
Dittmann, Anastasia
Fachbereich 09
Betreuer: Prof. Dr. Ingo Herklotz (Kunstgeschichtliches Institut)
Schwerpunkt: Aktphotographie, Frankreich, 19. Jh.
Kurzbeschreibung des Promotionsvorhabens
Aktfotografie als lebendes Bild.
Formale und funktionale Aspekte von Académien im 19. Jahrhundert
Das geplante Dissertationsprojekt unternimmt eine Analyse der Herstellungspraxis, Ästhetik und Verwendung so genannter Académien, d.h. fotografischer Aktdarstellungen, die als Modellstudien für Künstler, insbesondere im akademischen Kontext als Ersatz für das lebende Modell erstellt wurden. Dabei zeigt die Studie in der Konzentration auf die überlieferten Werkkonvolute von Gaudenzio Marconi (1841-1885) und Louis Igout (1835-1881) auf, wie im dezidierten Rückgriff auf antike Statuen (und darauf aufbauend auch auf Werke Alter Meister) eine Art morphologisches Alphabet und Typologie von Ausdrucksqualitäten im Atelier entstanden sind. Bei der Aufnahme des nackten, lebenden Modells kam es durch die teilsbühnenhafte Inszenierung im Atelier zu interessanten Spannungsmomenten der Parameter Kunst- und Naturnachbildung. Dem Projekt liegt infolgedessen die These zugrunde, dass den zu Studienzwecken angefertigten Aktaufnahmen ein besonderes Zusammentreffen von Vergangenheit und Gegenwart innewohnt, welches nicht nur die Problematik von Idealdarstellung versus Natürlichkeit aufs Neue thematisiert, sondern auch den heutzutage inflationär gebrauchten Begriff des tableau vivant – sowohl als Kunstproblem als auch Kunstaufgabe – problematisiert.

