Vom Siegel zum Logo
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Das Philipps-Siegel Das große Universitätssiegel verlieh Landgraf Philipp 1531 seiner vier Jahre zuvor gegründeten "Hohen Schule Marburgs". Der aufwändig geschmückte Siegel-Stempel, der heute im Landgrafenschloss ausgestellt ist, konnte über eine rückseitige Öse als Kette getragen werden. Zusammen mit den beiden wenig später angefertigten Universitätsszeptern zählte es zu den Insignien der Universität, veranschaulichte insbesondere bei festlichen Zeremonien symbolisch die akademische Autonomie und diente der Beurkundung offizieller Dokumente. In dem höchst komplexen Miniaturkunstwerk befindet sich im Zentrum in die Jahreszahl 1527 eingespannt das Brustbild des Landgrafen. Die komplizierte zweireihige Umschrift lautet im äußeren Kreis: PHILIPPO HESS(ORVM) DO(MIN)O De PIETAT(E) ET LITER(IS) OPT(IME) MERITO AVSP(ICE) - "Mit Philipp, dem Herren der Hessen, hoch verdient um Glauben und Wissenschaften als Gründer". Innen steht: SIGILLVM SCHOLAE MARPURGENSIS - "Siegel der Marburger Schule". Die besondere Bedeutung dieses auf die Machtvollkommenheit Philipps
verweisenden Siegels resultiert aus der formalrechtlich unsicheren
Situation der Gründerjahre: Im Gegensatz zu anderen Universitäten des
Reiches fehlte es der landgräflichen Schule bis 1541 an einem
päpstlichen oder kaiserlichen Privileg und damit insbesondere den
Studenten an der international gültigen Anerkennung ihrer in Marburg
erworbenen akademischen Grade. Andernorts waren die Universitätssiegel
in der Regel mit christlichen Symbolen geschmückt. Das Siegel mit dem Bildnis Wilhelm IV. 1650 erging die Verordnung, alle Marburger Siegel außer Gebrauch zu
nehmen, die Universität wurde aus politischen Gründen geschlossen. Mit
ihrer Wiederöffnung drei Jahre später erhielt das Marburger Rektorat
neue Siegel, nun mit dem Bildnis des Landgrafen Wilhelm IV. von
Hessen-Kassel, der letztlich für die Neustiftung verantwortlich
war. Trotz der der Umwidmung in eine "Königlich Preußische
Universität Marburg" ab 1866 blieb das Universitätssiegel mit dem
Bildnis Wilhelm IV. bis in die 1930er Jahre in Gebrauch. Bestrebungen zurück zu "Philipp" 1916 gab das Preußische Kultusministerium der Bitte des Marburger Akademischen Senats statt, das ältere Prunksiegel von 1531 mit dem Bildnis Philipps wieder verwenden zu dürfen. Ein Grund dafür war die herannahende 400-Jahrfeier 1927, dem das Wilhelms-Siegel von 1653 widersprach. Nach dem Vorbild des Philipps-Siegels von 1531 wurde ein neues Siegel geschnitten, wobei vor allem das Gesicht Philipps "verschönt" und sein Hut durch ein üppiges Federbarett ersetzt wurde. Da Philipp zum Markenzeichen der Universität gemacht werden sollte, wurde das Siegel nun auch für den Buchdruck verwendet, ab 1918 auch auf dem Titelblatt des Personal- und Vorlesungsverzeichnisses. Bereits seit 1916 nutzte der Rektor für einen Teil seiner
Korrespondenz ein mit dem Philipps-Siegel und der Bezeichnung
"Philipps-Universität" geschmücktes Briefpapier. Die Kontroverse mit
dem preußischen Kultusministerium, das auf der alten Bezeichnung
"Universität Marburg" beharrte, eskalierte 1929 in einem regelrechten
Verbot der historisierenden Namensführung - vgl. "Wie
die Philipps-Universität zu ihrem Namen und zu ihrem Siegel", Marburger
UniJournal Nr.3. Seit 1933 Umbenennung in "Philipps-Universität" Erst am 17. November 1933 wurde die lang ersehnte Umbenennung in "Philipps-Universität" genehmigt. Neben das Philipps-Siegel trat nun jedoch ein komplett neu geschaffenes Erkennungszeichen: ein Wappen mit einem Buch tragenden (Hessen-)Löwen, das erstmals in einem Wappenbuch von 1581 abgebildet war. Das Löwen geschmückte Wappen dominierte bis 1996 (abgesehen von einem kurzen Intermezzo des Philipps-Siegels in der Nachkriegszeit von 1946 bis 1950). Während das Löwenwappen auf allen Druckerzeugnissen, insbesondere den Plakaten und Broschüren der 450-Jahrfeier 1977 prangte, erhielt sich das Philipps-Siegel als Dienstsiegel der Philipps-Universität - es ersetzte damit die jahrhundertalten Siegel der Fakultäten, die im Zuge der Hochschulreform 1970 aufgelöst und als Fachbereiche neu gegliedert worden waren. Zusätzlich blieb das Philipps-Siegel für die Kennzeichnung der akademischen Urkunden in Benutzung. Vom Siegel zur Wort-Bild-Marke 1996/97 wurde der Versuch gemacht, auf Grundlage des Philipps-Siegels eine moderne Wort-Bild-Marke zu schaffen. Mehrere Entwürfe, die das Brustbild Philipps stilisierten und aus den zwei Siegelkreisen herauslösten, wurden jedoch von den Gremien der Philipps-Universität zurückgewiesen. Stattdessen ersetzte seit 1997 das alte Siegel (in der 1916 überarbeiten Form) flächendeckend das Löwenwappen, das heute nurmehr der Marburger Universitätsbund führt. Im Hinblick auf das bevorstehende 475.Jubiläum wurde 2003 ein neuer Versuch unternommen, der Philipps-Universität eine Wort-Bild-Marke zu geben, die für alle Medien brauchbar und anwendbar war. Die Entwürfe des Stuttgarters Karl Duschek, der zu den renommiertesten deutschen Corporate Design-Grafikern zählt, scheiterten erneut am massiven Widerstand großer Teile der Universitätsangehörigen und der Marburger Bürger, die an der modernen Lösung die prominente Rolle "ihres" Philipps vermissten. Während die Wort-Bild-Marke gänzlich ohne Philipp auskam, sollte das Philipps-Siegel nur noch als eine Art Wasserzeichen auf ausgesuchten Publikationen und Dokumenten ergänzend hinzukommen. Die zahlreichen Versuche, ein Philipps-Logo zu schaffen, steigerten letztlich das heterogene Erscheinungsbild der Universität Marburg, sodass dieses Missstand ab 2006 erneut Projektaufgabe wurde. Ziel ist eine konsistente Außendarstellung gegenüber der Öffentlichkeit und ein unverwechselbarer Auftritt mit hohem Wiedererkennungswert. Um das Philipps-Siegel für die modernen Anwendungen brauchbarer zu machen, wurde es 2006 klarer strukturiert und in seiner Kombination mit "Philipps-Universität Marburg" festgelegt. Seit 2007 wird dieser Entwurf der Frankfurter Agentur Citigate Demuth suksessive eingeführt (vgl. Corporate Design der Philipps-Universität). |
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