Biologische Rezeptoren für Licht bzw. licht-getriebene Katalyse
Blaulichtrezeptoren und licht-getriebene DNA-Reparatur
Unter dem Einfluss energiereicher
UV-Strahlung können sich aus zwei auf einem DNA-Strang benachbarten
Pyrimidinen ein Cyclobutan-Pyrimidin-Dimer oder (6-4)-Photoprodukte
bilden. Da hierbei die Struktur der DNA verändert wird und eine
Replikation durch die DNA-Polymerase nicht mehr stattfinden kann, führt
dies zu Mutationen in der Zelle. Photolyasen können diese DNA-Schäden
mit Hilfe von Licht wieder reparieren und somit das Genom
stabilisieren. Dies ist ein möglicher Ansatz für eine effektive
Therapie z. B. gegen Hautkrebs.
Um mehr über den zugrunde liegenden Reparatur-mechanismus zu lernen, beschäftigen wir uns mit mehreren Vertretern dieser überaus interessanten Enzymklasse, die in den unterschiedlichsten Organismen vorkommt.
Vor kurzem gelang es uns, einen Komplex des Enzyms mit einem gebundenen DNA-Schaden herzustellen und röntgen-kristallographisch zu charakterisieren (siehe links, Mees et al., 2004). Dadurch konnten detaillierte Informationen über die genaue Wirkungsweise des Enzyms mit geschädigter DNA gewonnen werden. Durch den Einbau synthetischer Antennenpigmente in Photolyasen erhoffen wir zudem, Biohybride dieser Photolyasen herzustellen, die andere Wirkspektren als die natürlichen Enzyme aufweisen (Klar et al., 2006). Weitere Arbeiten unserer Gruppe beschäftigen sich mit Klasse II Photolyasen, die in Pflanzen und tierischen Organismen vorkommen, sowie mit den 6-4 Photolyasen, die die chemisch komplizierter zu reparierenden (6-4)-Photoschäden erkennen.
Weitere in unserer Arbeitsgruppe untersuchte pigment-haltige Proteine umfassen Dodecine, eine von uns mit D. Oesterhelt (MPI Biochemie) entdeckte Klasse ungewöhnlicher Flavoproteine (Bieger et al., 2003), sowie Phytochrome (Zusammenarbeit mit J. Hughes, Univ. Giessen), die als Rotlichtrezeptoren mannigfache Funktionen in Pflanzen und vielen Bakterien ausüben. Unser Ziel ist die kristallographische und biophysikalische Analyse von Photorezeptoren, insbesonders die Frage, wie die Absorbtion von Licht Strukturänderungen in diesen Proteinen vorantreibt.
Strukturstudien an Membranproteinen
Obwohl 20 bis 30 % der bisher sequenzierten genetischen Information für Membranproteine codieren, stellen sie nur 0.2 % der bis heute aufgeklärten Proteinstrukturen dar. Demgegenüber steht die Tatsache, dass Membranproteine bedeutende Ziele für die Pharmaforschung dar-stellen. So wirken mehr als 60 % der Medikamente auf dem Markt direkt oder indirekt auf Membran-assoziierte Proteine oder Protein-komplexe.
Membranproteine aus Helicobacter Pylori
Membranproteine stellen den Wissenschaftler aufgrund
ihrer intrin-sischen Eigenschaften (Hydrophobie, geringe
Expressionsraten, Stabilität usw.) vor eine Vielzahl von
Herausforderungen. Diesen versucht man in neuerer Zeit mittels
internationaler Hochdurchsatz-Projekte zu begegnen. An zwei von diesen
Projekten, ProAMP und €-MeP, ist unsere Arbeitgruppe
beteiligt. Hauptaugenmerk liegt dabei auf einer Auswahl von
Membranproteinen aus dem Humanpathogen Helicobacter pylori.
Ionen-transportierende ATPasen
Die Untereinheiten b und d des
so genannten Stators oder "second stalk" der
F0F1-ATPase sind grundlegend für die
funktionelle Kopplung zwischen den rotierenden und stationären
Einheiten des Enzyms.
Die Struktur und Funktion der natürlicherweise in Actinomy-ceten vorkommenden Protein-fusionen bxd und x d ist bislang nicht bekannt und soll unter-sucht werden.
Protein engineering an Membranproteinen
Hochsymmetrische Fusionsproteine
Ein Ansatz, um die Kristallisationseingeschaften von Proteinen zu verbessern, besteht darin, Proteinfusionen zwischen dem Zielprotein und einem anderen Protein herzustellen. Hierdurch sollen die Charakteristika des Zielproteins modifiziert und möglichst um erwünschte Eigenschaften des Fusionspartners erweitert werden. Die hochsymmetrischen dodekameren Proteine MrgA und Dodecin dienen uns dabei als Grundgerüst für die Fusion. Beide zeichnen sich durch eine hohe Stabilität sowie ausgezeichnete Kristallisierbarkeit aus. Diese Methode könnte insbesondere bei Membranproteinen Anwendung finden.
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Hybride Membranproteine

Dieses Projekt beschäftigt sich mit bakteriellen Porinen, diein der äußeren Membran von gram-negativen Bakterien wie Escherichia coli lokalisiert sind. Durch kombinierte Anwendung von molekularbiologischen und proteinchemischer Techniken und biochemisch synthetischer Methoden ist es uns möglich, strukturelle Modifizierungen am Zielprotein vorzunehmen, die weit über den klassischen Möglichkeiten liegen. So könnte sich beispielsweise durch künstlich eingeführte sterische Barrieren (siehe Abb. rechts) die Ionenleitfähigkeit natürlicher Porine modifizieren bzw. steuern lassen (Kooperation AG Koert, FB Chemie).
Nicotinsäure-Fermentation

Nikotinsäure ist ein Vorläufer des wichtigen Kofaktors Nikotinamid-adenin-dinukleotid (NAD+ bzw. NADP+). Einige Mikro-organismen, wie beispielsweise Eubacterium barkeri, sind in der Lage diese in einzigartiger Weise auf anaeroben Wege zu verstoffwechseln. Ziel der laufenden Untersuchungen ist neben der funktionellen Charakterisierung von Enzymen des Nikotin-säure-Abbauwegs die Bestimmung dreidimensionaler Strukturen dieser Proteine mittels röntgenographischer Methoden (Kooperation AG Pierik, FB Biologie).
Antibiotika-Synthese
Viele der von Mikroorganismen produzierten Peptidantibiotika enthalten
neben den proteinogenen L-Aminosäuren auch andere chemische Bausteine.
Die Synthese dieser meist zyklischen Verbindungen erfolgt an
multimodularen Enzymkomplexen, den nicht-ribosomalen Peptid-Synthetasen
(NRPS). Wie an einem Fließband werden schrittweise die Bausteine
aus-gesucht, aktiviert und an das enzymgebundene Intermediat
ange-hängt. Am Ende dieser Synthese werden die Peptide durch so
ge-nannte Thioesterase-Domänen abgespaltet und dabei z. T. zyklisiert
oder oligomerisiert. Wir untersuchen diese Domänen, um besser zu
verstehen, wie die beobachtete Regio- und Stereoselektivität erreicht
wird (Kooperation AG Marahiel, FB Chemie).


