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18.09.2006

Altes Chemisches Institut als Historische Stätte der Chemie ausgezeichnet

Gesellschaft Deutscher Chemiker würdigt "historische Bedeutung" der Arbeit des langjährigen Marburger Professors Dr. Hans Meerwein - Gedenktafel enthüllt

Gedenktafel enthüllt
Professor Dr. Henning Hopf, Vizepräsident der GDCh (links), sowie der Dekan des Fachbereichs Chemie, Professor Dr. Ulrich Koert enthüllen die Gedenktafel, die im Eingangsbereich des alten Chemischen Instituts zu Ehren von Hans Meerwein angebracht wurde.
Nobelpreisträger als Gastredner
Nobelpreisträger Professor Dr. George A. Olah von der University of Southern California würdigte Hans Meerwein in seiner Festrede als einen auf seinem Gebiet bedeutendsten Chemiker des 20. Jahrhunderts. Alle Fotos: hg
Im Rahmen einer Feierstunde im alten Chemischen Institut der Philipps-Universität, während derer auch eine Gedenktafel enthüllt wurde, würdigte die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) die Arbeit des Marburger Professors Hans Meerwein. Meerwein lehrte und forschte dort von 1929 bis 1965. Mit dieser Auszeichnung im Rahmen ihres Programms "Historische Stätten der Chemie" erkennt die GDCh seit 1998 bereits zum sechsten Mal besondere Leistungen von historischer Bedeutung im Fach Chemie an. Das Programm soll das kulturelle Erbe der Chemie wach halten und das Fach und seine historischen Wurzeln stärker in das Blickfeld der Öffentlichkeit rücken.

Meerwein wurde für seine „Bahn brechenden Arbeiten auf dem Gebiet der synthetischen und mechanistischen organischen Chemie in das Programm aufgenommen“, so der Vizepräsident der GDCh, Professor Dr. Henning Hopf, in seinen Begrüßungsworten.

Für Professor Dr. George A. Olah, University of Southern California, Nobelpreisträger für Chemie des Jahres 1994 und Festredner der Veranstaltung, war Meerwein einer auf seinem Gebiet bedeutendsten Chemiker des 20. Jahrhunderts. Olah hatte seinen ehemaligen Mentor Meerwein in Marburg kennen gelernt und war mit diesem viele Jahre freundschaftlich verbunden. Aufbauend auf dessen Erkenntnissen hatte Olah seine Forschungen auf dem Gebiet der organischen Chemie weiter geführt und dafür den Nobelpreis erhalten. Professor Dr. Hans Meerwein wurde zwar zu Lebzeiten mit dem renommierten Otto-Hahn-Preis ausgezeichnet, der Nobelpreis war ihm aber versagt geblieben.

Die Frage nach dem "Warum"

Professor Dr. Heribert Offermanns, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Degussa AG, bezeichnete Hans Meerwein in seinen Grußworten als einen Grundlagenforscher von entscheidender Bedeutung, weil dieser im Rahmen seiner Forschungsarbeiten nicht nach „Auszeichnungen schielte“, sondern weil er nach dem „Warum“ fragte. Offermanns kritisierte in diesem Zusammenhang die aktuelle Zusammenarbeit von Forschung und Wirtschaft in Deutschland, bei der eine zunehmende Bevormundung der Wissenschaft durch Unternehmen festzustellen sei: "Was der Forscher suchen soll, wird ihm inzwischen von de Industrie vorgeschrieben."

Grußworte überbrachten auch der Präsident der Philipps-Universität, Professor Dr. Volker Nienhaus, sowie Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung vom Streichorchester des Fachbereichs Chemie.

Zahlreiche Ehrendoktortitel für Meerweins grundlegende und wegweisende Arbeiten

Hans Meerwein führte im alten Chemischen Institut grundlegende Arbeiten auf dem Gebiet der synthetischen und mechanistischen organischen Chemie durch. Die Entdeckung des zwischenzeitlichen Auftretens von Carbenium-Ionen war wegweisend für das Verständnis des Ablaufs organisch-chemischer Reaktionen. Viele der von ihm untersuchten Reaktionen tragen heute seinen Namen, wie zum Beispiel die Wagner-Meerwein-Umlagerung. Als Studenten und junge Wissenschaftler arbeiteten hier auch die späteren Chemie-Nobelpreisträger Hans Fischer, Adolf Butenandt, Otto Hahn, Karl Ziegler und Georg Wittig.

Publikum
Gut besucht: Dem Festakt zu Ehren von Hans Meerwein wohnten zahlreiche prominente Gäste bei.
Meerwein wurde 1879 in Hamburg geboren. Seine Chemiestudien begann er 1898 an der Chemieschule Fresenius in Wiesbaden und führte sie an der Universität Bonn fort. Dort wurde er promoviert und habilitierte er sich. 1914 wurde er dort Titularprofessor und 1922 schließlich außerordentlicher Professor. Im selben Jahr nahm er den Ruf als ordentlicher Professor nach Königsberg an. 1929 schließlich wurde er Nachfolger von Karl von Auwers in Marburg.

1945 wurde das Chemische Institut in Marburg durch einen Bombenangriff weitgehend zerstört. Meerwein verlor damit auch seine Dienstwohnung im Institut und seine gesamte Habe, darunter alle wissenschaftlichen Aufzeichnungen und seine Privatbibliothek. Der Neubau an gleicher Stelle wurde erst nach seiner Emeritierung 1953 eingeweiht. Nicht nur die Universität Marburg verlieh ihm den Ehrendoktortitel, sondern auch Heidelberg, Darmstadt, Bonn und München – und darüber hinaus erhielt er noch viele weitere Auszeichnungen.

Zuletzt aktualisiert: 18.09.2006 · Hellmuth Graßmann

 
 
 
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