Als Germanen werden einige historische Stämme in Mitteleuropa und
im südlichen Skandinavien bezeichnet, deren ethnische Identität in der
Forschung traditionell über die Sprache bestimmt wird. Das Wort
Germane leitet sich vermutlich von ger (Wurfspieß)
und man (Mann) ab. Die ältesten historischen Berichte über
germanische Kulturen stammen von römischen Autoren. Eigene
Schriftzeugnisse, wie beispielsweise die Runen, finden sich erst nach
unserer Zeitenwende. In jüngster Zeit wird in der Forschung das aus dem
nationalstaatlichen Denken des 18./19. Jahrhunderts stammende Konzept
der Germanen zunehmend in Frage gestellt: "Germane" ist wie "Barbar"
eher eine ungenaue Fremdbezeichnung.
An lokalen Kultzentren verehrten die als Germanen bezeichneten Stämme
verschiedene Gottheiten wie den Donnergott Thor und die Liebesgöttin
Freya. Aus archäologischen Funden in Mooren und bronze- und
eisenzeitlichen Grabhügeln schließt man außerdem auf einen ausgeprägten
Toten- und Ahnenkult.
Die religiösen Handlungen der germanischen Kulturen waren sehr
vielfältig. Die Götter wurden durch Tier- und Speiseopfer auf
Waldlichtungen, in heiligen Hainen und an heiligen Gewässern und Mooren
verehrt. Tempelbauten wie bei den Griechen oder Römern sind nicht
bekannt. Das Opfer wurde im Wesentlichen als Bitt- und Dankopfer
gestaltet. Geopfert wurde individuell im privaten Kult, aber auch
gemeinschaftlich organisiert - wie etwa zu Festen im Frühjahr,
Mittsommer, Herbst und Mittwinter. Auch Menschenopfer sind belegt; so
beschreibt der römische Historiker Tacitus (ca. 58 bis 120 u.Z.)
Menschenopfer für die Erdgöttin Nerthus. Die archäologischen
Fundauswertungen zeigen jedoch, dass es sich bei diesen Menschenopfern
um vergleichsweise seltene Ereignisse handelte.
Zu Kult und Ritual der Germanen gehörte ebenfalls das Ziehen von
Runensteinen oder -stäben als Orakel-Lose. Auch Zauber mit den
Runenschriftzeichen selbst ist bekannt. So wurden Runen – etwa auf
Grabsteinen – als magische Schutzformeln verwendet.
Auch heute noch faszinieren Runen und die Religionen der Germanen.
Anhänger des nordisch-germanischen Neuheidentums verwenden Runen zum
Beispiel als Orakel-Lose. Auch andere germanische Bräuche werden von
Neuheiden aufgegriffen und neugestaltet: So etwa Speise- und Trankopfer
für die Götter. (JD)
Literatur:
Simek, Rudolf: Götter und Kulte der Germanen. 3.
Aufl. Beck. 2009.
|
Ausgewählte Objekte

Sonnenwagen von Trundholm
Details

Matronenstein
Details
|