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Was verbirgt sich hinter dem Begriff "Autismus-Spektrum- Störungen"?

Hinter den Begriffen "autistische Störungen", "autistische Syndrome", "Autismus" und "Autismus- Spektrum" verbergen sich eine Vielzahl an Symptomen, ein weites Spektrum an klinischen Manifestationen und eine große Variationsbreite von Ausprägungsgraden, die eine genaue Diagnostizierung dieser Störungen oft erschweren. Trotz dieser Vielfalt galt der frühkindliche Autismus schon lange als eine der zuverlässigsten Diagnosen innerhalb der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Dieses galt jedoch vor allem für die sehr "klassischen" Fälle, deutlich weniger für Grenzfälle, für Kinder, die zwar autistisch sind, aber dennoch ein gutes Funktionsniveau zeigen und insbesondere für Menschen mit Asperger-Syndrom. Hier kommt es immer wieder zu Fehldiagnosen und damit einhergehend zu Fehlbehandlungen, die für die betroffenen Familien sehr belastend sind.

Mit den Begriffen "autistische Störungen" und "autistische Syndrome" sind alle tiefgreifenden Entwicklungsstörungen, wie sie in den Klassifikationsschema ICD-10 und DSM-IV aufgeführt sind, gemeint. Das "Autismus-Spektrum" (auch "autistisches Kontinuum" genannt) umfasst insbesondere den frühkindlichen Autismus, den atypischen Autismus und das Asperger-Syndrom. Diese Bezeichnung basiert auf der Auffassung, dass die autistischen Störungen sich nicht qualitativ unterscheiden, sondern lediglich quantitativ, d.h. in Bezug auf den Schweregrad der Störung. Damit wird ein dimensionaler Ansatz vertreten, der davon ausgeht, dass sich verschiedene autistische Störungen nicht in klar unterscheidbare Kategorien unterteilen lassen, jedoch eindeutig von anderen Störungen abgrenzen lassen.

Symptomatik der Tiefgreifenden Entwicklungsstörungen

  1. Qualitative Beeinträchtigungen wechselseitiger sozialer Interaktionen
    Z.B. unangemessene Einschätzung sozialer und emotionaler Signale, geringer Gebrauch sozialer Signale.
    Dies bedeutet: Die Kinder kapseln sich von der Umwelt ab. Darin zeigt sich eine extreme Kontaktstörung. Die Beziehungsaufnahme zu Personen, Ereignissen und Dingen ist abnorm. Es fehlen nahezu alle Zeichen der normalen kindlichen Kontaktaufnahme zu den Eltern, insbesondere zur Mutter: kein Antwortlächeln, keine Aufnahme von Blickkontakt, keine Unterscheidung von Eltern und anderen Personen. Wenn die Kinder älter werden, wird ein Fehlen des kooperativen Spielens deutlich und die Unfähigkeit, freundschaftliche Bindungen mit anderen Kindern einzugehen, sowie ein nicht vorhandenes Einfühlungsvermögen in die Gefühle anderer Menschen.
  2. Qualitative Beeinträchtigungen der Kommunikation und Sprache
    Z.B. Fehlen eines sozialen Gebrauchs sprachlicher Fertigkeiten, Mangel an emotionaler Resonanz auf verbale und nonverbale Annäherungen durch andere Menschen, Veränderungen der Sprachmelodie.
    Dies bedeutet: Eine verzögerte Sprachentwicklung sowie eine Neigung zu Wortneubildungen und echoartiges Nachsprechen von Worten oder Lauten. Die Kinder kommen nicht oder sehr verspätet ins Fragealter und stellen dann stereotyp die gleichen Fragen, deren Antwort sie bereits kennen. Sie verwenden die Sprache nicht kommunikativ, sondern in mechanischer Weise.
  3. Eingeschränkte, sich wiederholende und stereotype Verhaltensmuster und Interessen
    Z.B. Starre und Routine hinsichtlich alltäglicher Beschäftigungen, Widerstand gegen Veränderungen.
    Dies bedeutet: Die Kinder können in Angst- und Panikzustände geraten, wenn sich in der unmittelbaren Umgebung etwas ändert (sogenannte Veränderungsangst).
  4. Unspezifische Ängste wie Befürchtungen, Schlaf- und Essstörungen, Wutausbrüche, Aggressionen, Selbstverletzungen.
  5. Beginn der Auffälligkeiten liegt in der frühen Kindheit.

Zuletzt aktualisiert: 11.07.2013 · Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie

 
 
 
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