Bewegung, Spiel und Sport in der Ganztagsschule - Informationen zur Tagung
Eine Übersicht finden Sie auf unserem Tagungsflyer!1 Thematische Einführung
Ganztagsschulen werden wichtiger – so ist es in bildungspolitischen Verlautbarungen nachzulesen. Mittlerweile sind durch das „Investitionsprogramm Zukunft Bildung und Betreuung“ (IZBB) etwa 7000 Schulen in ihrem Ausbau zur Ganztagsschule unterstützt worden. Mit der Verlängerung des Schultages stellen sich vor allem schulkonzeptionelle Fragen, wie zur Betreuung, formellen und informellen Bildung, Rhythmisierung, Verzahnung von Vor- und Nachmittag und zur Kooperation mit außerschulischen Partnern. In der Praxis haben sich unterschiedliche Modelle von Ganztagsschule herauskristallisiert, die sich auf einem Kontinuum zwischen „offen“ und „geschlossenen“ verorten lassen. Zugleich drängen sich zur Praxis und Weiterentwicklung von Ganztagsschulen zahlreiche Forschungsfragen auf, bei denen es um die Gestaltung unterrichtlicher, außerunterrichtlicher und kooperativer Bildungsprozesse im gesamten Schulalltag geht.
Bewegung, Spiel und Sport sind in diese konzeptionelle Entwicklung zur Gestaltung von Ganztagsschule eingebunden und weisen insbesondere durch folgende zentrale Fragestellungen Schulentwicklungsperspektiven auf.
- Wie gelingt es einer Schule, einen rhythmisierten Tagesablauf zu entwickeln, der Zeit und Raum für Sport- und Bewegungsaktivitäten ermöglicht?
- Wie lassen sich Bildungsprozesse in allen Fächern unter Einbeziehung von Bewegung und Körperlichkeit gestalten?
- Wie können Unterricht und schulsportliche Bewegungsangebote sowie Vor- und Nachmittag miteinander verzahnt werden?
- Wie können außerunterrichtliche Bewegungs- und Sportbereiche im Schulleben Chancen für nicht-formelle Bildungsmöglichkeiten eröffnen?
- Wie können die außerschulischen Partner mit Sport- und Bewegungsangeboten in die Gestaltung von ganztägig arbeitenden Schulen eingebunden werden?
Im Fokus einer bewegungs- und sportorientierten Ganztagsschulentwicklung geht es aus einer bildungstheoretischen Perspektive einerseits um die Förderung der leiblich-sinnlichen Weltverständigung in bewegungs- und sportbezogenen Handlungsbereichen und andererseits zugleich um Erfahrungen zur Entwicklung eines Bewegungskönnens, das Zugänge zu vielfältigen körperbezogenen Aktivitäten in der Bewegungs- und Sportkultur ermöglicht. Die Forschungsaktivitäten und praxisorientierten Konzeptentwicklungen an Ganztagsschulen drängen sich vor allem deswegen auf, weil sich im Gegensatz zur Halbtagsschule Kinder und Jugendliche länger in der Schule aufhalten. Dies hat weitreichende Folgen für ihren Lebensalltag: Hausaufgaben, Freizeitaktivitäten und Angebote der Jugendbildung, (Sport)Vereinsangebote, gemeinsame Zeit mit Eltern und Geschwistern sowie selbstaktive Nachmittagsgestaltung fallen mehr denn je in die Zuständigkeit der Schule: Zu fragen ist daher, wie die ganztägig arbeitende Schule die für die Entwicklung bedeutsame Dimension des Körpererlebens in Bewegungs-, Spiel- und Sportaktivitäten verantwortlich von der Schule und in Kooperation mit außerschulischen Einrichtungen wahrnimmt – und welche Veränderungen für das Elternhaus, die außerschulischen Bildungs- und Vereinseinrichtungen sowie für die nachschulischen Freizeiteinrichtungen entstehen.
2 Tagungskonzept
Die Tagung möchte zu einigen der genannten Themen und Fragen Ergebnisse aus Forschungsaktivitäten und Konzepten praxisorientierter Schulentwicklung vorstellen. Die aus dem vom BMBF geförderten Projekt zur bewegungs- und sportorientierten Ganztagsschulentwicklung (StuBSS) hervorgegangen Ergebnisse bilden den orientierenden Diskussionsrahmen dieser Tagung. Sie sollen durch andere Forschungsergebnisse zum „Sport in der Ganztagschule“ erweitert, differenziert, ergänzt oder kontrastiert werden. Aber nicht nur Forschungsergebnisse sollen präsentiert werden, sondern auch die in und für die Praxis entstandenen Konzepte und praktischen Erfahrungen, vor allem solche, die in enger Verbindung mit den Jugendorganisationen bzw. den Landes- und Fachverbänden des Sports entstandenen sind.
Die Tagung gliedert sich daher in vier thematische Blöcke, in denen die oben genannten Perspektiven von Bewegung, Spiel und Sport in der Ganztagsschule aufgenommen und vertieft werden.
Im ersten thematischen Block werden Konzepte bewegungs- und sportorientierter Ganztagsschulentwicklung aufgezeigt. Dabei kristallisieren sich unterschiedliche konzeptionelle Schwerpunkte hinsichtlich der Verortung von Bewegung, Spiel und Sport in der Ganztagsschule heraus: Was bedeuten eher integrative gegenüber additiven Konzepten für den Schulalltag? In welcher Form sind Bewegung, Spiel und Sport in den Schulalltag eingebunden? Welche Rolle wird dem Sport als Gestaltungsinstrument der Ganztagsschule beigemessen? Oder: Wie kann Bewegung eine inklusive Schulentwicklung gestalten?
Im zweiten thematischen Block liegt die Perspektive auf einer Schule als Bewegungsraum. Dabei werden sowohl unterrichtliche als auch außerunterrichtliche Bewegungs- und Sporträume betrachtet: Der Schulhof als sozialräumliche Bildungsgelegenheit gelangt auf diese Weise ebenso in den Fokus von Forschung und Praxis wie bewegte Lernarrangements im Unterricht.
Im dritten Block rückt ein zentraler Aspekt der aktuellen Debatte zur Ganztagsbildung ins Zentrum; es geht um die bewegungs- und sportorientierte Jugendsozialarbeit. Welche Potenziale eröffnen sich durch die neue institutionalisierte Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe? Wie können sich außerschulische Einrichtungen der Jugendhilfe unter der Perspektive der Bewegungs- und Sportorientierung in die Ganztagsschule einbringen? Hier hat sich mittlerweile die Konzeption der „Lokalen Bildungslandschaften“ entwickelt und in der Ganztagsschulforschung wie auch in der Praxis etabliert.
Im vierten Block richtet sich der Forschungs- und Praxisblick auf Kooperationsbeziehungen von Ganztagsschulen mit außerschulischen Partnern wie der Sportjugend und den Sportvereinen. Welche Modelle der Zusammenarbeit gibt es und wie sind die Kooperationen in den ganztägigen Schultag eingebunden?
Jeder Block wird durch einen Hauptvortrag eingeleitet, der einschlägig in die Thematik einführt. Hierzu sollen Referentinnen und Referenten aus der Ganztagsschulforschung (z.B. aus dem Projekt Steg) gewonnen werden. Durch die vertiefenden Kurzvorträge mit ausreichender Diskussionszeit sollen Einzelfragen, Konzepte und praktische Erfahrungen aus der sport- und bewegungsorientierten Ganztagsschulforschung und -praxis vorgestellt werden. Hier sollen ausgewählte Arbeiten und Ansätze aus der Bewegungs- und Sportpädagogik sowie aus den außerschulischen Einrichtungen der kooperierenden Partner zu Wort kommen.

