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AG Degenerative Erkrankungen

Altersbedingte Sehnenerkrankungen

In der Sehne kann es wie auch in anderem Gewebe altersbedingt zu Funktionseinbußen kommen. Es gibt verschiedene Ansätze, den Um- und Abbau von funktionellem Gewebe zu erklären. Dies kann unter anderem durch Schädigung, geringere Beanspruchung oder altersbedingt erklärt werden.

Zeichen dieser Veränderung in der Sehne kann die Atrophie, also eine Verringerung des Sehnengewebes, eine Kalkeinlagerung, eine Verknöcherung der Sehnenansätze oder auch die Neoangiogenese sein.

Gefäße MGT
Masson-Goldner-Färbung: Blutgefäße mit Erythrozyten (rot) , Tunica intima (Endothelzellen) , dicker (r.) und dünner (l.) Tunica media und Tunica externa, eingebettet in Sehnengewebe

Unter Neoangiogenese versteht man die Einsprossung von Kapillaren bzw. Gefäßen in Gewebe. Abzugrenzen ist diese dabei von der Vaskulogenese, die während der Entwicklung eines Embryos, der Embryogenese, eine wichtige Rolle spielt. Die Neoangiogenese bei Erwachsenen kann verschiedene Ursachen haben.

So können neue Kapillare

  • bei der Wundheilung,
  • der Tumorentstehung
  • und auch bei degenerativen Prozessen, wie z.B. in Sehnen,

entstehen.

Als auslösender Faktor wird vor allem die Hypoxie, der Sauerstoffmangel, diskutiert. In diesem Zustand setzen Zellen Botenstoffe wie z.B. VEGF (vascular endothelial growth factor) frei. So kommt es zur Induktion des Gefäßwachstums und damit zu einer besseren Nähr- und Sauerstoffversorgung des Gewebes. Hierdurch werden die Mangelversorgung und eine folgende Nekrose vermieden.

Im Rahmen dieser Gefäßneubildung vermutet man auch das Einwachsen von Nerven, die die Gefäße begleiten.  Dies könnte eine Erklärung für die von Patienten mit Sehnendegeneration beklagten Schmerzen sein.

Therapie

Bei Patienten mit Rotatorenmanschettenruptur wird oft die klinische Indikation zur Tenotomie (chirurgische Durchtrennung) der langen Bizepssehne gestellt. Diese erfolgt arthroskopisch mit Hilfe eines speziellen Schneidewerkzeug, dem "Punch". Dabei wird ein kleiner Teil der Sehne schonend entnommen. Das resezierte Sehnengewebe wird nach der Operation normalerweise verworfen.

Bei der arthroskopischen Tenotomie handelt es sich um ein etabliertes Verfahren, das zu einer signifikanten Schmerzreduktion und Funktionsverbesserung der Schulter führt.

Forschung in Marburg

Zellen VEGF
VEGF-Nachweis: In der immunhistochemischen Färbung zeigt sich eine deutliche positive Färbung (braun) des Zellplasmas. Diese Färbung ist besonders deutlich in unmittelbarer Nähe zu den Gefäßen. Zellkerne werden blau dargestellt.

In Marburg werden pro Jahr ca. 200 Schulter-Athroskopien bei Rotatorenmanschettenrupturen durchgeführt. In ca. 90 Fällen erfolgt dabei auch die Tenotomie der langen Bizepssehne. Die hierbei anfallenden Sehnenanteile werden nach ausdrücklicher vorheriger Zustimmung des Patienten in unserer Klinik nicht verworfen, sondern für die Forschung asserviert.
Aus diesen Sehnen werden Präparate erstellt und durch verschiedene Verfahren gefärbt. Zu diesen Verfahren zählt eine Übersichtsfärbung nach Masson-Goldner und verschiedene immunhistochemische Färbungen, um z.B. VEGF als Indikator für Neoangiogenese oder KI-67 als Proliferationsmarker in den Sehnen nachzuweisen.

Bei degenerativen Veränderung im Bereich der Schulter ist die Bedeutung der langen Bizepssehne in vielen Teilen ungeklärt. Für die Zukunft erhoffen wir uns den Nachweis eines Zusammenhanges zwischen dem Degenerationsgrad der langen Bizepssehnen und der Expression von VEGF (vascular endothelial growth factor) in der langen Bizepssehne bzw dem Grad der Neovaskularisation.

Wenn möglich, soll auch ein Zusammenhang zwischen der Rotatorenmanschettenrupturgröße, klinischen Parametern und der Patientenlebensqualität und dem Ausmaß der Bizepssehnendegeneration aufgezeigt werden.

Das Team

Wissenschaftliche Mitarbeiter

Dr. Jürgen Paletta

Doktoranden

Sören Schwuchow

Ehemalige Mitarbeiter

Prof. Dr. Markus Schofer
Dr. Stefan Lakemeier

Zuletzt aktualisiert: 19.01.2012 · Klinik für Orthopädie und Rheumatologie

 
 
 
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