Die Zoologische Sammlung Marburg
| Die Zoologische Sammlung Marburg ist grob in die zwei Bereiche "Lehrsammlung" und
"Referenzsammlung" aufgeteilt. Sie befindet sich in mehreren Räumen und
Vitrinen (Standortliste hier) und umfasst neben Skeletten, Schädeln und
Vogel-Stopfpräparaten auch große Mengen an getrockneten und in Alkohol aufbewahrten Insekten,
Echinodermaten und weiteren Wirbellosen, eine Conchyliensammlung und
eine umfangreiche Fischsammlung. Öffentlich zugänglich sind (während der normalen Öffnungszeiten des Fachbereichs Biologie): alle Vitrinen mit Ausstellungen und das Elefanten-Skelett im Nordfoyer. Besonders die Insekten- und die Fischsammlung haben in den letzten Jahren großen Zuwachs zu verzeichnen, ebenso die Vogelschädel. |
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| Die Anfänge der Sammlung liegen im Dunkeln, die wenigen noch im
Institut vorhandenen Kataloge (der früheste ca. 1866 erstellt) weisen
schon eine große Anzahl der heute noch vorhandenen Präparate als
Institutsbestand aus. Sie weisen sie zudem als Restbestände aus; in
einigen Teilbereichen (z.B. ausgestopfte Taggreifvögel) muss die
Sammlung mal das 10fache des heutigen Umfangs aufgewiesen haben; eine
Ende 2011 erstellte Liste (ca. 2.500 Datensätze, Zeitraum: 1818-1989)
über "ausgestopfte Wirbeltiere" weist eine Verlustrate von mindestens
66% aus. Laut Informationen von R. Remane wurden im zweiten Weltkrieg große Teile der Alkoholsammlung "leergesoffen"; während der Besatzung Marburgs durch die Amerikaner verschwanden einige besonders bunte und große Käfer aus der Riehl-Sammlung, die in den 1980er Jahren in einem anonymen Päckchen zurückgeschickt wurden. |
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| Eventuell ist ein geringer Teil der Skelette und Schädel aus den
Beständen des 1785 nach Marburg umgezogenen Kasseler Anatomischen
Theaters (das übrigens mitsamt dem Haus drum herum und dem zugehörigen
Professor umzog!) an das Zoologische Institut gelangt. Das Anatomische
Institut, das diese Sammlung 1811 bekam (sie soll nicht sehr groß
gewesen sein, eindeutig nachweisbar sind im Anatomischen Museum noch
menschliche Neugeborene mit Missbildungen von Sömmerring), überwies
1866 nach vier Jahren zäher Verhandlungen einen großen Teil seiner
zoologischen Präparate an die Zoologie. Viele Skelette und Schädel
tragen heute noch eine gut lesbare Signatur "A.I.". Andere tragen eine
"Journ. n.", die sich ebenfalls an Sammlungsstücken des Anatomischen
Instituts findet. |
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Von den "Dubletten aus dem Kurfürstlichen Kabinett zu Cassel", die bei Institutsgründung an Blasius Merrem gingen, ist derzeit nichts mit Sicherheit nachzuweisen; eventuell stammen ein Roter Sichler und eine Wanderdrossel aus dieser Erstausstattung. Merrem hat 1819 eine Liste der "Naturalien in Weingeist" geschrieben, inklusive Anmerkungen über ihren teilweise grottenschlechten Zustand. Von Grandidier existiert eine Liste "Cassel den 28ten August 1818", "Verzeichnis der auf allerhöchsten Befehl aus dem hiesigen Museum an die Universität Marburg abgegebenen ausgestopften Vögel". Merrem schrieb im November 1818 seinerseits Listen und bestätigte den Eingang der Präparate. Die Reste des Kurfürstlichen Naturalien-Kabinetts zu Cassel liegen heute im Ottoneum in einem Magazin und sind nicht näher erfasst. Ein großer Teil davon ist im zweiten Weltkrieg zerstört worden. 1822 kam die Sammlung des Oberforstmeisters von Wildungen an das Institut; hierüber existiert eine Liste "Verzeichniß und Schäzung der Naturaliensammlung des seel. Oberforstmeisters von Wildungen". Der "ausgestopfte" Schneehase könnte von hierher stammen. Aus dem Jahr 1866 existiert eine Auflistung von Carl Claus, in der er den Schneehasen als "vorhanden" erwähnt, aber nicht auf die Fellfarbe ("Winterkleid") eingeht. |
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36 Mumienschädel sind nach Verhandlungen im Jahr 1882 an die Uni gekommen, die Verhandlungen führte Dr. Max Schottelius. Die Mumienköpfe stammen aus der Sammlungstätigkeit von Dr. Friedrich Mook, der u.a. mehrere große Reisen nach Afrika durchführte; die Fundortangaben gelten laut Schottelius als "zuverlässig". Drei der im Katalog aufgezählten Köpfe fehlen seit unbekannter Zeit - im Katalog als "Nr. 2 Araberin", "Nr. 6 Zwerg" und "Nr. 8 Neger" bezeichnet. Zwei Arbeiten haben sich mit den Mumienschädeln und -köpfen beschäftigt und verschiedene Fragestellungen mit Hilfe von nicht-invasiven Methoden erforscht: B. Mlodoch (1979) und J. Harbort (2003). Eine dritte Arbeit ist derzeit (2011) im Gange. 2001 wurde im Zuge einer Dachsanierung die "Knochensammlung" in Kisten ausgelagert, und dabei erstmals im Computer tabellarisch erfasst. Bei dieser Auslagerung konnten auch einige seit ca. 1878-82 vertauschte Exponate wieder zusammengefügt werden (z.B. eine laut damaligem Katalog "fehlende" Kalotte wieder eindeutig einem Schädel zugeordnet werden). Eine Besonderheit der Marburger Zoologischen Sammlung ist das Skelett des Indischen Elefantenbullen "Jack", der 1863 mit einem Wanderzirkus in Kirchhain gastierte und dort am 13. Februar wegen "plötzlicher Wildheit" erschossen wurde. Das Anatomische Institut Marburg kaufte den Kadaver, ließ ihn durch den Anatomiediener Nikolaus Heppe entfleischen und das Skelett in jahrelanger Kleinarbeit aufstellen. 1969(?) wurde das Exponat zerlegt und die Knochen verschwanden in einer dunklen Ecke - diese Zwischenlagerung wurde nur unterbrochen durch einen Umzug des Zoologischen Instituts auf die Lahnberge und einen Termin mit der Entfettungsanlage der Anatomie. Die Neuaufstellung des Skeletts in 2002 dauerte - mit einem siebenköpfigen Team - knapp 3 Monate. Zum Katalog der Zoologischen Sammlung geht es
derzeit noch hier, (Umzug in das Senckenberger
Sammlungsdatenbank-System SeSam ist seit Juli 2012 im Gange). (Alle Seiten sind im Aufbau befindlich.) |

