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27.04.2006

Kinder für Studie über Essverhalten gesucht

Marburger Psychologen führen DFG-Forschungsprojekt zum Ernährungs- und Bewegungsverhalten im Kindesalter durch

Etwa jedes vierte Schulkind ist übergewichtig. Studien zeigen, dass Übergewicht in der Kindheit oft zu einer erhöhten Rate von Erkrankungen etwa des Herz-Kreislaufsystems und der Gelenke sowie zu Einschränkungen in vielen Lebensbereichen führt. Bislang sei diesem Trend viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden, so Dr. Anja Hilbert, Psychologin an der Philipps-Universität Marburg, obwohl die Anzahl Übergewichtiger dramatisch steige. Die Ursachen von Übergewicht und Adipositas (Fettleibigkeit) seien vielfältig und können von den Betroffenen keineswegs immer beeinflusst werden. Neben Bewegungsmangel, Essgewohnheiten und verschiedenen psychosozialen Einflüssen seien auch genetische Faktoren für Adipositas verantwortlich, deren Erforschung aber noch am Anfang steht.

Im Rahmen des Projekts „Psychopathologie der ‚Binge-Eating’-Störung im Kindesalter“, das jüngst von der Deutschen Forschungsgemeinschaft bewilligt wurde, wird unter Hilberts Leitung nun das Ess- und Bewegungsverhalten von Kindern und Jugendlichen untersucht. „Bereits im Grundschulalter“, so Hilbert, „lassen sich Verhaltensweisen wie heimliches Essen, Horten von Nahrungsmitteln oder essen, ohne aufhören zu können, beobachten.“

Als ‚Binge-Eating’- oder Essanfallsstörung bezeichnet man das häufige Auftreten von Heißhungeranfällen, das bei ein bis drei Prozent der Bevölkerung zu beobachten ist. Diese Störung unterscheidet sich von der bekannteren Bulimia Nervosa unter anderem dadurch, dass Betroffene im Anschluss an Essanfälle keine Gegenmaßnahmen ergreifen, also zum Beispiel nicht selbst ein Erbrechen herbeiführen. Insbesondere bei Kindern komme zu falschem Essverhalten hinzu, so Hilbert, dass sie „heute einen Großteil ihrer Freizeit vor dem Fernseher oder Computer verbringen und sich bis zu fünfzig Prozent weniger als noch vor einigen Jahren bewegen“. Aufgrund dessen würden bei Einschulungstests vermehrt Muskel- und Haltungs­schwächen, Wahrnehmungs- und Koordinationsstörungen, Übergewicht oder emotional-soziale Störungen festgestellt.

Die Arbeitsgruppe um Hilbert führt nun psychologische und medizinische Untersuchungen zu Ess- und Bewegungsgewohnheiten von Kindern im Alter von acht bis dreizehn Jahren durch, bei denen jeweils auch ein Elternteil teilnimmt. Gesucht werden Kinder mit und ohne Essprobleme. Die Studienteilnahme wird mit hundert Euro vergütet. Die Ergebnisse der Studien dienen dazu, Ansätze zur Vorbeugung und Behandlung von Essproblemen und Übergewicht bei Kindern zu erarbeiten.

Kontakt

Dr. Anja Hilbert und Dipl.-Psych. Julia Czaja
Philipps-Universität Marburg
Fachbereich Psychologie
Gutenbergstraße 18
35032 Marburg

Tel.: (06421) 28 23823
E-Mail

Zuletzt aktualisiert: 27.04.2006 · koerkel

 
 
 
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