ForschungsschwerpunkteFarbige Zeolithanaloga |
|
Übersicht
Lässt man (Erd-)Alkalimetall- oder Ammoniumsalze von schweren Silikathomologen, sogenannten Chalkogenotetrelatanionen [E'E4]4- (E'=Ge,Sn; E=S,Se,Te), in protischen Lösungsmitteln mit Übergangsmetallverbindungen reagieren, bewirkt man die Koordination der binären Anionen als rein anorganische Liganden an Übergangsmetallionen. Die so entstehenden Verbindungen enthalten einkernige, oligomere- oder polymere Komplexe des allgemeinen Types [MxE’yEz]q–; diese werden nicht von organischen Liganden geschützt, sondern durch koordinative Wechselwirkungen mit einem komplexen Gegenionenaggregat stabilisiert. Die beiden Besonderheiten – Fehlen einer Ligandenhülle und die Elementkombination Übergangsmetall/Tetrel/Chalkogen – haben Auswirkungen auf das optische Absorptionsverhalten der Verbindungen: man beobachtet kleinere Energielücken als bei vergleichbaren binären und/oder ligandengeschützten Spezies. Sofern die Übergangsmetallionen ungepaarte Elektronen aufweisen, zeigen die Verbindungen zudem magnetische Kopplungen, die wir experimentell nachweisen sowie in quantenchemischen Untersuchungen der hochgeladenen Aionen untersuchten.
Übergangsmetallchalkogenidcluster
Durch Reaktionen von Alkalimetall- oder Ammoniumsalzen der Chalkogenotetrelatanionen mit organisch substituierten Übergangsmetallverbindungen lassen sich in aprotischen Lösungsmitteln (gemischtvalente) synthetisieren, deren strukturelle, elektronische und magnetische Eigenschaften häufig Besonderheiten aufzeigen.
Silikathomologe - Chalkogenotetrelatsalze
Dies sind Salze binärer Anionen der 14. und 16. Gruppe [E’yEz]x–, von denen uns speziell die schweren Homologen der Silikatanionen interessieren: E’ = Ge, Sn, Pb; E = S, Se, Te. Wir beschäftigen uns mit der Synthese und Charakterisierung sowie der Untersuchung des Reaktionsverhaltens dieser Substanzen: Chalkogenotetrelatsalze ermöglichen zum einen den Zugang zu einem im Grenzbereich zwischen Molekül- und Festkörperchemie angesiedelten anorganischen Themengebiet, der Darstellung von Zeolithanaloga mit schweren Homologen der Silikate, zum anderen eignen sie sich auch für Reaktionen der typisch metallorganischen Molekülchemie, der Synthese gemischtvalenter Übergangsmetallkomplexe.
Arbeits- und Charakterisierunsmethoden
Unsere experimentellen Arbeiten erfolgen alle unter Schutzgas. Zur neuer Verbindungen setzen wir geeignete experimentelle Techniken sowie quantenchemische Rechnungen ein.
Weitere Inforamtionen
Farbige Zeolithanaloga
Verbindungen mit ternären M/E'/E-Anionen (M = Übergangsmetall, E' = Hauptgruppen(semi)metall, E = Chalkogen)
- Synthese von quaternären Verbindungen im Grenzbereich zwischen Molekül- und Festkörperphasen mit ternären, rein anorganischen M/Sn/E-Anionen (M = Übergangsmetall, E = Chalkogen, Abb. 1) durch Einsatz von Chalkogenostannatsalzen in protischen Lösungsmitteln
- unterschiedliche elektronische und magnetische Eigenschaften in Abhängigkeit von der Natur des Übergangsmetalls; Nachweis mittels experimenteller und theoretischer Methoden
- relativ kleine optische Gaps bis hin zum metallischen Glanz (Unterschied zu strukturell verwandten binären Verbindungen) Anwendungspotenzial im Bereich der Opto-Elektronik durch feine Abstimmbarkeit der Eigenschaften über entsprechende Elementkombinationen (Abb. 2)
- zum Teil poröse M/Sn/E-Substrukturen; Kombination Zeolith-artiger mit halbleitenden Eigenschaften denkbar
- häufig Kristallisation in chiralen Raumgruppen; möglicherweise nicht-lineare Eigenschaften

Abbildung 1: Beispiele für diskrete (a, b) bzw. ausgedehnte (c) ternäre Anionen-Substrukturen

Abbildung 2: UV-Vis-Spektren der Verbindungen [K10(H2O)16(MeOH)0.5][M 4Sn4Se17] (M = Mn, Zn, Cd, Hg)
Übergangsmetallchalkogenidcluster
Metallorganische Verbindungen elektronenreicher Übergangsmetalle mit verbrückenden Chalkogenidliganden
-
Synthese neuer (gemischtvalenter) Metallchalkogenidcluster durch die mild-oxidierende Wirkung von Chalkogenostannat-Salzen bei gleichzeitiger Chalkogenid-Donor-Funktion in aprotischen Lösungsmitteln
-
Kombination verschiedener Untersuchungsmethoden zur Aufklärung von Molekülstrukturen, elektronische Eigenschaften und Bindungsverhältnissen (Abb. 3)


(a) (b)

Abbildung 3: Molekülstruktur (a) und magnetisches Verhalten (b) des 47-Elektronen Clusters [(Cp*Fe)3S2]; Analyse der Grenzorbitale (c) beim Übergang des hypothetischen 48-Elektronen-Clusters in die beobachtete 47-Elektronen-Spezies (DFT-Rechnungen)
Chalkogenotetrelatsalze
Solvate und solvensfreie Salze von Silikalthomologen
- neuartige E’/E-Kombinationen und/oder Gegenionensphären (E’ = Element der Gruppe 14 (Tetrel), E = Chalkogen) durch neue Synthesewege
- Kristallstrukturanalysen und Berechnung elektronischer Strukturen
- Überprüfung des Reaktionspotentials zur Synthese von Verbindungen mit ternären Strukturmotiven der Elementkombination M/E’/E (M = Übergangsmetall) sowie zur Darstellung gemischtvalenter Metallchalkogenidclustern (s.u.)

Abbildung 4: Ausschnitt aus der Kristallstruktur der isotypen Verbindungen Li4Sn2E6·8en (E = S, Se, Te), Li4Sn2S1.36Se4.64·8en sowie Li4Sn2Se2Te4·8en (en = 1,2-Diaminoethan)
Abbildung 5: Struktur eines [(Li{en})4(µ2-en)3( en)2]4+ Aggregates der Gegenionensphäre in Li4Sn2Se2Te4·9en (en = 1,2-Diaminoethan)
Arbeits- und Charakterisierungsmethoden
Ausrichtung der Forschungstätigkeiten
- Anorganische Synthese
- Metallorganische Synthese
- Aufklärung struktureller Eigenschaften
- Untersuchung physikalisch-chemischer Eigenschaften
Arbeitstechniken
- Schutzgastechnik (Schlenktechnik)
- Intergassysteme (Gloveboxen)
- Hochtemperatursynthese (HT-Öfen)
- Untersuchung physikalisch-chemischer Eigenschaften
Charakterisierungsmethoden
- Einkristallstrukturanalyse
- Pulverdiffraktometrie
- Spektroskopie (NMR, ESR, MAS-NMR, UV-Vis, IR, Raman)
- Massenspektrometrie (E.I., ESI, MALDI)
- Magnetische Messungen
- Elektrochemische Untersuchungen (CV)
- Quantenchemische Untersuchungen (DFT, HF-SCF, MP2; Programmsystem Turbomole, © Prof. Dr. R. Ahlrichs, Karlsruhe.
Kooperationen
- Dr. R. Clérac, CRPP-CNRS Pessac, Universität Bordeaux
- Dr. O. Hampe, FZ Karlsruhe
- Dr. F. Weigend, FZ Karlsruhe


