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Nicht nur Noten


Vitrine im Kunstverein
Das Hessische Musikarchiv präsentierte sich im Foyer des Marburger Kunstvereins im Rahmen der Ausstellungsreihe "Sammlungen der Universität im Kunstverein". 1937 wurde die "Landesforschungsstelle für Musik in Kurhessen" gegründet, aus dem sich in den 1960er Jahren das Hessische Musikarchiv entwickelte, das heute dem Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Marburg angegliedert ist.

Bemerkenswert ist, dass Musikgeschichte nicht nur an Hand von Noten dargestellt werden kann, sondern vielmehr auch der gesellschaftliche Hintergrund wichtiger Vermittler musikhistorischer Aspekte ist. Frau Prof. Sabine Henze-Döhring berichtete am vergangenen Dienstag über außerordentliche Schätze des Archivs. An den ausgewählten Exponaten zeigte sie die Sammlungsmethode auf, die sich, von Beginn an, ausschließlich Musikalien in Hessen und Marburg widmet.

Einen Hauptbestandteil bilden die Kompositionen und Skizzen des am 3. Dezember 1865 auf Sylt geborenen Gustav Jenner, der an der Rückwand der Ausstellungsnische nachdenklich, in einem Halbfigurportrait von Maria Fellinger, einer damals bekannten Künstlerin und Fotografin, über die gesamte Präsentation wacht. Jenner war einziger Kompositionsschüler von Johannes Brahms, dessen Gipsbüste, ebenfalls von Maria Fellinger, sich neben Jenner gesellt. Die weltbekannte Kopie dieser Büste ziert den Brahms-Saal des Musikvereinsgebäudes in Wien. 1895 wurde Jenner Universitätsmusikdirektor und Dirigent des Akademischen Konzertvereins in Marburg. In dieser Position schaffte er es, Marburg mit ungemein reichen Konzert- und Chorprogrammen zu beleben, was sich auch in der großen Fülle seiner Archivalien niedergeschlagen hat und ihm schließlich 1904 die Ehrendoktorwürde einbrachte. Als Beispiel seiner Kompositionstätigkeit ist das Autograph seines Streichquartetts Nr. 1 in g-Moll ausgestellt.

Mit Briefen und Postkarten wird außerdem die Korrespondenz Jenners mit der Marburgerin Liesl Hochstetter und seinem Freund Theodor Storm, von dem er einige Gedichte vertont hat, dokumentiert. Die Nachkommen Jenners hatten seinerzeit sämtliches Material und Rechte an das Musikwissenschaftliche Institut in Marburg gegeben, mit der Verpflichtung, die Werke zu edieren – was bis heute praktiziert wird. Derzeit werden alle Materialien zu Gustav Jenner auch in eine Datenbank eingespeist, die in Zukunft der Öffentlichkeit für Recherchen zur Verfügung steht.

Besonders spannende Exponate der Präsentation sind außerdem eine Abschrift des 18. Jh. von Joseph Haydns Concerto per il Clavicembalo ex C-Dur aus der Sammlung des Fürsten Wilhelm von Hessen-Philippsthal-Barchfeld und Coro e Cavatina "Bel raggio lusinghiero" e Duetto a te ferisci" dell´ opera Semiramide (18. Jh.) von Gioacchino Rossini. Letztere, edel in rotes Leder mit goldener Prägung gebunden, ist Teil der Sammlung Reinhartshausen der Prinzessin Marianne von Preußen.

Auch Ludwig Bickell, Marburger Fotograf, Heimatforscher und Museumsgründer ist mit einem Exemplar aus seiner Sammlung zur Orgelbauliteratur vertreten, der L’Árt du facteur dórgues von 1766, aus dem ein Druck der imposanten Gabler-Orgel in Weingarten präsentiert wird.

Ein zeitgenössisches Projekt des Hessischen Musikarchivs ist die Website www.musik-in-hessen.de, die Informationen und Links zu allen Facetten des hessischen Musiklebens bietet.

(Dr. Sigrid Popp)

Zuletzt aktualisiert: 13.12.2010 · Uwe Henkhaus

 
 
Fb. 09 - Germanistik und Kunstwissenschaften

Hessisches Musikarchiv, Biegenstraße 11, D-35037 Marburg
Tel. 06421/28-22269, Fax 06421/28-28930, E-Mail: hma@staff.uni-marburg.de

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