Literaturhinweise aus aktuellem Anlaß: Marburger Japan-ReiheNr. 6) Matthias Koch: Geschichte der japanischen Kernenergiepolitik. Marburg 1992, 157 S., ISBN 3-927607-05-3, € 16,50Nr. 30) Keiko Nagase-Reimer: Forschungen zur Nutzung der Kernenergie in Japan, 1938-1945. Marburg 2002, 115 S., ISBN 3-927607-53-3, € 39,- Bei Interesse bitte Mail an: pauer@mailer.uni-marburg.de |
Blüten der sog. "Thunberg-Kamelie" im Park von Schloß Pillnitz bei Dresden
Die Geschichte der Pillnitzer Kamelie
Der Legende nach brachte der schwedische Botaniker und Schüler von Linné, Karl Peter Thunberg (1743-1828) vier Kamelienpflanzen (Camellia japonica) von seiner Japanreise (1775-1776) in die Königlichen Botanischen Gärten Kew bei London. Ein Exemplar verblieb in Kew, die anderen drei Pflanzen sollen in die Gärten Herrenhausen bei Hannover, Schönbrunn bei Wien und Pillnitz bei Dresden weitergegeben worden sein. Wenn dies zuträfe, wäre die Pillnitzer Pflanze das einzige überlebende Exemplar der von Thunberg aus Japan mitgebrachten Kamelien. Thunberg, der insgesamt ein Jahr und fünf Monate als Arzt an der holländischen Faktorei auf der Insel Dejima in Nagasaki tätig war, besuchte England 1779 auf seiner Rückreise nach Schweden. Ausgehend von dieser Tatsache und den Erkenntnissen über die Verbreitung der Kamelie vor 1800 kann angenommen werden, dass die Pillnitzer Kamelie zwischen 1780 und 1790 an den Dresdner Hof gelangte.
Mittlerweile hat die über 250 Jahre alte Kamelie eine Höhe von 8,90 m, einen Durchmesser von 11 m und einen Umfang von über 33 m erreicht. Die Blütezeit fällt in die Monate Februar bis April. Das Kamelienhaus hat dann von 10:00 bis 17:00 Uhr geöffnet. Die zehntausenden Blüten sind ungefüllt, karminrot und duften nicht.
© Schlösserland Sachsen
Carl Peter Thunberg (1743-1828)
Quelle: TRAUTZ, F.M. (1936): Schiller – Thunberg – Siebold, Sonder-Abdruck aus dem Goethejahrbuch 1936 der Goethe-Gesellschaft in Japan, Kyoto: Deutsches Forschungsinstitut; Buchdeckel.
Carl Peter Thunberg wurde am 11. November 1743 in Yönköping (Schweden) geboren. Nachdem er ein Studium der Medizin und Botanik an der Universität Uppsala absolviert hatte, trat er als 29-jähriger (1772) in die Dienste der Holländisch-Ostindischen Kompagnie und bereiste in deren Auftrag als Arzt und Naturforscher zunächst Südafrika. Im Frühjahr 1775 wurde seine Bewerbung auf eine Chirurgenstelle in der VOC-Niederlassung in Japan angenommen. So gelangte er im August desselben Jahres schließlich nach Nagasaki, den einzigen japanischen Hafen, der zur Zeit der Landesabschließung durch das Tokugawa-Shogunat für ausländische Händler (Holländer und Chinesen) offen stand und verbrachte ein Jahr auf der Insel Dejima. Diese speziell für die ausländischen Handelspartner angelegte Insel zu verlassen war den Angestellten der Handelskompagnie nur schwerlich möglich. Das Interesse einiger japanischer Dolmetscher an den westlichen Naturwissenschaften, vornehmlich der Medizin und Botanik, verschaffte Thunberg jedoch das Privileg, sich innerhalb von Nagasaki bewegen zu können, indem er die westliche Medizin, Botanik, Zoologie und auch Astronomie lehrte. Eine weitere Gelegenheit, Land und Leute kennenzulernen sowie seine Pflanzensammlung zu erweitern, bot sich ihm auf der obligatorischen Hofreise nach Edo (das heutige Tokyo) im Frühjahr 1776. Während seines einjährigen Japanaufenthalts konnte Thunberg mehr als 800 Pflanzenexemplare zusammentragen, unter denen sich auch die berühmte Pillnitzer Kamelie (jap. tsubaki) befand.
Im März 1779 kehrte er auf Umwegen über Java und London nach Schweden zurück und veröffentlichte bald die Flora Japonica (1784) sowie andere botanische Werke. Seine Beobachtungen und Erfahrungen hielt er sachlich einwandfrei in einem Reisebericht fest, den er ebenfalls für die Allgemeinheit zugänglich machte.
Seit 1771 dozierte Thunberg an der Universität Uppsala, wurde 1781 Direktor des Botanischen Gartens und erhielt 1784 den dortigen Lehrstuhl für Botanik und Anatomie. Im selben Jahr wurde er mit dem königlichen Professorentitel ausgezeichnet und zum Präsidenten und Rektor der Akademie der Wissenschaften zu Stockholm gewählt. Carl Peter Thunberg starb im Alter von 84 Jahren auf seiner Besitzung Thunaberg bei Uppsala.
Quellen:
Carl Peter Thunberg: http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Peter_Thunberg (07.04.2011).
o.V. (1983): „Thunberg, Carl Peter“, in: Kodansha Encyclopedia of Japan, Bd. 8 Temp-Z; Tokyo: Kodansha Ltd, S. 29.
TRAUTZ, F.M. (1936): Schiller – Thunberg – Siebold, Sonder-Abdruck aus dem Goethejahrbuch 1936 der Goethe-Gesellschaft in Japan; Kyoto: Deutsches Forschungsinstitut.

