17. Arbeits- und Exkursionstagung der AG Geotopschutz in Thüringen, in NW-Sachsen (29./30.10. 2004)
Standort Hohburger Berge
(Bl. 4542, Thallwitz-Strelln, GSK 1: 25 000)
Die Hohburger Berge stellen deutliche Erhebungen über den pleistozän geprägten Moränenplatten und -hügeln nordöstlich von Wurzen dar. Diese aus pyroxenarmen Quarzporphyr des Unterperms aufgebauten bis zu 240 m hohen Berge durchragten bereits während des Pleistozäns als Nunatakker das skandinavische Inlandeis. Hohburg war und ist das bedeutendste Zentrum des Porphyrabbaus in Deutschland. Viele Steinbrüche oder Steinbruchrestlöcher stellen heute nur noch den Rest ehemaliger Berge dar. Manche Vulkanberge sind nahezu vollständig abgebaut worden; z. B. der Spitzberg bei Lüptitz. Der „Kleine Berg“, südlich von Hohburg, wurde unter Naturschutz (NSG) gestellt, um wenigstens einen der Hohburger Berge vor dem Abbau zu erhalten. Dieser Berg ging auch in die Geschichte der Geowissenschaften, insbesondere in die Geschichte der Erforschung der Inlandvereisung ein. Windschliff- und Gletscherschliffspuren riefen in den 40er Jahren des 19. Jh. einen diesbezüglichen Gelehrtenstreit hervor.
| S1 | Am Spielberg in Böhlitz sind an einem alten Quarzporphyrsteinbruch durch Gletscher glatt geschliffene Flächen und Schrammen zu beobachten. |
| S2 | Südöstlich von Böhlitz, zwischen Großzschepaer Straße und Steinbruch befindet sich das geologische Naturdenkmal „Gletschertal Köppelscher Berg Böhlitz“. Talanlage (wahrscheinlich elsterkaltzeitlich) und NNW-SSE-verlaufende Schrammen im Pyroxenquarzporphyr zeigen die Richtung des Eisvorstoßes an. |
| S3 | Die sog. „Morlot-Schliffe“, südwestlich des Gipfels des Kleinen Berges, stellen Gletscherschrammen im unterrotliegenden Pyroxenquarzporphyr dar, die vermutlich während der Saalekaltzeit angelegt wurden [als wichtiges Geotop erfasst]. Nordöstlich des Gipfels ist eine unter periglaziären Bedingungen vermutlich der Weichselkaltzeit entstandene Blockakkumulation zu beobachten. |
| S4 | Ca. 150 m südöstlich des Gipfels des Kleinen Berges liegt der „Naumann-Heim-Felsen“. An der Felsklippe aus Pyroxenquarzporphyr sind vermutlich während der Weichselkaltzeit angelegte Windschliffe zu beobachten. [Als wichtiges Geotop erfasst]. |
| S5 | Zwischen 1900 und 1965 wurde am Fuße des Kleinen Berges Kaolin abgebaut; ein unter subtropischen Klimabedingungen des Tertiärs entstandenes Verwitterungsprodukt (2-Schicht-Tonmineral) des Quarzporphyrs. Der Kaolinsee dient heute der Naherholung. |
| S6 | Das Museum Steinarbeiterhaus mit Freigelände wurde seit 1980 eingerichtet, um Zeugnisse des Steinbruchbetriebs um Hohburg zu bewahren. |
Literatur:
EISSMANN, L. (1994 & A. MÜLLER): Gedenkexkursion 150 Jahre Inlandeistheorie in Sachsen. Flußterassen, Endmoränen und Gletscherschliffe in Nordwestsachsen. – Altenburger Naturwiss. Forschungen 7: 378-456.
JUNGE, F. W. & R. BAUDENBACHER (2001): Die erdgeschichtliche Entwicklung zwischen Erzgebirge, Saale und Elbe. 14. Kleiner Berg bei Hohburg. In: Exkursionsführer Mitteldeutschland (Das Geographische Seminar, spezial). Braunschweig: 189-209.
SÄCHSISCHES LANDESAMT FÜR UMWELT UND GEOLOGIE, BEREICH BODEN UND GEOLOGIE (Hrsg.) (2001): Übersichtskarte wichtiger Geotope des Freistaates Sachsen. 1: 400 000. Freiberg.
