09.04.2010
Dr. des. Susanne Gerner: Migration, Geschlecht und familiärer Wandel: Adoleszente Transformation und Neubildung in zwei Generationen
Im Rahmen der Ringvorlesung Gender Studies und feministische Wissenschaft 2010
Zeit:
17.06.2010
18:00 h
Ort:
Hörsaalgebäude, Biegenstr.14, Raum HG 207
Referent/Beteiligte:
Dr.des. Susanne Gerner - Erziehungswissenschaft
Weitere Informationen:
Familien in der Migration erfahren weitreichende Wandlungsprozesse, die sich über mehrere Generationen und das gesamte familiäre Beziehungsgefüge erstrecken. Migration kann vor diesem Hintergrund als ein Katalysator für kulturelle Grenzüberschreitungen, transgenerative Neubildungsprozesse sowie die Pluralisierung individueller und familiärer Lebensformen begriffen werden. Nicht zuletzt an das Geschlecht gebundene, familiär und kulturell tradierte Lebensentwürfe, Zuschreibungen und Handlungsspielräume stehen hier auf dem Prüfstand. In meiner Dissertation habe ich biografische Bildungs- und familiäre Wandlungsprozesse in türkeistämmigen Einwandererfamilien untersucht. Im Zentrum der Studie stehen die sich im Zuge des Einwanderungsprozesses im Binnenraum der familiären Generationenbeziehungen vollziehenden Bewältigungs- und Umbildungsprozesse unter den strukturellen und psychosozialen Bedingungen von Migration und Scheidung. Daran anknüpfend gehe ich in meinem Vortrag der Frage nach, wie im Zuge der Migration per Geschlecht zugewiesene Lebensentwürfe innerfamiliär verhandelt und die biografischen Handlungsspielräume von Frauen neu ausgelotet werden. Der adoleszenztheoretische Ansatz bietet dazu eine integrierende Sichtweise. Im Zuge der Adoleszenz vollzieht sich ein familiärer Ablösungs- und Neubildungsprozess. In diesem familiendynamischen Übergang werden die familiär tradierten Ressourcen und Handlungsstrategien von der heranwachsenden Generation neu angeeignet und überformt; zugleich werden aber auch ungelöste Beziehungs- und Generationenkonflikte re-inszeniert und bearbeitet. Biografische Bildungs- und familiendynamische Aushandlungsprozesse in Bezug auf das Geschlecht werden dadurch nicht nur in ihrer Referenz auf kulturelle Differenzsetzungen oder sozialstrukturelle Ungleichheitslagen, sondern auch der individuellen Subjekt- und Familiengeschichte sichtbar. Die Migrationserfahrung kann auf diese Weise als soziales Erbe der Familie begriffen und hinsichtlich ihrer Bedeutung für die biografischen und familiären Neubildungsprozesse in der Gegenwart befragt werden. Mit den adoleszenten Ablösungs- und Aushandlungsprozessen gelangt darüber hinaus die Familie als Ort der Tradierung, Bearbeitung und Transformation von Geschlechterverhältnissen in den Blick. Mit diesem Ansatz soll ein tiefergehender Beitrag zum Verständnis gesellschaftlicher und kultureller Transformation im Kontext von Migration, Geschlecht und familialem Wandel geleistet werden.
Die Ringvorlesung "Gender Studies und feministische Wissenschaft" ist interdisziplinär und wird von Lehrenden verschiedener Fachbereich der Philipps-Universität Marburg sowie von Gastdozentinnen und -dozenten anderer Universitäten gestaltet. Die ReferentInnen und die Themen der weiteren Vorträge im Rahmen der Ringvorlesung finden Sie hier. Die Veranstaltung findet jeweils Donnerstag von 18:00 bis 20:00 Uhr im Hörsaalgebäude, Biegenstr. 14, Raum HG 207 statt.
Einen Flyer mit den Terminen der Ringvorlesung sowie weiteren Informationen zum Studienprogramm "Gender Studies und feministische Wissenschaft" finden Sie hier als Download.
Veranstalter:
Zentrum für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung
Kontakt:
Dr. Anja Lieb, Therese Gerstenlauer
Tel.: 06421-2824823 06421-2824901
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