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Karl Winnacker

 

- derzeit in Überarbeitung-

 

 

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Karl WinnackerProf. Dr. Karl Winnacker sei für den Marburger Universitätsbund und damit für die Philipps-Universität ein Glücksfall gewesen, erklärte 1989 der ehemalige Präsident der Philipps-Universität, Rudolf Zingel, zum Tode von Winnacker. Tatsächlich profitiert die Philipps-Universität bis heute von Winnackers Wirken als Vorsitzender des Marburger Unibundes von 1957 bis 1984 (bis 1989 als Ehrenvorsitzender). Nicht zufällig beschloss der Senat der Philipps-Universität 1979 einstimmig, das Musizierhaus im Botanischen Garten in Karl-Winnacker-Haus umzubenennen, und der Unibund selbst stiftete 1990 posthum den Karl-Winnacker-Preis. An Würdigungen seiner Leistung allein durch die Philipps-Universität hat es Winnacker Zeit seines Lebens nicht gemangelt: 1959 ernannte ihn die Marburger Universität zu ihrem Ehrensenator, 1977 zeichnete sie ihn mit der Goldenen Philipps-Plakette aus - beides die höchsten Ehrungen, die sie nur äußerst selten vergibt (vgl. Übersicht Ehrensenatoren bzw. Philipps-Plakette). Die Fachbereiche taten das ihre, so verlieh ihm die Philosophische Fakultät 1963 die Ehrenpromotion (vgl. Ehrenpromotionen).

Wer war dieser Mann, dem sich die Philipps-Universität so zu Dank verpflichtet fühlte? Winnacker, 1903 in Wuppertal geboren, begann sein Studium der Chemie 1922 an der TU Braunschweig, wechselte 1925 an die TU Darmstadt, wo er 1930 promoviert wurde und Privatassistent war. Mit dem Eintritt in das Werk Hoechst der I.G. Farbenindustrie 1933 legte er den Grundstein für seine rasante berufliche Karriere bis hin zum Vorstandsvorsitzenden, zu dem ihn die Alliierten bei der Neugründung der Farbwerke Hoechst Ende 1951 beriefen. Der Umbau dieses Unternehmens als lebensfähige Einheit und sein Aufstieg zu weltweiter Geltung war fortan unlösbar mit dem Namen Winnackers verbunden.

Parallel dazu war Winnacker in der Wissenschaft aktiv: Von 1953 bis 1972 nahm er eine Honorarprofessur in Chemie wahr und las dort unter anderem aus seinen Werk "Chemische Technologie", das er in der unmittelbaren Nachkriegszeit geschrieben hatte. Inzwischen ist das europäische Standardwerk, das schnell weitere Auflagen erlebte, ein siebenbändiges Kompendium. Winnacker nahm seine wissenschaftliche und gesellschaftliche Verantwortung vielfältig wahr: Seit Neugründung der Max-Planck-Gesellschaft 1948 wirkte er in deren Senat und mehreren Kuratorien ihrer Institute mit, in der Gesellschaft Deutscher Chemiker war er Schatzmeister bzw. Präsident, der Deutschen Gesellschaft für Chemisches Apparatewesen (DECHEMA) stand er von 1955 bis 1970 als Präsident vor.

Als der Marburger Unibund Winnacker 1957 das Amt ihres Vorsitzenden antrug, ging es ihm darum, an seiner Spitze den Exponenten eines forschungsintensiven Großunternehmens zu haben, bei dem man Verständnis für die Belange der Wissenschaft voraussetzen könne. Kontakte nach Marburg hatte Winnacker, dessen Vater an der Philipps-Universität studiert hatte, bis dahin hauptsächlich durch seine Arbeit, die Marburger Behringwerke, die ihrerseits sehr eng mit der Universität zusammen arbeiteten, wieder in den Verband von Hoechst einzugliedern.

Gerade aufgrund seiner Vertrautheit mit der Forschung kam Winnacker jedoch zu dem Schluss, dass eine Universitätsfördergesellschaft mit ihren beschränkten Mitteln nennenwerte Beiträge für die inzwischen so aufwändig gewordene moderne Forschung kaum mehr leisten könne. Dagegen sah Winnacker, in einer Zeit, in der die Universität aufgrund ihres sprunghaften Anstiegs in den Studierendenzahlen sich wandelte, eine wirksame Schwerpunktförderung in einem damals neuen Bereich: Der Universitätsbund stellte sich der Aufgabe, was er tun könne, um die Bedingungen für das Leben und das Arbeiten der Studierenden in der groß, vielleicht zu groß gewerdenden Universität zu verbessern.

So entschloss sich der Unibund auf Winnackers Betreiben, das Christian Wolff Haus mit 99 Wohnplätzen für Studierende zu bauen. Das 1962 fertiggestellte Heim, inzwischen an das Studentenwerk übergeben, hatte mit 2,2 Millionen DM-Baukosten fast das gesamte Vermögen des Unibundes aufgezehrt - dennoch plante Winnacker schon das nächste Projekt: Das Sport- und Studienheim im Kleinwalsertal, das schließlich mit Hilfe des Landes Hessen 1967 gebaut wurde, stellt seitdem eine Oase dar, in die sich Studierende mit ihren Dozenten in wissenschaftliche Klausur begeben können. Als drittes Bauprojekt war schon seit Mitte der 60er Jahre die Idee zu einem Musizierhaus geboren, das der Unibund auf Winnackers Wunsch schließlich 1977 realisieren konnte und der Universität zu ihrem 450. Jubiläum schenkte.

Neben den drei Bauwerken, die verschiedene Facetten des studentischen Lebens bereichern, war Winnacker gleichermaßen darauf bedacht, der Universität Wege aus ihrem Elfenbeinturm zu eröffnen. Die öffentliche Erörterung gesellschaftlich bedeutender Probleme sollte durch den wissenschaftlichen Sachverstand befruchtet, zugleich aber die Universität angeregt werden, gesellschaftlich relevante Sachverhalte verstärkt zu durchdenken. Deshalb initiierte Winnacker seit 1959 die "Marburger Gespräche". Diese Symposien, die ab 1969 Forum Philippinum hießen, suchten bewusst die gesellschaftlichen Bezüge der Wissenschaft - und trugen deshalb auch immer im Titel "xy und Gesellschaft".

 

 

 

Zuletzt aktualisiert: 06.06.2011 · Pressestelle

 
 
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