Liebe Studierende,
als Studiendekan des Fachbereichs Medizin heiße ich Sie in Marburg an
der traditionsreichen Philipps-Universität herzlich willkommen.
Vor Ihnen liegt ein neuer Lebensabschnitt, der Ihnen viel Freiheiten
lässt, aber auch Ihre ganze Kraft und Ihren Einfallsreichtum fordert,
das Erlebnis Universität zu gestalten und schliesslich zu
meistern.
Ich freue mich, dass Sie sich zum Studium der Medizin entschlossen
haben. Die Tätigkeit des Arztes, die traditionell eine hohe Anerkennung
in der Bevölkerung genießt, wird Ihnen im Beruf eine hohe persönliche
Wertschätzung und Akzeptanz bringen. Der Umgang mit kranken Menschen
ist herausfordernd und gehört für mich zu den interessantesten,
facetten- und abwechslungsreichsten Tätigkeiten, die ich mir vorstellen
kann. Ich haben meinen Entschluss, Arzt zu werden, nie bereut.
Sie übernehmen als Arzt, egal an welcher Stelle im Gesundheitswesen Sie
später ihre Qualifikation zum Einsatz bringen, Verantwortung für die
Ihnen anvertrauten Patienten. Dies erfordert ein hohes Maß an
Professionalität, dessen Erwerb, neben dem Erlernen von Wissen und
Fähigkeiten, Sie bereits während Ihres Studium trainieren und einüben
sollen und können, um es zu einem ganz persönlichen
Qualifikationsmerkmal auszubauen. Sie erhalten während Ihres Studiums
Informationen zu individuellen Patienten, die von Ihnen Respekt vor der
Person und Verschwiegenheit verlangen. Dies sollten Sie bei etwaigen
Unzulänglichkeiten, die Sie während des Studiums auf dem Weg in eine
sichere berufliche Zukunft erfahren, nicht vergessen. Es erfordert auch
Ihre ganz persönliche Anstrengung beim Überwinden der Hürden (Testate,
Klausuren, Staatsprüfungen) die vor Ihnen liegen. Sie dienen der
Rückkopplung über Ihren persönlichen Leistungsstand und sollten von
Ihnen nicht als Drangsal angesehen werden. Letztendlich sind sie nach
dem erfolgreichen Abschluss der Schulzeit nur ein, wenn auch wichtiger
Abschnitt im Kontinuum des lebenslangen Lernens, was Ihnen auch nach
Abschluss des Studium immer wieder Bewährungsproben auferlegt.
Die Gesundheitswesen in allen westlich zivilisierten Ländern
unterliegen zurzeit einem enormen Wandel, so auch bei uns in der
Bundesrepublik Deutschland. Die Ursachen hierfür sind vielschichtig und
sollen nicht im Detail betrachtet werden. Faktum ist, dass die
Auswirkungen des Informationszeitalters (PC, Handy, Web 2.0), die Sie
aus Ihrer ganz persönlichen Umgebung kennen und wahrscheinlich schätzen
gelernt haben, auch im Gesundheitswesen zu einer spürbaren Änderung der
Abläufe führen, die Sie nicht fürchten, sondern nutzen sollten. Dies
auch, weil mit der mehr oder weniger freien Verfügbarkeit medizinischen
Wissens im Netz der Anspruch des "Herrschaftswissens des Arztes"
zumindest teilweise verloren gegangen ist. In der Medizin verändert
sich damit eine jahrhundertealte "paternalistische" Tradition und der
Arzt rückt mitunter stärker in die Rolle des Beraters, der das vom
Patienten mitgebrachte Wissen beurteilen muss und sich dabei einer
Überprüfung unterzieht. Durch das ständig wachsende Wissen in der
Medizin hat sich auch die Zusammenarbeit der Ärzte gewandelt. Es gibt
heute nicht mehr den "allwissenden Doktor". Moderne Ärzte benötigen ein
gerütteltes Maß an Kooperations- und Teamfähigkeit, um im Zusammenspiel
vieler Spezialisten die Ihnen zugeteilte Rolle wahrnehmen zu können.
Dabei spielt, wie in einem Orchester, die perfekte Beherrschung des
eigenen Instrumentariums (persönliches Wissen, Fähig- und Fertigkeiten
sowie Erfahrung) eine große Rolle, damit die Qualität der Empfehlungen
für den individuellen Patienten stimmt. Dessen Anspruch wird getragen
von dem zunehmenden Bedürfnis nach individueller bio-psycho-sozialer
Gesundheit, die als nächster Motor der gesellschaftlichen Entwicklung
angesehen werden kann und damit dem Arzt auch in der Zukunft eine
herausragende Rolle in der Gesellschaft verspricht.
Diese kurzen Ausführungen sollen Ihnen zeigen, dass das Nebeneinander
von Tradition und Innovation für das vor Ihnen liegende Studium Ihre
ganz persönliche Motivation fordert, aus den Angeboten das Beste für
sich und Ihre Zukunft zu machen. Dabei werden Sie unmittelbar Zeuge des
steten Wandels werden, da die Philipps-Universität in Ihrer 480 Jahre
währenden Tradition im Wintersemester 2007 erstmals auf die Herausgabe
eines gedruckten Vorlesungsverzeichnisses verzichtet. Ihnen werden alle
relevanten Informationen, die Sie für die Organisation Ihres Studiums
benötigen, auf elektronische Weise im Netz angeboten. Dabei wird
sicherlich nicht alles sofort ganz rund laufen, aber der Fachbereich
Medizin hat in den letzten Jahren grosse Anstrengungen unternommen,
sich auf die elektronische Organistion Ihres Studiums vorzubereiten.
Ihnen steht dabei u.a. eine elektronische Lernplattform zur Verfügung,
die zur Zeit noch nicht alles, was in Zukunft benötigt wird anbietet,
aber alle notwendigen Anlagen und Fähigkeiten besitzt, für Sie ein
steter Wegbereiter zu werden.
Ich habe den nachhaltigen Ausbau dieser elektronischen Lernumgebung zu
meinem herausragenden Amtsziel für die nächsten 3 Jahre gemacht und bin
sicher, das dies mit Ihrer Unterstützung auch erreicht werden
kann.
Daneben hat der Fachbereich Medizin im letzten Jahr, begleitet durch
die in der Bundesrepublik bisher einmalige Privatisierung eines
Universitätsklinikums, gute Fortschritte auf dem Weg gemacht, die
bisher über die Stadt Marburg verstreuten Institute und Kliniken auf
den Lahnbergen zu konzentrieren. Dieser Prozess wird 2010 mit der
Fertigstellung des 3. Bauabschnitts des Klinikums einen vorläufigen
Abschluss finden, ehe in den darauffolgenden Jahren auch die
vorklinischen Institute im Rahmen des "HEUREKA-Projektes" der
Landesregierung ebenfalls auf die Lahnberge ziehen. Mit dem 3.
Bauabschnitt ist auch die Inbetriebnahme eines neuen Lehr- und
Lernzentrums geplant, in dem wir, Ihre Professoren und Dozenten des
Fachbereichs Medizin, unterstützt durch großzügige Spenden der lokalen
Wirtschaft, die Einrichtung modernster Techniken zur Einübung
spezifischer Fähigkeiten vorhalten werden, die es uns erlauben, Ihnen
ein Studium anzubieten, was allen modernen Anforderungen gerecht wird.
Ein Teil von Ihnen wird damit ganz persönlich in den Genuss dieser
neuen Strukturen kommen.
Abschließend freue ich mich, Sie vorerst in die beratenden Hände einer
bewährten Einrichtung, der Orientierungseinheit (OE) zu übergeben, wo
Sie Tipps und Tricks zum Überleben ebenso wie zur Bewältigung der vor
Ihnen liegenden Aufgabe, sich in Ihrer neuen Umgebung mit den neuen
Herausforderungen der Selbstorganisation und des Selbststudium bekommen
werden und wichtige Navigationshilfen erhalten, um im für Sie noch
unbekannten Terrain sicher alle potentiellen Klippen umschiffen zu
können.
Sollten Sie fernab dieser "Beratung auf Augenhöhe" Rat suchen, so darf
ich Sie ermuntern, Ihre Professoren und Dozenten oder auch mich
persönlich (studdek@med.uni-marburg.de)
bzw. die MitarbeiterInnen im Studiendekanat anzusprechen. Trauen Sie
sich, damit Sie aus dem vor Ihnen liegenden Weg ein Erlebnis machen,
dass Sie stets in guter Erinnerung haben sollen.
Wir unsererseits vertrauen darauf, dass Sie Ihre selbst gewählte
Herausforderung positiv annehmen und meistern werden und wünschen Ihnen
viel Erfolg.
Ihr
Prof. Dr. Klaus J. Klose


