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16.02.2016

Medizinische Projekte in Höhe von 2,6 Millionen Euro bewilligt

Pressemitteilung der "Von Behring-Röntgen-Stiftung"

Zum neunten Mal hat die Von Behring-Röntgen-Stiftung Fördermittel für medizinische Forschungsprojekte an der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Philipps-Universität Marburg bewilligt. Über insgesamt 2,6 Millionen Euro für 13 Forschungsvorhaben konnten sich die Begünstigten freuen. Stellvertretend für ihre Arbeitsgruppen nahmen die Projektsprecher gestern die Bewilligungsurkunden aus den Händen von Stiftungspräsident Friedrich Bohl entgegen. 

Die Gelder stehen ab 2016 für Kooperationsprojekte mit gemeinsamer Beteiligung von Marburger und Gießener Wissenschaftlern sowie einzelne Forschungsvorhaben von Nachwuchswissenschaftlern bereit, die unter anderem an Themen aus den Bereichen Krebsforschung, Neurowissenschaften und Virologie arbeiten.

Außerordentliche Förderung erfährt das Lungenforschungszentrum UGMLC (Universities of Giessen and Marburg Lung Center). Das zuvor vom hessischen Forschungsförderprogramm LOEWE unterstützte Zentrum bündelt die experimentelle und klinische Lungenforschung in Gießen, Marburg und Bad Nauheim und ist eines der international führenden auf dem Gebiet der Erkrankungen der Lunge und der Atemwege. Durch die Unterstützung von vier Projekten und einer Professur trägt die Von Behring-Röntgen-Stiftung dazu bei, die Verstetigung des Zentrums zu sichern.

 

BRS2016
Feierliche Übergabe der Förderurkunden an die begünstigten Wissenschaftler am medizinischen Fachbereich der Philipps-Universität Marburg. Von links nach rechts: Dekan Prof. Dr. Helmut Schäfer, Technische Assistentin Beate Kleb (Projekt Deeg), Prof. Dr. Rembert Koczulla, Dr. Leon Schulte, Prof. Dr. Andreas Jansen, Dr. Dr. Sabrina Elmshäuser, Prof. Dr. Ivica Grgic, Prof. Dr. Eva Friebertshäuser, Prof. Dr. Cornelia Deeg, Dr. Cristian Bauer, Stiftungspräsident Friedrich Bohl, Vizepräsident Hans-Dieter Klenk und Dr. Joel Charles. (Foto: Christian Stein)

Die geförderten Projekte im Einzelnen:

Die diabetische Retinopathie ist eine durch die Zuckerkrankheit „Diabetes mellitus“ hervorgerufene Erkrankung der Netzhaut des Auges, die eine der Hauptursachen für Erblinden von Patienten im erwerbsfähigen Alter ist. Bisherige Therapien können den Verlauf der Erkrankung nur verzögern. Ziel des Projektes von Prof. Dr. Cornelia Deeg aus Marburg, Prof. Dr. Knut Stieger und Prof. Dr. Birgit Lorenz aus Gießen sowie ihrer Kooperationspartnerin Dr. Stephanie Hauck aus München ist es, am Tiermodell zu untersuchen, welche Stoffwechselprozesse zu einer Veränderung der Netzhaut führen. Mit 260.000 Euro wird das Projekt mit Titel „Identifikation, Charakterisierung und Beein­flussung von Pathogenesemechanismen bei der diabetischen Retinopathie“ gefördert.

Die Influenza (Grippe) ist eine hochansteckende Erkrankung der Atemwege, an der jährlich etwa 10 % der Weltbevölkerung erkranken. 5 Millionen der Krankheitsfälle verlaufen laut Weltgesundheitsorganisation schwer, davon 500.000 sogar tödlich. Prof. Dr. Eva Friebertshäuser will untersuchen, warum sich ein bestimmter Influenzasubtyp in der Lunge ausbreitet und zu Lungenentzündungen führen kann. 100.000 Euro erhält die Marburger Nachwuchswissenschaftlerin für ihr Projekt „Molekulare Mechanismen der Protease-Spezifität humaner Influenza-Viren“.

Die bronchopulmonale Dysplasie ist eine chronische Lungenerkrankung des Frühgeborenen, die zu einer lebenslangen Beeinträchtigung der Lungenfunktion führt. Darüber hinaus besteht ein hohes Risiko einer Einschränkung in der weiteren körperlichen und geistigen Entwicklung. In ihrem Kooperationsprojekt wollen Dr. Harald Erhardt aus Gießen und Prof. Dr. Michael Zemlin aus Marburg untersuchen, welchen Einfluss Vitamin A auf die Entzündungsreaktion der Lunge der Patienten hat. 180.000 Euro werden für das Projekt „Wirkung von Vitamin A auf die pulmonale Inflammationsreaktion und die extrazellu­läre Matrix bei extrem kleinen Frühgebore­nen“ zur Verfügung gestellt.

Moderne Krebstherapien setzen bei der Behandlung von Tumorerkrankungen auf  Immuntherapien, mit denen in den vergangenen Jahren bereits bedeutende Erfolge erzielt werden konnten. Mit 160.000 Euro wird das Kooperationsprojekt von Dr. Cristian Bauer aus Marburg und Prof. Dr. Andre Menke aus Gießen mit Titel „T-Zell-Dysfunktion im Pankreaskarzinom­modell: Rolle von IL-18 und IL-1β bei der Induktion von Exhaustion-Phänomenen und Einfluss auf molekulare Mechanismen der Tumorprogression“ gefördert.

Erkrankungen der Nierenkörperchen stellen eine der Hauptursachen für Nierenerkrankungen bei Kindern und Erwachsenen dar. Ziel des Kooperationsprojektes von Prof. Dr. Ivica Grgic aus Marburg und Prof. Dr. Norbert Weißmann aus Gießen ist die Aufklärung der Entstehung chronischer Nierenerkrankungen, die von einem fortschreitenden Funktionsverlust bis hin zum Versagen des Organs führen können. Für ihr Forschungsvorhaben mit Titel „Die Bedeutung von TRPC6-Funktionen für die Regulation von Genexpressionssignatu­ren in Podozyten der Niere“ erhalten sie 159.000 Euro.

Tiermodelle sind trotz aller Fortschritte bei der Entwicklung von Alternativmethoden zum Tierversuch bisher noch unverzichtbar für die onkologische Forschung. Die Marburger Nachwuchswissenschaftler Dr. Joel Charles und Dr. Sabrina Elmshäuser wollen ein schonenderes Verfahren einführen, bei dem die Versuche bereits in einem sehr frühen Krankheitsstadium und dadurch weniger belastend für die Tiere durchgeführt werden können. Für die „Optimierung des Tierschutz in der Tumor­forschung durch Untersuchung experimen­teller Tumorphänotypen mittels sekre­tierter Luciferasen“ erhalten sie 192.000 Euro.

Alexithymie bezeichnet die Unfähigkeit Gefühle wahrzunehmen, auszudrücken oder zu beschreiben. Das auch als „Gefühlsblindheit“ bezeichnete Persönlichkeitsmerkmal betrifft etwa 10% der Bevölkerung, wobei es bei bestimmten psychischen Erkrankungen wie z.B. Depressionen oder Angststörungen um ein zweifaches erhöht ist. In ihrem Projekt wollen Prof. Dr. Andreas Jansen und Kristin Zimmermann aus Marburg sowie ihr Gießener Kooperationspartner Prof. Dr. Frank Leweke den Einfluss von Gefühlsblindheit auf die Entste­hung und Entwicklung psychischer Erkran­kungen untersuchen. Ziel des mit 160.000 Euro geförderten Forschungsvorhabens ist es, auf Grundlage von neuronalen Netzwerkanaly­sen anhand bildgebender Verfahren neue Therapieprogramme zu entwickeln.

Infektionen der Lunge zählen zu den häufigsten Todesursachen des Menschen. Die Erforschung der molekularen Vorgänge, die eine lebensgefährliche Lungenentzündung bewirken, ist durch den Mangel an Infektionsmodellen, die zur Forschung genutzt werden können, jedoch eingeschränkt. Der Marburger Nachwuchswissenschaftler Dr. Leon Schulte will mithilfe eines humanen 3-D-Gewebemodells die Untersuchung von Krankheitserregern verbessern. 170.000 Euro erhält er für sein Projekt „Alveoläre 3D-Gewebemodelle zur Untersu­chung Primaten-spezifischer regulatori­scher RNAs in der angeborenen Immunität der Lunge“.

 

Projekte des LOEWE-Zentrums UGMLC

Beim Lungenhochdruck liegt ein erhöhter Blutdruck im Lungenkreislauf vor. Er entsteht häufig in Folge anderer Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems. Ziel des Projektes von Prof. Dr. Ralph Schermuly und seiner Kollegin Dr. Susanne Herold ist die Aufklärung der Rolle bestimmter Fresszellen, der Macrophagen, bei der Entwicklung der Krankheit. 300.000 Euro erhalten die Gießener Wissenschaftler für ihr Projekt mit Titel „The mononuclear phagocytic system: contribution to maladaptive pulmonary vascular remodeling.”

Asthma ist eine chronische, entzündliche Erkrankung der Atemwege, die in der Regel bereits im Kindesalter beginnt. Etwa 10% der Kinder und etwa 5% der Erwachsenen sind betroffen. In ihrer Studie wollen Prof. Dr. Harald Renz, Prof. Dr. Michael Zemlin, Prof. Dr. Rembert Koczulla, Dr. Timm Greulich und Dr. Hani Harb den epigenetischen Fingerabdruck bei Asthmatypen verschiedener Altersgruppen beschreiben. Langfristiges Ziel ist die die Entwicklung neuer Therapiekonzepte zur besseren Versorgung von Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen. 225.000 Euro erhalten die Marburger Wissenschaftler für ihr Projekt mit Titel „Epigenetische Signaturen bei unterschiedlichen Asthma-Endotypen im Vergleich zwischen Kindern und Erwachsenen“.

Die idiopathische pulmonale Fibrose ist eine besonders aggressive Form der Lungenfibrose mit sehr schlechter Prognose. Von der Erkrankung Betroffene versterben innerhalb weniger Jahre nach der Diagnose. Bisherige Behandlungsmöglichkeiten können den Krankheitsverlauf nur verlangsamen, nicht aufhalten. Ziel des Projektes der Gießener Nachwuchswissenschaftlerin Dr. Poornima Mahavadi, Prof. Dr. Andreas Günther, Dr. Natascha Sommer und Prof. Dr. Norbert Weißmann ist es, neue therapeutische Strategien zu entwickeln. 225.000 Euro erhält sie für ihr Projekt mit Titel „Understanding the endoplasmic reticulum and mitochondrial crosstalk in the alveolar epithelium in idiopathic pulmonary fibrosis.“

Ebenfalls an der Lungenfibrose forschen die Gießener Wissenschaftler Dr. Soni Pullamsetti und Dr. Rakjumar Savai. Ihr Projekt mit Titel „FoxO-targeting strategies for the treatment of lung fibrosis“ wird mit 300.000 Euro gefördert.

Für die Forschungsarbeit von Prof. Dr. Christos Samakovlis stellt die Von Behring-Röntgen-Stiftung 300.000 Euro zur Verfügung. Prof. Samakovlis ist im Jahr 2014 vom Karolinska-Institut in Stockholm an das Lungenforschungszentrum UGMLC als Professor für Molekulare Pneumologie berufen worden.

 

Hintergrund:
Die im Marburger Landgrafenschloss ansässige Von Behring-Röntgen-Stiftung wurde am 8. September 2006 vom Land Hessen als rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts errichtet. Gegründet wurde sie im Zuge der Fusion der Universitätskliniken Gießen und Marburg im Jahr 2005 und der anschließenden Privatisierung 2006 mit dem Ziel, an beiden Standorten neue Perspektiven für die Hochschulmedizin zu sichern und zu entwickeln. Dem Stiftungsvorstand gehören als Präsident der ehemalige Bundesminister Friedrich Bohl und als Vizepräsidenten der Marburger Virologe Prof. Dr. Hans-Dieter Klenk und die Gießener Augenspezialistin Prof. Dr. Birgit Lorenz an. Ein mit 16 namhaften Wissenschaftlern aus Deutschland und Österreich besetzter wissenschaftlicher Beirat hat die Aufgabe, die der bei der Medizinstiftung eingereichten Förderanträge zu bewerten sowie Projekte und Themenschwerpunkte zu empfehlen. Antragsberechtigt sind Angehörige der medizinischen Fachbereiche der Universitäten Marburg und Gießen. Die Von Behring-Röntgen-Stiftung schreibt jedes Jahr zum 31. Juli eine Förderrunde aus. Bisher konnte sie rund 15,6 Millionen Euro bewilligen.

(Pressetext: Heidi Natelberg, BRS)

 

Weitere Informationen:

Ansprechpartnerin: Heidi Natelberg M.A.
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Von Behring-Röntgen-Stiftung
Tel.: 06421-2822334
E-Mail: natelberg@br-stiftung.de
Homepage: www.br-stiftung.de

 

Zuletzt aktualisiert: 16.02.2016 · Forschungskommunikation

 
 
 
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