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02.04.2013

Es droht kein neues SARS

Neues Coronavirus: Marburger Virologen geben Entwarnung

Ein neuentdecktes Coronavirus befällt die Zellen der menschlichen Atemwege ebenso effektiv wie das SARS-Virus und schaltet die körpereigene Abwehr aus, ist aber deutlich empfindlicher gegenüber der Verabreichung des Wirkstoffs Interferon, der das Immunsystem anregt. Das berichtet ein Forscherteam unter Marburger Federführung in der kommenden Ausgabe der Fachzeitschrift „Journal of Virology“.

IFN
Das antivirale Protein Interferon-beta im Modell (Abbildung: Nevit Dilmen/Commons)
Im vergangenen Herbst isolierten Virologen am Erasmus Medical Center (EMC) in Rotterdam ein neues Coronavirus, das zu akuten Atemwegserkrankungen führt, verbunden mit Nierenversagen. „Das neue Humane Coronavirus EMC ist eng mit dem SARS-Virus verwandt, das vor zehn Jahren 8.000 Personen infizierte, von denen 800 starben“, berichten die Autoren der aktuellen Studie um Professor Dr. Friedemann Weber von der Philipps-Universität. Sie konnten nachweisen, dass beide
Viren-Weber
Der Virologe Professor Dr. Friedemann Weber leitete die Studie zur frühen Virenabwehr. (Foto: Jürgen Brandel, Uniklinikum Freiburg)
Viren sich in Zellen eines Typs vermehren können, der die Bronchien auskleidet.

Jedoch hat die Verabreichung von Interferon einen deutlich stärkeren antiviralen Effekt auf das neue Coronavirus als auf das SARS-Virus, das  weitgehend unempfindlich gegenüber dem Wirkstoff ist. Interferon (IFN) ist ein Hauptbestandteil des angeborenen Immunsystems; es ist eines der ersten Moleküle, die befallene Zellen nach einer Infektion produzieren, und stimuliert die Herstellung weiterer 300 Faktoren, die sich gegen eindringende Krankheitserreger richten.

Aufgrund weiterer Untersuchungen vermuten die Autoren, dass das SARS-Virus die antivirale Wirkung von Interferon aktiv dämpft: Möglicherweise verhindert es den Transport eines Signalmoleküls in den Zellkern, so dass dieses Interferon dort nicht anzuschalten vermag.

Die Fähigkeit, menschliche Zellen zu befallen, geht beim neuen Coronavirus zwar eher weiter als bei SARS, aber aufgrund seiner wesentlich größeren Empfindlichkeit gegenüber Interferon hoffen die Forscher, dass es sich besser eindämmen lässt. Interferon-Verabreichung ist offenbar eine vielversprechende Behandlungsmöglichkeit. „Das gegenwärtige Isolat hat also kaum das epidemische Potenzial von SARS“, resümiert Weber.

Die Arbeit der Forscher wurde finanziell im Rahmen des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF), durch das Projekt „PREDEMICS“ der Europäischen Union, das Universitätsklinikums Gießen und Marburg sowie die „Leibniz Graduate School for emerging infectious diseases“ (EIDIS) gefördert.

Originalveröffentlichung: Florian Zielecki & al.: Human cell tropism and innate immune system interactions of human respiratory coronavirus EMC compared to SARS-coronavirus, Journal of Virology 87 (8), April 2013, DOI: 10.1128/JVI.03496-12

  

Weitere Informationen:

Ansprechpartner: Professor Dr. Friedemann Weber,
Institut für Virologie
Tel.: 06421 28-64525
E-Mail: friedemann.weber@staff.uni-marburg.de

 

Zuletzt aktualisiert: 26.03.2013 · Johannes Scholten

 
 
 
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