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16.12.2013

Ohne Worte

Marburger Linguistenteam untersucht, wie der Spracherwerb funktioniert.

Eine sprachwissenschaftliche Arbeitsgruppe an der Philipps-Universität erforscht, wie Kinder Wörter erlernen und verarbeiten. Das Team um die Professorinnen Dr. Christina Kauschke und Dr. Ulrike Domahs vom Fachgebiet Klinische Linguistik führt zu diesem Zweck eine Studie durch, die den Spracherwerb von Kleinkindern mittels Fragebögen, Tests und Untersuchungen der Gehirnaktivität analysiert. Bei verzögerter Sprachentwicklung kann die Testphase in eine Therapie münden. Das Vorhaben ist Teil des „LOEWE“-Schwerpunkts „Fundierung linguistischer Basiskategorien“.

„Etwa 15 Prozent aller Kinder eines Jahrgangs sind späte Wortlerner“, erläutert Christina Kauschke; „bei ihnen besteht das Risiko, dass sie später eine Sprachentwicklungsstörung ausprägen.“ Zwar sei es mittlerweile möglich, bereits bei Zweijährigen zuverlässig zu erfassen, ob ihre Sprachentwicklung verzögert ist. „Etwa ein Drittel davon holt den Rückstand jedoch bis zum dritten Lebensjahr selbständig auf“, ergänzt Ulrike Domahs, die das Vorhaben gemeinsam mit Kauschke leitet.

Die Eltern der Betroffenen seien häufig verunsichert: „Vielen von ihnen wird gesagt, die Verzögerung werde sich auswachsen. Das trifft aber nicht für alle Kinder zu“, führt Projektmitarbeiterin Nina Niggemann aus. „Die Übrigen entwickeln eine Sprachentwicklungsstörung oder bleiben mit ihren sprachlichen Fähigkeiten deutlich unter dem Niveau, das zu erwarten wäre.“ Es ist also falsch, die Eltern zu vertrösten: Der Rückstand in der Sprachentwicklung kann sich dadurch immer weiter vergrößern. Dabei weiß man, dass eine Behandlung erfolgreicher ist, wenn sie früh einsetzt.

In der geplanten Studie untersucht das Forscherteam Zwei- bis Dreijährige mit verzögerter Sprachentwicklung und vergleicht diese mit Gleichaltrigen ohne Rückstand. Die Arbeitsgruppe überprüft, inwiefern sich die Gruppen hinsichtlich ihrer Wortverarbeitung unterscheiden, welcher Einfluss sich auf die weitere sprachliche Entwicklung ergibt und wie gut therapeutische Interventionen wirken.

Die erste Untersuchung erfolgt im Alter von 24 Monaten, die zweite mit 30 Monaten und eine letzte mit 36 Monaten. Zunächst analysieren die Projektmitarbeiter jeweils den aktuellen Sprachentwicklungsstand mit Hilfe von Elternfragebögen und Tests, dann führen sie bei einem zweiten Termin Experimente zur Gehirnaktivität durch, die sie mit einem Elektroenzephalogramm (EEG) erheben. Die Wissenschaftler ermitteln zum Beispiel, wie das Gehirn der Kinder auf Kunstwörter oder ungewöhnliche Betonungen reagiert.

Falls die Untersuchungen eine sprachliche Auffälligkeit ergeben, können sich die Eltern beraten lassen und für ihre Kinder eine kostenlose Behandlung in Anspruch nehmen. „Eine frühzeitige, sichere Prognose und nachhaltige Therapiemaßnahmen können den Kindern viele spätere Probleme ersparen“, versichern die beteiligten Wissenschaftlerinnen. „Wir freuen uns daher, wenn viele Eltern mit ihren Kindern an der Studie teilnehmen.“

 

Weitere Informationen:

Ansprechpartnerin: Nina Niggemann,
Fachgebiet Klinische Linguistik
Tel.: 06421 28-25028
E-Mail: nina.niggemann@staff.uni-marburg.de

 

 

Zuletzt aktualisiert: 16.12.2013 · Forschungskommunikation

 
 
 
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