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Projekte

Wer anderen anders erscheint, muss deshalb nicht anders sein. Mythen und Realitäten des Anders-Seins"

In einem historischen Rückblick, der bis in die frühe Neuzeit zurückgeht, soll gezeigt werden, dass Menschen, die ihren Zeitgenossen anders erscheinen, deshalb nicht tatsächlich auch anders sind. Ebenso wenig oder genau in dem Sinne , wie Menschen, die in einem bestimmten kulturhistorischen Kontext für besessen, Hexen, Narren oder Wechselbälger gehalten wurden und werden, dies tatsächlich waren bzw. sind, kann unhinterfragt davon ausgegangen werden, dass Menschen, die uns heute z. B. als Behinderte erscheinen, dies in einem ontologischen Sinne wirklich sind. Der Hexenmythos ist weitgehend entzaubert, die vor allem thomistisch geprägte Dämonologie als Leitparadigma im Sinne von Kuhn durch den kartesianischen Mechanismus abgelöst worden. Der Dämonologisierung des vermeintlichen Anders-Seins folgte dessen Pathologisierung. Damit ist allerdings keineswegs, wie oft behauptet, ein unwissenschaftlicher irrationaler Wahn durch aufgeklärte rationale Wissenschaftlichkeit abgelöst, sondern lediglich die bisherige dämonologische durch die biologische Prämisse ersetzt worden, die in vielleicht 200 Jahren den dann lebenden Zeitgenossen ebenso unverständlich vorkommt, wie uns heute das bis vor ca. 250 Jahren vorherrschende dämonologische Verständnis des Anders-Seins.

Ziel des Vorhabens ist es, zu untersuchen, wie in unterschiedlichen Kontexten der common sense auch und gerade der science community , die Attribute dessen, was jeweils für Anders-Sein gehalten wird, kognitiv hervorbringt und wie dieses Verständnis die gesellschaftliche Praxis im Umgang mit den betroffenen Menschen prägt. Dabei wird zu zeigen sein, dass zentrale Grundtypen in gesellschaftlichen Umgang mit dem Anders-Sein Ontologisierung, Kriminalisierung, Marginalisierung (gesellschaftlicher Ausschluss), Internierung (institutioneller Einschluss) bis hin zur Liquidierung den Paradigmenwechsel relativ unbeschadet überstanden haben. Schließlich sollen Perspektiven für einen neuerlichen Paradigmenwechsel entwickelt werden, der an neuere Entwicklungen vor allem in den Naturwissenschaften (u. a. Capra, F.; Maturana, H. & Varela, F.; Prigogine, I. & Stengers) anknüpft.

Es handelt sich um ein Eigenprojekt ohne Drittmittelförderung, das am 01. 04. 2002 begonnen wurde und im März 2007 vorläufig mit einer Buchpublikation abgeschlossen wurde, die in einer überarbeiteten und erweiterten zweiten Auflage im Juni 2011 erschienen ist.

 


Statistische Erhebung zu Fehlplatzierungen Behinderter in der stationären Altenhilfe in Hessen

wiss. Mitarbeiter: Dipl.-Soz. Dipl.-Päd. Norbert Brings

Schon in ihrem zweiten Bericht über die Lage der Behinderten und die Entwicklung der Rehabilitation von 1989 stellt die Bundesregierung heraus: Das Problem der Fehlplatzierung mit seinen negativen Folgen für die psycho-soziale Situation der Betroffenen und ihre Rehabilitationschancen bedarf dringend der Lösung, zumal sich die Lage in den kommenden Jahren noch verschärfen wird, wenn die Nachfrage nach Wohnmöglichkeiten für behinderte Menschen, auch mit schweren und schwersten Behinderungen deutlich steigen wird, weil die Betreuung in der Familie aus Altersgründen nicht mehr geleistet werden kann (S. 85). Bundesweite Forschungen scheiterten jedoch bislang am Widerstand der Einrichtungsträger. Auch das hessische Sozialministerium war nur bereit, das Projekt ideell zu unterstützen. Im Rahmen einer Schwerbehinderten-ABM konnte das Projekt für zunächst ein Jahr gefördert werden.

gefördert durch die Zentralstelle zur Vermittlung schwerbehinderter Akademiker, Fördersumme: 42.500 DM, Laufzeit: 01. 07. 2000 31. 08. 2001

Fehlplatzierungen Behinderter in der stationären Altenhilfe

Betroffenenbefragungen zu Fehlplatzierungen Behinderter in Altenheimen

wiss. Mitarbeiter: Markus Drolshagen, M. A., wiss. HK: Dorothee Neumann, M. A. (01.11.2001 - 30.10.2002), stud. HK: Julia Huck, Lothar Eberhard (01.11.2002 - 30.10.2003)

Anknüpfend an die quantitative Erhebung über Fehlplatzierungen jüngerer Behinderter in der stationären Altenhilfe, die zu dem Ergebnis gelangte, dass allein in Hessen Ende 2000 insgesamt 1427 Menschen unter 60 Jahren untergebracht waren, hat sich diese Studie nun der qualitativen Dimension des Problems der Fehlplatzierungen zugewandt. Anhand von 36 Betroffeneninterviews sind die Autoren u. a. den Fragen nachgegangen, wie die Betroffenen aus ihrer Sicht in die Einrichtungen gelangt sind, wie sie dort leben, wie sie ihren Alltag subjektiv deuten und bewältigen und welche Lebens- und Zukunftsperspektiven sie haben und verfolgen.

gefördert durch die Zentralstelle zur Vermittlung schwerbehinderter Akademiker, Fördersumme: 43.830,-, Laufzeit: 01. 11. 2001 31. 10. 2003


Ergänzende Befragungen Professioneller zu Fehlplatzierungen Behinderter in Altenheimen

wiss. Mitarbeiter: Markus Drolshagen, M. A., stud. HK: Julia Huck, Lothar Eberhard

Ein wichtiges Ergebnis der Betroffenenbefragung war, dass viele der Betroffenen nicht wussten, wie, warum und auf wessen Veranlassung sie in ein Altersheim geraten sind. So bedeutsam dieses Ergebnis auch ist, es zeigt die Grenzen von Betroffenenbefragungen bei der Rekonstruktion von Biografien, die zu derartigen Fehlplatzierungen führen. Vor diesem Hintergrund erschien es angeraten, die Betroffenenbefragungen durch Befragungen weiterer Personen zu ergänzen, die als Einrichtungsmitarbeiter, als Betreuer oder in anderer Funktion an den Fehlplatzierungen beteiligt waren und sind. Zwischenzeitlich hat auch das Hessische Sozialministerium Interesse an den Projekt bekundet und mit Erlass vom 11. 08. 2003 eine Unterstützung in Höhe von 15.000 Euro in Aussicht gestellt und die unverbindliche Bereitschaft signalisiert, das Projekt auch im Folgejahr weiter zu unterstützen. Dazu kam es allerdings nicht, nachdem die hessische Landesregierung beschlossen hatte, den Sozialetat 2004 gegenüber dem Vorjahr um fast 50% zu kürzen und u. a. die Landesmittel für Eingliederungshilfe für Behinderte völlig zu streichen. Das Projekt konnte dennoch als Qualifizierungsmaßnahme aus Mitteln der Zentralstelle zur Vermittlung schwerbehinderter Akademiker sowie des Schwerbehinderten des Landes Hessen fortgeführt werden.

gefördert als Qualifizierungsmaßnahme durch die Zentralstelle zur Vermittlung schwerbehinderter Akademiker und den Schwerbehindertenbeauftragten des Landes Hessen, Fördersumme: 34.830,-, Laufzeit: 01. 11. 2002 31. 10. 2005


Graduiertenkolleg: Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit: Ursachen, Phänomenologie und Konsequenzen

Das Graduiertenkolleg untersucht Ausmaße, Erscheinungsformen, Ursachen und Konsequenzen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit richtet sich gegen fremde Gruppen, wie z.B. Zugewanderte oder Menschen anderen Glaubens, und gegen marginalisierte Gruppen wie Homosexuelle, Behinderte, Obdachlose oder auch Frauen. Sie kommt zum Ausdruck in Abwertung, Ausgrenzung bis hin zu gewalttätigem Verhalten gegenüber diesen Gruppen. An dem Kolleg sind insgesamt zehn Fachvertreter aus den Bereichen Kriminologie, Psychologie, Politologie, Soziologie und Pädagogik der Universitäten Marburg, Gießen und Bielefeld beteiligt.
Das Kolleg ist eng verbunden mit dem gleichnamigen Forschungsprojekt unter Federführung des Bielefelder Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung. Die Arbeiten im Kolleg sollten die Datengrundlage des Forschungsprojekts aufgreifen und durch eigene empirische Fragestellungen methodisch und inhaltlich erweitern. Eine ausführliche Beschreibung des Kollegs und mögliche Projektskizzen finden sich hier.

Meine Schwerpunkte im Rahmen des Kollegs sind:

  • Ursachen und Erscheinungsformen von Behindertenfeindlichkeit
  • Gesellschaftliche Konstruktion von Anders-Sein in unterschiedlichen kulturhistorischen Kontexten,
  • Zur Institutionalisierung und wissenschaftlichen Legitimation von Menschenfeindlichkeit und ihrem Verhältnis zu menschenfeindlichen Einstellungsmustern,

Für insgesamt 16 Promovendinnen und Promovenden stehen zwölf Promotionsstipendien zur Verfügung, außerdem ein Postdoktorandenstipendium für promovierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

gefördert durch die DFG (GRK 884/1-04), Fördersumme insgesamt: 1.125.777,- Euro, Laufzeit: 01. 01. 2004 31. 12. 2006.

 

De-Institutionalisierung behinderter Menschen in Deutschland 

wiss. Mitarbeiterin: Dr. Gisela Hermes

Obwohl der Vorrang ambulanter vor stationären Hilfen seit zwanzig Jahren als explizite Rechtsnorm in Bundessozialhilfegesetz verankert ist, reagiert das Sozialwesen in Deutschland bis heute auf das Risiko gesellschaftlichen Ausschlusses durch soziale Probleme, wie Behinderung, Alter, Pflegebedürftigkeit etc., in der Regel nicht durch Hilfen, die geeignet sind, Ausgrenzungen zu vermeiden oder zu überwinden, sondern durch institutionellen Einschluss in stationären Einrichtungen mit der Konsequenz der institutionellen Verfestigung und Verstetigung des Ausschlusses. 93% der 2002 für Eingliederungshilfe für Behinderte verausgabten ca. 10. Mrd. Euro flossen in den muralen Bereich, bei der Hilfe zur Pflege waren es 86%. Das Projekt soll zum einen den Ursachen und Hintergründen der Beharrlichkeit der muralen Dominanz in Deutschland nachgehen und schließlich auf nationaler und internationaler Ebene Beispiele gelungener De-Institutionalisierung analysieren. Dabei wird ein besonderer Fokus auf das Land Schweden zu richten sein. Dort ist die stationäre Unterbringung Behinderter seit Ende 2000 gesetzlich verboten.

gefördert als Qualifizierungsmaßnahme durch die Zentralstelle zur Vermittlung schwerbehinderter Akademiker und den Schwerbehinderten des Landes Hessen, Fördersumme:47.500,- €, Laufzeit: 01. 04. 2004 – 31. 03. 2006.

 


Zuletzt aktualisiert: 20.09.2011 · Eckhard Rohrmann

 
 
 
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