäologische Forschung ist daher unabdingbar.
- Die Hinterlassenschaften früher Epochen sind heute im verstärkten Maß von Zerstörung bedroht. Ohne die Archäologie wäre es nahezu unmöglich, auch nur einen Bruchteil dieser Hinterlassenschaften zu registrieren, zu erforschen und sie so weit wie möglich für die Nachwelt zu erhalten.
- So bietet die Archäologie schließlich auch wirtschaftlichen Anreiz, denn gut dargestellte Funde und Ausgrabungsergebnisse können die touristische Attraktivität einer Region enorm steigern.
- Die Archäologie liefert einen wichtigen Beitrag zur Beantwortung der zentralen Fragen des Menschen, die ihn erst zu Menschen als einem geistbefähigten Wesen machen: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Wer bin ich?
Das Studium der Vor- und Frühgeschichte
Die Vor- und Frühgeschichte ist eine historische
Wissenschaft. Auf Grund ihres Quellenmaterials – Bodendenkmäler im
weitesten Sinne – ist sie durch die archäologische Methodik geprägt.
Sie erforscht die menschlichen Kulturäußerungen vor dem Einsetzen
schriftlicher Primärquellen.
Für die jüngeren Zeiträume tritt sie neben benachbarte historische Disziplinen. Aufgaben und Studieninhalte des Faches werden bestimmt durch die spätere berufliche Tätigkeit der Studierenden.
Innerhalb dieser Kulturwissenschaft werden in
erster Linie durch archäologische Ausgrabungen Erkenntnisse zum
Alltagsleben, zur Religion, Brauchtum, Wirtschaft, Gesellschaft sowie
zur Kunst, Handwerk und vielem mehr gewonnen. Durch die enge Verzahnung
mit Disziplinen der Naturwissenschaft können zudem Wechselwirkungen von
Natur und Mensch aufgezeigt werden, wie etwa zur Ernährung, Gesundheit
oder Umweltveränderungen.
Das Tätigkeitsfeld eines Archäologen wird durch
Ausgrabungen, ebenso aber auch durch dokumentierende und
konservatorische Arbeiten bestimmt. Genauso wichtig sind Bibliotheks-
und Archivtätigkeiten, in denen Funde bestimmt, Fundzusammenhänge
recherchiert und Befunde ausgewertet werden.
Berufsmöglichkeiten bieten Ämter der Bodendenkmalpflege, kulturgeschichtlich ausgerichtete Museen, archäologische Forschungseinrichtungen, Grabungsfirmen und Universitäten.
Das Hochschulstudium befindet sich derzeit
europaweit in einer Phase der Umstrukturierung. Das bisherige Studium
des Fachgebietes Vor- und Frühgeschichte umfasst mindestens acht
Semester und wird mit dem Magisterexamen abgeschlossen. Es gliedert
sich in ein viersemestriges Grundstudium, das mit einer Zwischenprüfung
endet und weiteren vier Semestern Hauptstudium sowie einer sechs Monate
umfassenden schriftlichen Magister-Hausarbeit. Hieran kann sich die
Promotionsphase anschließen, die in der Regel mindestens zwei weitere
Jahre umfasst.
Das Fachgebiet "Vor- und Frühgeschichte" kann entweder als Hauptfach in der Kombination mit zwei weiteren Nebenfächern aus dem geistes- sozial- oder naturwissenschaftlichen Bereich studiert werden oder als Nebenfach zu einem anderen Hauptfach. Prinzipiell ist auch ein Doppelstudium mit zwei Hauptfächern möglich; dieser Weg sollte allerdings nur in Ausnahmefällen nach einer eingehenden Studienberatung gewählt werden.
Seit dem Wintersemester 2005/06 gibt es die
Möglichkeit, das Fach Vor- und Frühgeschichte im Rahmen eines
gemeinsamen, mit dem Fachgebiet Klassische Archäologie konzipierten
B.A.-Studiengangs "Archäologische Wissenschaften" zu studieren. Dieser
neue Studiengang sieht lediglich ein "Beifach" vor, umfasst sechs
Semester und schließt mit dem "Baccalaureus Artium" ab.
Nach Ablegung dieses Examens kann ein "Master-Studium" gewählt werden, das stärker fächerspezifisch ausgelegt ist. Es besteht die Möglichkeit, zwischen "Prähistorische Archäologie" (Vorgeschichte), "Klassische Archäologie" und "Geoarchäologie" zu entscheiden. Für die Wahl des Master-Studienganges Geoarchäologie ist allerdings Voraussetzung, dass zuvor als Beifach Geographie oder ein anderes geowissenschaftliches Fach studiert worden ist. An das Masterstudium kann sich dann die Promotionsphase anschließen mit dem Ziel des Abschlusses "Dr. phil." bzw. im Fall der Geoarchäologie "Dr. rer.nat.".
Keine Panik!
Detaillierte Informationen können den folgenden Studien- und Prüfungsordnungen entnommen werden. Zudem besteht die Möglichkeit der individuellen Studienberatung durch die Dozenten der jeweiligen Fachdisziplinen.
Plagiat
Plagiate sind keine Kavaliersdelikte oder "Petitessen" wie in einem Leserbrief der Süddeutschen Zeitung formuliert.
Sondern:
„Ein Plagiat liegt vor, wenn Texte Dritter ganz oder teilweise, wörtlich oder nahezu wörtlich übernommen und als eigene wissenschaftliche Leistung ausgegeben werden. Ein solches Vorgehen widerspricht nicht nur guter wissenschaftlicher Praxis, es ist auch eine Form geistigen Diebstahls und damit eine Verletzung des Urheberrechts“.
Resolution des Deutschen Hochschulverbandes vom 17. Juli 2002
Es ist unerheblich, aus welcher Quelle (Buch, Zeitschrift, Zeitung,
Radio- oder TV-Beitrag, Internet oder andere elektronische Text- und
Datensammlungen usw.) die entnommenen Passagen stammen, wie umfangreich
sie sind oder ob sie wörtlich, sinngemäß oder aus einer anderen Sprache
übersetzt sind.
Handelt es sich bei einer abgegebenen Arbeit, einem Referat oder einem
"Handout" nachweislich um ein Plagiat, dann wird sie/es als ungenügend
bewertet. In diesem Fall wird kein Leistungsnachweis ausgestellt. Auch
eine Wiederholung der Arbeit ist nicht möglich. Zudem behält sich der
Prüfungsausschuss weitere Maßnahmen vor.

