Direkt zum Inhalt
 
 
Bannergrafik (NDL)
 
  Startseite  
 

Forschungsschwerpunkte

 

Habilitation:

 

Im Angesicht der Grausamkeit. Zur Emotionalisierungsästhetik literarischer und audiovisueller Kriegsdarstellungen vom 19. bis zum 21. Jahrhundert

(Publikation in Vorbereitung)

Untersucht werden emotionale Wirkungsweisen von Kriegsdarstellungen aus dem 19., 20. und 21. Jahrhundert – verstanden als Elemente literarischer und (audio-)visueller Dispositive, welche die kollektive Wahrnehmung von Kriegen auf affektive Weise zu beeinflussen und zu modifizieren vermochten – oder auch nicht. Die zentralen Fragen der Arbeit lauten: Gibt es so etwas wie ein ‚Skript’ tabuisierter ‚Gewaltlust‘, welches die Kriegs-Narrative seit dem 19. Jahrhundert im Sinne unterschiedlichster ‚Emotionalisierungsstrategien‘ bestimmte? Wann werden ‚Anti‘-Kriegs-Erzählungen zu ungewollten Affirmationen des Kriegs? Wann und wie wird es umkehrt möglich, dass Kriegspropaganda das genaue Gegenteil von dem erreicht, was sie auslösen wollte?

Die spätestens seit Ende des 19. Jahrhunderts in die Krise geratenen Versuche, die (künstlerischen) Repräsentationen von Kriegen der Entwicklung moderner Kampftechnologien bzw. ihrer unüberschaubar gewordenen Folgen anzupassen, erscheinen paradox: Diese „Erzählungen“ wurden und werden ungeachtet der angeblichen 'Undarstellbarkeit' des Darzustellenden immer noch benutzt, um als ‚Anti‘-Kriegsnarrative Empörung gegen den Krieg hervorzurufen – oder auch, um ihn im Sinne des jeweils geltenden Macht-Diskurses zu verherrlichen. Historische Kriegsdarstellungen erinnern aber auch an vergessene Kriegsschauplätze und -verbrechen: Sie sind als Quellen lesbar, in denen Ideologien genauso vermittelt werden können wie in massenwirksamer Propaganda. Sie zeugen darüber hinaus von der Wut und der Verzweiflung traumatisierter Individuen, die in bestimmten soziokulturellen Umfeldern als „nicht betrauerbar“ eingestuft wurden und in einem solchen „Raster des Krieges“ (Judith Butler) als Menschen ‚gar nicht mehr zählten‘.

Die Arbeit geht also den konkreten Gefühlen nach, die solche Darstellungen beim Rezipienten mit ihrer spezifischen Emotionalisierungsästhetik erzeugen wollen – und wie bzw. ob ihnen dies gelingt. Nicht zuletzt fragt die Untersuchung danach, was all dies für die ästhetischen Modifikationen solcher Artefakte bedeutet, die die globale Vermittlungsinstanz des Internets provoziert hat.

Die Habilitation behandelt sowohl literarische Kriegsbeschreibungen (von Heinrich von Kleist über Victor Hugo, Lew N. Tolstoj bis hin zu Jonathan Littell und Lukas Bärfuss) als auch viele Filme (von Lewis Milestone, Francis Ford Coppola, Stanley Kubrick, Paul Verhoeven etc.). Nicht zuletzt spielen die Debatten um die Folterbilder aus Abu Ghraib eine zentrale Rolle (etwa unter Berücksichtigung von Judith Butlers Analysen sowie von Elfriede Jelineks ‚postdramatischer‘ Literatur). 

Weitere Informationen zu verwandten Forschungs- und Publikationsprojekten finden Sie hier.

 

Weitere wissenschaftliche Interessengebiete:

Emotionsforschung, Repräsentationen des Krieges, Postcolonial Studies, Interkulturalität, Literatur nach Auschwitz, Literarischer Antisemitismus, Gegenwartsliteratur, Literaturkritik, Film- und Theaterwissenschaft




Zuletzt aktualisiert: 15.05.2012 · Barbara Leupold

 
 
 
Fb. 09 - Germanistik und Kunstwissenschaften

Neuere deutsche Literatur, Wilhelm-Röpke-Straße 6a, D-35032 Marburg
Tel. 06421/28-24656, Fax 06421/28-28973, E-Mail: gisela.goermar@staff.uni-marburg.de

URL dieser Seite: http://www.uni-marburg.de/fb09/ndl/personal/sueselbeck/sueselbeckforsch

Impressum